02.01.2018  17:57 Uhr  Alter: 107 Tage
Von: Textauswahl: Hartmut Gerlach

OTZ mit dem Rückblick über die vier Thüringer Oberligisten in der Hinrunde 2017/18

Axel Ukena sprach mit Stefan Treitl, Dr. Falk Werner, Holger Jähnisch und Carsten Hänsel

Auf einer ganzen Seite beschäftigt sich die Ostthüringer Zeitung (OTZ) am heutigen 02.01.18 mit den vier Oberligisten FC Carl Zeiss Jena II, SV SCHOTT Jena, FC Einheit Rudolstadt und BSG Wismut Ger in der Hinrunde 2017/18.. Dazu hat Axel Ukena mit den Trainern Stefan Treitl, Dr. Falk Werner, Holger Jähnisch und Carsten Hänsel gesprochen. Die Texte über die Aussagen unseres Trainers haben wir etwas hervorgehoben.

Und das ist der OTZ-Beitrag:

So lief die Oberliga-Halbserie für Wismut Gera, Schott Jena, FC Carl Zeiss Jena II, Einheit Rudolstadt

Fußball, Oberliga: Wismut überwintert auf Abstiegsplatz. Umbruch in Rudolstadt bringt neues Ziel. Schott überrascht vor allem auswärts. Zeiss-Fohlen vor neuem Anspruch.

Gera. Die Oberliga macht bis zum 11. Februar Pause. Dann werden drei ausstehende Partien nachgeholt, und vielleicht auch die Wertung zur abgesetzten Partie Wismut – Rudolstadt. So bleibt Zeit für ein Resümee der Trainer der vier Ostthüringer Vertreter BSG Wismut Gera, SV Schott Jena, FC Carl Zeiss Jena II und FC Einheit Rudolstadt.

Carsten Hänsel verbrachte die Festtage in seiner Heimatstadt Bautzen. Der Coach der BSG Wismut nutzte die Zeit im Kreise der Familie, um den Kopf frei zu bekommen, ehe es voll konzentriert mit der Vorbereitung auf die Rückrunde losgeht. „Wir brauchen da nichts schön reden, es ist definitiv zu wenig“, blickt der Verantwortliche auf die Ausbeute von neun Punkten.

Falk Werner vom SV Schott Jena freut sich hingegen über den guten Saisonverlauf mit bislang 18 Punkten. „Wir sind sicher als einer der ersten Abstiegskandidaten gehandelt worden, gerade nach den Abgängen von langjährigen Stammspielern wie Maximilian Enkelmann, Jakub Petrik, Dimo Raffel und Robert Häring.“ Gemeinsam mit Florian Schmolke baute der Coach ein junges Team auf, welches positiv überraschte. „Mit dem 1:0 in Gera sind wir sensationell gestartet. Das war so nicht geplant. Wir wären auch mit einem Punkt zufrieden gewesen“, macht der Coach den Saisonstart an Trainingsbeteiligung, Mannschaftsgeist, breiterem Kader und wenig Verletzungen fest.

Noch mehr Abgänge hatte der FC Einheit Rudolstadt zu verzeichnen, wo Holger Jähnisch die Mannschaft das siebente Jahr betreut, sechs Jahre davon in der Oberliga. Diesmal gingen zehn Spieler weg, kam sechs neu hinzu. Diese Fluktuation sei beim FC Einheit nichts Neues. „Da muss man immer versuchen, ein Stück Mannschaft neu zu bauen. Von daher sind unsere Ambitionen nicht die, wie in den letzten Jahren.“

Studium, Auslandsaufenthalte und anderes führten beim FCE zu vier längeren Ausfällen. „Wir haben uns mit dem schmalen Kader durch die Saison gewurschtelt. Das hat uns nur 13?Punkte eingebracht. Die Situation war vielleicht noch nicht in allen Köpfen angekommen, dass es heißt, die Liga zunächst zu halten.“

Für Stefan Treitl vom FC Carl Zeiss II zählen ganz andere Prämissen. „Es geht nicht darum, dass wir Platz eins bis fünf belegen müssen, sondern, dass wir die Spieler an die erste Mannschaft heranführen. Dafür gab es in der ersten Halbserie Phasen, die sie sehr gut gemacht haben. Aber die Spieler haben schon gemerkt, dass es jetzt nicht mehr Regionalliga, sondern dritte Liga heißt. Da ist der Abstand relativ groß, was das Körperliche und Athletische angeht. Da haben wir noch eine ganze Menge Nachholebedarf auch für die zweite Halbserie.“

Verrückt war vor allem das 4:5 in Bernburg nach 3:1-Führung. „Das sind Wundertüten, wo du dann nicht mehr weißt, was du sagen sollst. Die Mannschaft hatte das Spiel im Griff, lässt sich dann voll von der Rolle bringen und kann es nicht mehr umbiegen. Aber das gehört zum Lernprozess.“

