16.04.2017  16:00 Uhr  Alter: 129 Tage
Von: Hartmut Gerlach

Der ausführliche Spielbericht: TV Askania Bernburg - FC Einheit Rudolstadt 2:2 (2:1)

Einwechsler sichert den Rudolstädtern das fünfte Auswärtsremis

Dass der TV Askania eigentlich viel besser ist, als es der aktuelle Tabellenplatz aussagt, wusste Einheit-Trainerfuchs Holger Jähnisch natürlich schon im Vorfeld. Denn der Kader der Bernburger ist einer, mit dem selbst gehobene Oberligaansprüche zu erfüllen sind. Das zeigte die Mannschaft von Trainer Benjamin Lehmeier, der allerdings auf der vereinseigenen Homepage immer noch als Assistent des längst in die Wüste geschickten Ioan Mihu geführt wird, obwohl der 26-Jährige seit dem 09.11.16 der Chefcoach ist, über weite Strecken der anständig geführten Partie.

Dabei gehörte der Beginn den Gästen. Die hätten bei den Möglichkeiten von Marco Pusch nach 35 Sekunden, der Chance von Benjamin Bahner (1.) oder der Dreifachgelegenheit (3.) schon führen können. Dass der Ball dann plötzlich doch im Askania-Kasten lag, überraschte nicht, war aber in der Entstehung einigermaßen kurios und gehörte zu den Szenen der ersten 21 Minuten, die hinterher immer noch eifrig diskutiert worden. Denn vor dem 1:0 hob der Assistent die Fahne, die Gastgeber warteten auf den Pfiff, doch der blieb aus. Marco Riemer spielte weiter und netzte ein. Der Treffer zählte, sehr zum Entsetzen der verdutzten Bernburger.

Aber das frühe Tor gab den Thüringern nicht die erhoffte Spielsicherheit. Schon in dieser Anfangsphase registrierte Jähnisch viele technische Fehler und Unkonzentriertheiten. Eine davon führte zu einem unerlaubten Rückpass von George Seturidze, den Max Bresemann aufnahm (17.). Den Freistoß aus elf Metern parierte der FC-Schlussmann zwar hervorragend, doch der Ball prallte zu einem Bernburger. Der flankte nach innen, Christoph Grabinski warf sich ihm in den Weg und bekam das Leder an die Hand. Der Referee, dem man ansonsten aber wohl eine gute Leistung auch aufgrund seines unaufgeregten Auftretens bescheinigen kann, zeigte auf den Elfmeterpunkt (18.). Kritikpunkt des Sünders: Eine harte Entscheidung, zumal die Aktion außerhalb des Strafraums passierte sei.

Leider sah der gut postierte Assistent an der Linie offensichtlich nicht so genau hin und er schien wenig später (21.) völlig mit seinen Gedanken woanders zu sein, denn er ließ seine Fahne bei der klaren Abseitsstellung des Torevorbereiters beim Konter unten. Holger Jähnisch war auf der „Palme“ und hatte bei seinem lautstarken Unmut wohl nicht nur die eigenen Begleiter auf seiner Seite.

Mit dem Vorsprung im Rücken sei seine Mannschaft endgültig im Spiel gewesen, freute sich der Bernburger Trainer. Der sah ein Heimteam mit optischen Vorteilen und mehr Ballbesitz. Zum Glück verpassten die Hausherren mit einer Eingabe ohne Nutznießer (40.) und einem Schuss aufs kurze Eck, bei dem Bresemann auf dem Posten war (43.), weitere Tore. Den Grün-Gelben gelang dagegen im Vorwärtsgang recht wenig, wobei Bahner dennoch eine komfortable Gelegenheit zum Ausgleich ausließ. Aber sein Schuss aus freier Position landete an der Latte (30.).

Auch im zweiten Abschnitt stand der TV, so wie von Lehmeier gefordert, kompakt und verengte geschickt die Räume. Gegen nun offensiver ausgerichtete Rudolstädter setzte er auf Konter, wobei er sowohl über links, wo Michal Zawada seine Schnelligkeit ausspielte, und über rechts, wo Tom Fraus einige Zweikämpfe gewann, gefährlich war (53., 56. Kullmann, 65.). Holger Jähnisch nahm nun drei Wechsel vor und hatte mit dem von Sven Rupprecht das richtige Händchen. Zunächst auf dem Weg zum Tor im letzten Augenblick noch gestoppt (68.), war er wenig später mit einem Drehschuss aus elf Metern, der im langen Eck landete und von Torhüter Patrick Baldauf offensichtlich unterschätzt wurde, erfolgreich (76.).

In den Schlussminuten versuchte die Platzelf noch einmal alles, um doch noch drei Punkte zu sichern. Bei vier Eckbällen hintereinander und drei Freistößen musste die Hintermannschaft des FC Einheit noch einmal voll konzentriert sein, um einen Treffer zu vermeiden. Das gelang auch, wo die letzte gefährliche Aktion den Gästen gehörte. Aber beim Angriff entschied der Assistent auf eine Abseitsposition des frei durchlaufenden Torschützen zum 0:1. Und lag er mindestens so falsch wie vor dem 2:1 Bernburgs.

„Wir hatten gelungene Einzelaktionen, standen aber auch gut in der Defensive. Dass Rudolstadt einer seiner Chancen zum 2:2 nutzt, ist für uns natürlich bitter. Aber dem Spielverlauf nach war das nicht zwingend unverdient, weil Rudolstadt recht viel investiert hat. Ich denke, es war ein gerechtes Ergebnis“ urteilte Benjamin Lehmeier nach Spielschluss. Das Fazit von Holger Jähnisch liest sich so: „Wir haben uns das Leben heute über die gesamte Spielzeit extrem schwer gemacht. Da gab es viele einfache Ballverluste und viele technische Mängel. Daran war jeder mal mehr oder weniger beteiligt. Vor dem Hintergrund muss man den Hut ziehen, denn solche Situationen nagen an der Moral. Aber die Mannschaft hat immer wieder versucht, sich positiv zu motivieren, um einen Punkt mitzunehmen. Am Ende sicher ein gerechtes Resultat.“

Das 2:2 sichert den Grün-Gelben weiterhin den 4. Platz und ist das fünfte Remis auf fremdem Terrain.

Die Statistik:

Bernburg:

Baldauf, Dabel, Bäcker, Fraus, Wegener, Zawada, Kretschmer (73. Salis), Wolschke, Tsipi, Weber, Kullmann

Rudolstadt:

Bresemann, Seturidze, Derbich, Grabinski, Güttich, Röppnack, Thönnessen (81. Reetz), Pusch (78. Temel), Nitsch (65.), Bahner

Schiedsrichter: Christopher Gaunitz (Leipzig), Zuschauer: 79

Torfolge: 0:1 Riemer (3.), 1:1 Wegener (18./HE), 2:1 Zawada (21.), 2:2 Rupprecht (76.)