15.12.2017  18:37 Uhr  Alter: 125 Tage
Von: Hartmut Gerlach

Kampf um den Klassenerhalt ist die vordinglichste Aufgabe für den schmalen Kader

Hinrundenbilanz: Chancenverwertung war das große Manko des zweimaligen Oberligafünften

Keine Frage, nach zwei sehr guten fünften Plätzen in den letzten beiden Spieljahren lief die Hinrunde der Saison 2017/18 im sechsten Oberliga nicht so, wie sich das die Verantwortlichen beim FC Einheit Rudolstadt gewünscht hatten. Mit gerade einmal 13 Puntken und 18:20 Toren nimmt der FC Einheit Tabellenrang 12 im Feld der 16 Mannschaften der 5. Liga, Staffel Süd, ein. Das sind sieben Zähler weniger als vor Beginn der 1. Halbserie erhofft. Wobei man natürlich berücksichtigen muss, dass die Rudolstädter im Vergleich zur Konkurrenz mit nur 13 Partien die wenigsten aller Oberligisten bestritten haben.

Die Spiele in Gera und Halle fielen aus, wobei man bei der Einheit nach der Absetzung des Wismut-Spiels, dem Urteil des NOFV-Sportgerichts und dem darauf folgenden Einspruch der Geraer nun schon seit mehr als drei Wochen auf die Entscheidung des Verbandsgerichts wartet.

Holger Jähnisch, bereits im siebten Jahr Trainer in Rudolstadt, wusste allerdings schon im August, dass es eine schwere Saison für seine Schützlinge werden würde. Vor allem angesichts der zehn Abgänge: Christoph Grabinski, Carsten Sträßer, Bastian Göller, Maik Müller, Philip Nitsch, Patrick Schröter, Benjamin Schröter, Marco Pusch, Stefan Staskewitsch und Vedat Temel.

Zwar verstärkte sich der FC mit Nico Becker (FC Rot-Weiß Erfurt U19), Tom Eichberger, Lukas Schirrmeister, Tom Gründig, Niklas Möhrlein (FC Carl Zeiss Jena II), Alexander Glaser (SV Rositz), Renè Rudolph (Rückkehrer von Traktor Teichel), und Leon Gehrmann (eigener Nachwuchs). Aber schon damals war dem erfahrenen Übungsleiter klar, dass der Kader wohl zu klein ist. Zu allem Überfluss fielen Philipp Serrek und Renè Rudolph generell aus und auch Philipp Röppnack, Thomas Thönnessen und Jakob Schneider standen aus Studiengründen für mehrere Wochen nicht zur Verfügung. So stellte sich die Mannschaft in vielen Begegnungen selbst auf und sogar Co-Trainer Thomas Rothe musste das Trikot von Hauptsponsor Energieversorgung Rudolstadt (EVR) überstreifen. Er wird in der Statistik der Oberliga mit 39 Jahren in der Herbstrunde 2017 als der älteste Spieler geführt.

„Unser Kader hat eine gute Qualität und bringt durchaus Erfahrung mit, aber er ist einfach zu klein“, bringt Jähnisch eines der Probleme auf den Punkt. Dabei betont er nicht einmal die Schwierigkeiten, die die Integration von sechs Neuen mit sich bringen. Damit hat der 47-Jährige schließlich seit dem Beginn seiner Tätigkeit in Rudolstadt reichlich Erfahrung.

Es waren vor allem die unnötigen 0:1-Heimniederlagen gegen Barleben, Plauen und Eilenburg, die der Einheit Punkte kosteten. Aber auch in Sandersdorf und vor allem beim Aufstiegsanwärter Bischofswerda war viel mehr möglich.

Holger Jähnisch nennt zunächst zwei Gründe für die magere Bilanz: „Da ist einmal die mangelnde Chancenverwertung - wir haben uns in jedem Spiel genügend Tormöglichkeiten erarbeitet - und die Fehler, die die Mannschaft beim konsequenten Zuendespielen von guten Angriffen zeigte. Andererseits machte man dem Gegner das Toreschießen häufig zu einfach.“

Aber der Trainer lenkt die Aufmerksamkeit noch auf einen anderen Punkt: „Der Charakter der Mannschaft hat sich in den letzten eineinhalb Jahren geändert. Mit Spielern wie Sonnenberg,. Schulz, Grabinski, Kutzner oder Benjamin Schröter war viel Fight und Spirit im Team. Da haben wir auch mal mit einer Fünferkette und bedingungslosem Verteidigen Siege eingefahren.“ Und schmunzelnd fügt er hinzu: „Wir haben heute viel Schöngeist und Intelligenz in der Mannschaft.“

Doch der Jenaer, der die Oberliga wie kaum ein Zweiter kennt, sieht die die veränderte Struktur in seiner Mannschaft auch als Aufgabe. Es müsse gelingen, mit den Spielern, die zur Verfügung ständen, wieder eine eigene Stärke zu entwickeln.

Gefragt nach den Aktiven, die über die gesamte Hinrunde hinweg besonders stabil waren, nennt er Schlussmann Max Bresemann. „Trotz seiner gerade einmal 21 Jahre zeigt er sowohl im Fußballerischen als auch von der Ruhe und Ausstrahlung her ein sehr gutes Torwartspiel. Er organisiert und übernimmt Verantwortung. Mit Tim Ackermann, dem Nachfolger von Michel Schoke in dieser Funktion, hat er natürlich auch einen sehr guten Torwarttrainer“. Und mit Alexander Glaser, der im Landespokal zum Einsatz kam, gebe es auch eine gute Alternative. Glaser habe durchaus die Voraussetzungen dafür, in der Oberliga zu halten, so Jähnisch.

„Alle anderen verfügen über zum Teil erhebliches Steigerungspotential. Das müssen sie aber auch abrufen, um den Klassenerhalt zu sichern“, blickt Holger Jähnisch voraus. Denn wenn alles schlecht läuft, könnte es am Ende vier Absteiger geben. Natürlich hofft er, dass es in der Winterpause gelingt, den einen oder andere Zugang, der charakterlich zur Mannschaft passe und der die Rahmenbedingungen akzeptiere, nach Rudolstadt zu lotsen.

Die Statistik:

Der Oberligist gewann vier Spiele: VfB Krieschow 4:2 (H), Einheit Kamenz 3:0 (A), SCHOTT Jena 5:0 (H), Inter Leipzig 2:1 (H). Einmal spielte man remis: SV Merseburg 1:1 (A). Acht Partien wurden verloren: Lok Stendal 0:2 (A), FSV Barleben 1:2 (H), Union Sandersdorf 0:1 (A), VFC Plauen 0:1 (H), FC Eilenburg 0:1 (H), Carl Zeiss Jena II 1:3 (H), Bischofswerdaer FV 1:2 (A), Askania Bernburg 0:4 (H).

Die 22 eingesetzten Spieler:

Bresemann, Seturidze, Eichberger, Riemer, Rupprecht (13), Bahner, Güttich, Schirrmeister (12), Derbich, Thönnessen, Reetz, Becker, Möhrlein (10), Schneider (9), Röppnack (6), Rudolph (4), Gründig, Gehrmann (3), Serrek (2), Sträßer, Rothe, Ackermann (1).

Die 18 Tore verteilen sich so:

Bahner (7), Riemer, Schneider (4), Rupprecht (2), Schirrmeister (1)