Carsten Hänsel will nun in Gera einiges korrigieren. „Das werden wir jetzt versuchen, weil es die Qualität der Mannschaft sportlich hergibt, dass wir in der Rückrunde deutlich mehr Punkte holen, als in der Hinrunde, was wir ja auch müssen.“ Null oder drei – so war bislang die Torausbeute in den Oberligapartien. Das ist eher was für Statisten. Gera stolperte auch an einfachen Dingen. Das zweite Spiel sollte am Steg sein. Der Platz war aber nicht fertig, die Paarung wurde gedreht. „Wir haben gegen zwei der Besten der Liga, Plauen und Leipzig, zum Start jeweils 0:1 verloren. Beide Male hatten wir den ‚lucky punch‘ verpasst. Gegen Inter schießen wir fünf Minuten vor Schluss an den Pfosten.“ Trotz spielerischer Überlegenheit gelangen auch daheim gegen Schott und Halle 96 keine Tore. „Der Druck wurde größer, dazu kamen Verletzungen über länge Zeit wie beim Bänderiss von Philipp Roy oder dem Arbeitsunfall von Florian Schubert. Insgesamt vier Ausfälle über ein Vierteljahr können wir so nicht kompensieren. Dann wurden auch die Leistungen nicht voll abgerufen, im Spiel falsche Entscheidungen getroffen“, blickt Carsten Hänsel auch auf die abgegebene Führung gegen Bernburg (3:3) sowie die Niederlage in Kamenz auf schlechtem Kunstrasen, und auf Probleme in der Mannschaft, die intern ausgeräumt werden.

Das Quäntchen Glück hatte Schott in Gera beim 1:0 in der Schlussminute. Sieben Zähler nach drei Spielen deuteten aber auf mehr als auf Glücksumstände hin. „In den Testspielen hatten wir nicht solche Ergebnisse, aber wir hatten im Sommer gut gearbeitet. Wir haben gesehen, welche Möglichkeiten wir haben, wenn wir als Mannschaft funktionieren. Da sind wir einen guten Schritt weiter gekommen, in der Mannschaft, bei den Trainern und im Umfeld. Unser Ziel ist ein einstelliger Tabellenplatz. Diese 18 Punkte stehen uns gut zu Gesicht, es ist aber nicht alles Zufall. Wir haben ein junges Team, und da werden auch mal schlechtere Spiele dabei sein. Die Oberliga ist sehr ausgeglichen. Jeder kann jeden schlagen. Jetzt sind wir noch an zwei Spielern für die Rückrunde dran. Das sieht gut aus. Wir müssen auf jeden Fall einiges dafür tun. Und ich glaube, das ist bei unseren Spielern angekommen. Es gab zwei Spiele, die wir zurecht recht deutlich verloren haben gegen Rudolstadt und Inter, aber ansonsten habe ich meine Mannschaft auf Augenhöhe gesehen“, so Falk Werner.

Optimistisch ist auch Holger Jähnisch. Er will was vor allem die Fitness angeht jetzt nachbessern. „Wir hoffen, dass wir in der Rückrunde die nötigen Punkte für den Klassenerhalt holen. Wir hatten in jedem Spiel genügend Chancen, mussten aufgrund der Ausfälle oft improvisieren. Wir sind aber auch ein Verein, der nur das investieren kann, was er hat, wir können uns auf dem Transfermarkt nicht beliebig austoben, sondern suchen Spieler, die bereit sind, sich den Bedingungen zu stellen.“ Die Liga sei noch ausgeglichener geworden. „Es gibt keine Übermannschaft. Da entscheiden Nuancen in oft engen Spielen.“ Hoffnung geben der Sieg gegen Inter und das Spiel in Bischofswerda, trotz Niederlage. „Wir waren mit dem Tabellenführer auf Augenhöhe.“

Carsten Hänsel macht vor allem die positive Entwicklung im Umfeld des Vereins Mut, was die Nachwuchsakademie angehe, und vor allem den Einzug ins Pokalhalbfinale. Aber es gäbe auch mal Rückschritte. „Da muss man hinterfragen, gegebenenfalls korrigieren“, baut der Coach auf die deutlich mehr Heimspiele in der Rückrunde.

Für Stefan Treitl bedeutet die 3. Liga noch eine ganz andere Kategorie Männerfußball. „Du musst heute schneller funktionieren, du musst da sein, wenn es drauf ankommt. Es ist heute für junge Spieler wirklich schwieriger, sich durchzusetzen, aber wir haben im Trainerteam die Augen darauf, die Jungs sind ja auch schon länger da.“ Gerade in jüngerer Zeit haben Talente des Nachwuchsleistungszentrums den Sprung nach oben geschafft, und weitere, wie Maximilian Weiß oder Tom Krahnert, zählen inzwischen zum Stamm der Oberligamannschaft mit Blick dorthin.

Axel Ukena

Textauswahl: Hartmut Gerlach