11.03.2018  10:20 Uhr  Alter: 282 Tage
Von: Hartmut Gerlach

FSV Barleben 1911 - FC Einheit Rudolstadt 0:1 (0:0)

Mit einem „dreckigen Sieg“ den vierten Dreier in Folge geholt

Das Oberligaspiel vom Samstag auf dem Kunstrasen in Barleben wird sich wohl kaum ins Gedächtnis der Spieler und Zuschauer einbrennen. Dazu fehlte ihm an diesem Nachmittag die Qualität. Spannend war es jedoch allemal, wozu der Gast unfreiwillig beitrug. Und so legt der Autor gern auch Geld ins berühmte Phrasenschwein mit Sprüchen wie: “Morgen fragt keiner mehr, wie wir gespielt haben. Hauptsache gewonnen. Am Ende zählen nur die Punkte …“ Einheit-Trainer Holger Jähnisch kann sich daran gern auch ein wenig beteiligen. Seine Aussage vom „dreckigen Sieg“ umschreibt in der Fußballersprache, dass man nicht tiefer nachstoßen sollte, wie ein Erfolg zustande gekommen ist, trifft aber die 95 Minuten andauernde Partie doch ziemlich exakt. Am Ende fuhren die Rudolstädter letztlich glücklich mit dem vierten Dreier hintereinander und mit dem 6. Tabellenplatz in der 5. Liga  die knapp 250 Kilometer zurück nach Thüringen.

Die Kontrahenten begannen abwartend, niemand wollte den ersten Fehler begehen. So entwickelte sich in den ersten 45 Minuten zumeist eine Begegnung zwischen den Strafräumen. Dabei waren auch Chancen rar gesät. Erst nach einer knappen Viertelstunde bekam einer der bis dato beschäftigungslosen Torhüter Arbeit. Es war Florian Stränsch auf der Seite der Rand-Magdeburger, als er einen Freistoß von Marco Riemer aus seiner Box faustete.

Das Spiel war auf beiden Seiten geprägt von vielen langen Bällen. Doch die wurden zumeist eine Beute der Abwehrreihen oder waren oft viel zu weit getimt. Ein Umstand, den Jähnisch zur Bemerkung veranlasste, dass seine Mannschaft vor der Pause sowohl mit dem kleineren Platz als auch mit dem taktischen Verhalten von Barleben nicht so recht klar gekommen sei.

Nach 20 Minuten ging bei Barleben einmal schnell die Post ab, aber Christopher Kalkutschke verzog. Dann klärte Max Bresemann im schnellen Herauslaufen vor Tim Kolzenburg (24.) Diese Angriffe der Gastgeber, die nach fünf sieglosen Begegnungen unbedingt wieder die ersten Punkte holen wollten, erwiesen sich jedoch als Strohfeuer und das Match geriet wieder ins alte Fahrwasser. Zwar erspielte sich der Gast nun drei Eckbälle heraus, Zählbares brachten die jedoch nicht.

Die beste Aktion der Grün-Gelben folgte nach einer Freistoßvariante. Bei der bediente Riemer Benjamin Bahner, der das schwer zu nehmende Leder aber per Seitfallzieher in die Wolke drosch (35.).

Kurz darauf war Bresemann zu seiner besten Tat im gesamten Spiel gezwungen,. Er bügelte per Fußabwehr den Fehler des sonst sehr solide agierenden jungen Mariusz Szymanski gegen den allein auf ihn zulaufenden Denny Piele aus (39.). Wenig später ertönte der Pausenpfiff.

Offensichtlich hatte der Rudolstädter Trainer mit der Halbzeitauswertung seine Schützlinge erreicht. Denn die marschierten nun sehr viel engagierter und mutiger aus der Kabine. Schon kurz nach Wiederbeginn landete ein Kopfball von Bahner nach einer Eingabe von Jakob Schneider auf dem Netz (46.). Dann kam Sven Rupprecht ans Leder, umspielte noch den Torhüter, aber das Leder rollte nicht zwischen die Pfosten (48.). Kurz danach war der Torjubel der Platzherren zu früh, denn die Abseitsfahne stand zuvor deutlich ((50.). Wenig später verzog Bahner freistehend aus fünf Metern bei einem Kopfball (51.). Erneut war Schneider bei diesem „Riesen“ der Vorlagengeber. Auch ein weiterer Seitfallzieher von Bahner (59.) schlug nicht ein. Doch der nächste Versuch saß. Wiederum lief das Spielgerät schnell durch die FC-Reihen. Diesmal brachte Bahner das Leder nach innen, wo der mitgelaufene Raul Amaro nur noch den Fuß hinzuhalten brauchte, um aus fünf Metern einzuschieben (62.).

