10.12.2017  13:04 Uhr  Alter: 217 Tage
Von: Hartmut Gerlach

FC Einheit Rudolstadt - TV Askania Bernburg 0:4 (0:1)

Vierte Heimniederlage hintereinander ohne eigenen Torerfolg/ Früher Elfmeter und Rote Karte gegen die Rudolstädter als Knackpunkt

Spätestens nach der vierten Heimniederlage hintereinander, bei der dem FC Einheit auch kein eigener Torerfolg gelang, müsste selbst dem Letzten im Oberligaverein klar sein: Die Rudolstädter kämpfen nach zwei hervorragenden 5. Plätzen in der 5. Liga in den beiden Spieljahren zuvor diesmal um den Klassenerhalt. Ein Gedanke, den Trainer Hogler Jähnisch schon vor Beginn der Saison 2017/17 geäußert hatte, den aber wohl auch nicht jeder Spieler so richtig ernst genommen zu haben schien. Vielleicht auch nicht der eine oder andere Anhänger, denn gerade einmal 30 (!!) Zuschauer bei allerdings eisigem Wind zeigen, dass das Interesse an Oberligafußball in Rudolstadt - der findet nach wie vor auf einem hohen Niveau statt - im sechsten Jahr offensichtlich nicht allzu groß ist.

Mit Askania Bernburg kam der Tabellensechste auf den Kunstrasen nach Rudolstadt. Der erreichte nach zwei Minuten zwar einen Eckball, musste aber wenig später durchatmen, als Jakob Schneider einen 30-Meter-Freistoß aus zentraler Position nur knapp über das Gebälk wuchtete (5.).Nur drei Minuten später dann der Knackpunkt in der fairen Partie, mit der Daniel Kresin (Leipzig) unter den Augen von Schiedsrichter-Beoachter Sandy Hoffmann, Mitglied im Verbandsschiedsrichterausschuss Thüringens, keine große Mühe hatte. Bei einer Aktion von Lukas Derbich gegen Georgaki Tsipi zeigte der Unparteiische auf den Strafstoßpunkt und dem Rudolstädter Verteidiger wegen Verhinderung einer klaren Torchance zudem noch den roten Karton (8.). Vom Verfasser war die Szene aus gut 80 Metern kaum einsehbar. Deshalb müssen die Stimmen der Beteiligten herhalten. So soll Tsipi auf dem Weg in die Halbzeitkabine gesagt haben, dass er nicht gefoult worden sei. Wenn dem so ist, dann hätte sich der Bernburger den Fair Play-Preis verdienen können…

Auch Derbich schwor Stein und Bein, seinen Gegenspieler nicht elfmeterwürdig von den Beinen geholt zu haben. Aber natürlich nahm der Referee, der so wie TV-Trainer Karsten Oswald im Unternehmen bluechip arbeitet, seine Entscheidung nicht zurück, schließlich gibt es in der Oberliga (noch) keinen Videobeweis, und der TV Askania ging sehr früh in Führung.

Doch wie die Hausherren die Dreifachbestrafung bis zur Pause wegsteckten, nötigte selbst Sandy Hoffmann allergrößten Respekt an. Oswald, einst unter anderem beim ZFC Meuselwitz lange Jahre einer der Leistungsträger und hier auch Trainer, grantelte: „Wir waren in den ersten 45 Minuten viel zu passiv. Zwar hatten wir einen Mann mehr auf dem Feld, aber da macht man wahrscheinlich den ominösen Schritt weniger als der Gegner.“

Die Einheit war bis zum Wechsel die klar bessere Mannschaft mit deutlichen Chancenvorteilen. Aber weder Marco Riemer (12./Außennetz, 22., 36.) noch Niklas Möhrlein (20.) - bei seinem Schuss Richtung langes Eck zeigte Patrick Baldauf im Kasten der Gäste seine beste Abwehrtat - Thomas Thönnessen (25.), Markus Güttich (24.) und Schneider (39.) schafften  mit ihren Abschlüssen bzw. gefährlichen Eingaben Zählbares. So ging die Oswald-Elf mit einem schmeichelhaften Vorsprung in die warme Kabine.

Er habe in der Pause ein paar deutliche Worte gefunden, sagte der TV-Trainer. Die hatten seine Schützlinge offensichtlich verinnerlicht. Mit ihrer Schaltung in den Offensivmodus überraschten sie die Grün-Gelben. Schon wenige Sekunden nach Wiederbeginn zielte Tsipi nur knapp vorbei. Dann musste Max Bresemann einen Fehler von Tom Eichberger ausbügeln (50.). „Wir haben in der zweiten Halbzeit so allmählich die Spielkontrolle verloren. Zwar haben wir nach vorn gespielt, uns aber im Mittelfeld nicht abgesichert. Dadurch sind wir mehrfach eiskalt ausgekontert wurden. Da hat uns der Gegner gezeigt, wie man Chancen konsequent verwertet“, beschrieb Holger Jähnisch die Szenen, die zu den beiden Treffern der Gäste innerhalb von fünf Minuten führten (54. Hinrichsmeyer; 59. Tsipi) und auch die weiteren Möglichkeiten der Askania bei einem Schuss an den Innenpfosten (58.) und einer Rettungstat von Güttich auf der Torlinie  (67.). Zwar hatte auch Rudolstadt Torgelegenheiten durch Philipp Röppnack (53.), Riemer (69.) und zwei Mal durch den eingewechselten Sven Rupprecht (78., 87./Latte), aber ein Treffer wollte einfach nicht gelingen. Stattdessen erhörte der Gast sogar auf 4:0, wobei Tom Fraus mit seinem Grundliniendurchbruch über rechts im Gegensatz zu den Akteuren auf der anderen Seite mit Mario Hesse auch einen Abnehmer fand (84.)

So blieb es bei der höchsten Heinniederlage der Hinrunde für die Einheit. Die müsse man in der Winterpause konsequent aufarbeiten und sich dabei auch nicht in die Tasche lügen, zeigte sich der FC-Trainer nach Spielschluss gewohnt kritisch, aber auch optimistisch.

Das nächste Oberligaspiel ist der Nachholer in Halle am 11.02.18. Allerdings weiß man in Rudolstadt noch nicht, wie das NOFV-Verbandsgericht den Einspruch von Wismut Gera gegen die Spielwertung des ausgefallenen Spiels gegen die Einheit beurteilt.

Die Statistik

FC Einheit:

Bresemann, Seturidze, Eichberger (65. Becker), Röppnack, Güttich, Derbich (9. RK), Reetz (61. Rupprecht), Schneider, Riemer, Möhrlein (57. Schirrmeister), Thönnessen

TV Askania Bernburg:

Baldauf, Dabel (46. Klitscher), Bäcker, Fraus, Bochmann, Hese, Groß, Hinrichsmeyer (79. Kürschner), Tsipi (61. Schubert), Weber, Podleska

Schiedsrichter: Daniel Kresin (Leipzig), Zuschauer: 30

Torfolge: 0:1 Hesse (8./FE), 0:2 Hinrichsmeyer (54.), 0:3 Tsipi (59.), 0:4 Hesse (84.)

Fotos: Grit Fleischer