28.05.2018  19:00 Uhr  Alter: 25 Tage
Von: Hartmut Gerlach

FC Einheit Rudolstadt – VfL Halle 96 4:2 (1:1)

Sven Rupprecht war der Mann des Nachmittags

Natürlich ist Fußball eine Mannschaftssportart. Aber es gibt auch immer wieder Einzelkönner, die einem Spiel den Stempel ausrücken und deren Leistung nicht selten mit dem Begriff Matchwinner umschrieben werden. Und ein solcher war an diesem fast schon sommerlichen Nachmittag, der selbst durch ein Gewitter in seinen Temperaturen nicht wesentlich beeinflusst wurde, Sven Rupprecht vom FC Einheit. Er war an allen vier Toren des Gastgeber beteiligt, erzielte zwei selbst und bereitete die beiden anderen uneigennützig vor.

Schon nach drei Minuten kam er erstmals zur Torschützenehren. Ein „Zuckerpass“ von Raul Amaro hebelte die Hallenser Deckung aus, Rupprecht lief durch, behielt die Übersicht und netzte ein. Die Einheit schien nachlegen zu wollen und kam auch zu zwei Eckstößen. Doch der erste Versuch der Gäste war erfolgreich. Beim Tor von Max Zimmer war die FC-Hintermannschaft wohl unkonzentriert, störte bei einem Angriff über die linke Seite nicht energisch genug und gestattete dem VfL-Angreifer den Abschluss aus fünf Metern und relativ freier Position (12.).

Nur wenig später (14.) folgte fast eine Kopie des erfolgreichen Spielzuges zum 1:0. Erneut passte Raul exakt zu Rupprecht. Der 20-Jährige lief wieder durch, scheiterte diesmal aber an Schlussmann Christian Ignorek.

Danach trat, was die Herausarbeitung von Chancen betraf, bei den Grün-Gelben zunächst erst einmal eine Sendepause ein. Es gab viel Leerlauf im Spiel nach vorn, sodass sich Halle durchaus gut in Szene setzen konnte. Aber der VfL kam auch nicht zu aussichtsreichen Gelegenheiten. Nur einmal, als Alain Nkem am Ball vorbei segelte, schien ein Treffer möglich (34.). Kurz zuvor (32.) fehlten auch Jakob Schneider die berühmten Zentimeter, um ans Leder zu kommen. So blieb es beim 1:1-Pausenstand.

Der zweite Durchgang begann mit einem Schuss von Kevin Schiller, der aber sein Ziel verfehlte (47.). Dann erneut ein Galaauftritt des wie aufgezogen agierenden Sven Rupprecht. Wiederum ließ er die Abwehrspieler im Strafraum nach Belieben stehen und schob das Leder über die Linie (55.).

Aber Halle, das, unabhängig von den Spielständen auf den anderen Plätzen selbst etwas für den Klassenerhalt tun wollte und sich dabei auf zahlreiche mitgereiste Fans verlassen durfte, die sich als friedlicher und lautstarker Anhang erwiesen, zeigte sich vom zweiten Rückstand nur wenig beeindruckt und spielte nach vorn. Bei Möglichkeiten von Paul Zimmermann (63. und 66.) mit dem Fuß und den Kopf musste man im Rudolstädter Lager durchatmen. Auch, als die Mannschaft aus Sachsen-Anhalt am klug den Winkel verkürzenden Max Bresemann scheiterte (68.). Beim folgenden Eckball erledigte Lukas Schirrmeister dann die Arbeit seines Keepers, indem er auf der Linie rettete.

Dann war wieder einmal die Einheit am Zuge, aber beim Konter über Schneider bewahrte Ignorek seine Farben vor dem 3:2 (70.). Und als Philipp Röppnack am „langen Pfosten“ viel Platz hatte, landete sein Schuss nicht im Kasten der 96er. Spätestens, nachdem der VfL-Torwart im Herauslaufen gegen Schneider klärte (74.), hatte sich der neue Tabellensechste ein Tor verdient.

Ein Treffer fiel auch, allerdings auf der Gegenseite. Bei einem Angriff über links packte die FC-Verteidiger nicht energisch genug zu und der eingewechselte Florin Hilprecht nutzte seine Freiheit, um unhaltbar in den Winkel zu treffen (83.).

Rudolstadt benötigte nur drei Minuten, um den Ausgleich zu verdauen, Dann ging die Post erneut über Rupprecht ab. Der umspielte noch den Schlussmann, bediente aber den mitgelaufenen Markus Güttich, nach sehr langer Verletzungspause erstmals wieder dabei, der kein Problem hatte, ins leere Tor zu treffen, In der Nachspielzeit dann Auftritt Nummer vier des wieselflinken Rudolstädters. Diesmal marschierte er wiederum durch, sah den jungen Leo Gehrmann, der die Kugel über die Linie schoss und sich damit ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk (19) machte (90.+1).

Es sei natürlich ein verdienter Sieg des FC Einheit gewesen, bekannte VfL-Coach Renè Behring. Aber er wollte nichts zum Spiel sagen, sondern freute sich vor allem darüber, dass seine Mannschaft aufgrund der Niederlage von Stendal in Jena aller Abstiegssorgen ledig ist.

Auch Holger Jähnisch stand die Freude ins Gesicht geschrieben. „Wir wollten in unserem letzten Heimspiel schon zeigen, was wir noch drauf haben“, sagte er zur Pressekonferenz. Das sei der Mannschaft gegen gute Hallenser, die nur wenig Raum und Möglichkeiten geboten hätten, auch gelungen. „Mit einem außergewöhnlichen guten Sven Ruprecht an der Spitze haben wir uns den Sieg mit vier Toren redlich verdient“, fügte er hinzu.

Durch den und die Niederlage von Barleben ist der FC Einheit nun sogar noch einen Platz nach vorn gerutscht und steht nach dem vorletzten Spieltag auf Rang sechs.

Die Statistik:

FC Einheit:

Bresemann, Becker, Derbich, Riemer, Röppnack, Thönnessen (44. Szymanski), Schirrmeister, Khvasta (79. Gehrmann), Rupprecht, Raul Amaro (57. Güttich), Schneider

VfL Halle:

Ignorek, Englich, Schiller, Eder, Renner, Nkem (70. Hilprecht), Worbs (75. Niesel), Zimmer (59. Kowalewicz), Schunke, Hahn, Zimmermann

Schiedsrichter: Christian Schlömann (Stollberg/Erzgebirge), Zuschauer: 144

Torfolge: 1:0 Rupprecht (3.), 1:1 Zimmer (12.), 2:1 Rupprecht (55.), 2:2 Hilprecht (82.), 3:2 Güttich (85.), 4:2 Gehrmann (90.+1)

 Fotos: Achim Freund