Dann wurde es hektisch. Als Barlebens Schlussmann einen Ball außerhalb des Strafraums unterlief und die Hand nahm, blieb dem Unparteiischen nur der Rote Karton übrig (64.). Der nun eingewechselte Barlebener Keeper schien verunsichert, denn er bescherte Raul die große Gelegenheit zum Ausbau der Führung. Doch der Mittelfeldspieler konnte sie nicht nutzen (67.). Auch die nächste Chance, die von ähnlichem Kaliber war, ließ Raul aus (73.).

Barleben, immer wieder lautstark von seinem Kapitän, dem ehemaligen Einheit-Spielführer Christoph Grabinski - der stellte sich, obwohl gesundheitlich nicht fit, in den Dienst seiner „neuen“ Mannschaft -  animiert, versuchte in Unterzahl das Blatt noch zu wenden. Aber mehr als ein gefährlicher 18-Meter-Freistoß von Marwin Potyka, der allerdings um einen Meter am Pfosten vorbei ins Toraus zischte (83.), sprang an Großchancen nicht heraus. Hingegen verpasste der FC Einheit durch Schneider, der den Foulelfmeter mit „zwei Stundenkilometern“ (O-Ton Mannschaftsleiter Tim Ackermann) Richtung Christian Beer versendete, die endgültige Entscheidung (88.). Vorausgegangen war ein Foul des Schlussmanns an Bahner im Strafraum als letzter Mann. Dass der sonst die zeitweise etwas nickliche Partie mit Oberligamaßstäben leitetende Referee nicht erneut in seine Gesäßtasche griff, so schmerzhaft das wohl auch für den Gastgeber gewesen wäre, könnte wohl ein Thema bei der Auswertung mit dem Berliner Beobachter sein. Leider musste Bahner nach dieser Aktion verletzt herunter und man kann nur hoffen, dass sich die ersten schlimmen Eindrücke von der Blessur nicht bestätigen.

Mit dem vergebenen Strafstoß machte sich die Einheit das Leben selbst schwer. Sie musste noch die fünfminütige Nachspielzeit überstehen, ehe sie sich mit den per Zug in sachsen-Anhalt angereisten Fans über den Auswärtssieg freuen durften.

Diese Gefühlslage war bei Barlebens Trainer Jörn Schulz natürlich nicht vorhanden. Er machte die Niederlage seiner Mannschaft vor allem an der prekären personellen Situation fest. „Wir hatten heute nur elf Spieler zur Verfügung. Uns erreichten fast täglich Hiobsbotschaften über Ausfälle, die wir nicht kompensieren können. Wir wollten kompakt stehen und Rudolstadt mehr Ballbesitz überlassen. Die erste Viertelstunde nach der Halbzeit haben wir verschlafen. Dann hat bei uns in einem intensiven Spiel die Kraft nachgelassen, zumal wir keine echten Wechselmöglichkeiten hatten“, resümierte er. Holger Jähnisch sah eine bessere zweite Hälfte seiner Elf mit vier, fünf sehr guten Chancen. „Doch bei denen fehlten uns die Konsequenz und die Konzentration. Wir müssen einfach zwei, drei Tore mehr machen“, lautete sein Schlusskommentar.

Statistik

FSV Barleben:

Florian Stränsch (64./RK), Dennis Spitzer, Robert Löw, Alexander Prinz, Nils-Oliver Göres, Tim Kolzenburg (65. Christian Beer), Marwin Potyka, Franz Zimmer, Christoph Grabinski, Christopher Kalkutschke, Denny Piele

FC Einheit Rudolstadt:

Max Bresemann, Mateusz Szymanski (87. Lukasz Derbich), Sven Rupprecht, Thomas Thönnessen, Lukas Schirrmeister, Philip Röppnack, Raul Amaro, Jakob Schneider, Marco Riemer, George Seturidze, Benjamin Bahner (87. Leonard Gehrmann

Schiedsrichter: Benjamin Seidl (Langenbernsdorf) - Zuschauer: 110
Torfolge: 0:1 Raul Amaro (62.)

Fotos: Achim Freund