29.09.2018  21:26 Uhr  Alter: 74 Tage
Von: Hartmut Gerlach

FC Einheit Rudolstadt – FC International Leipzig 0:1 (0:0)

Bitterer, aber gerechter Spielausgang

Wenn man ein Spiel in der 90. Minute verliert, ist das schon eine bittere Angelegenheit. Doch die, die Oberligapartie bei herrlichem Wetter und besten Platzverhältnissen gesehen haben, werden zustimmen, dass der Sieg von Inter natürlich in Ordnung geht und auch völlig verdient ist. Seine Mannschaft habe ein klares Chancenplus gehabt und sei von der Spielanlage auch die bessere Mannschaft gewesen, konstatierte Heiner Backhaus, der Trainer der Muli-Kultitruppe aus der Messestadt.

Dem konnte Holger Jähnisch nur zustimmen, hatte aber viel Anerkennung für seine aufopferungsvoll kämpfenden, zum Teil angeschlagenen Schützlinge, die ihr Heil vor allem in der Defensive suchten, parat. Aufgrund des Ausfalls von George Seturidze musste er die Deckung erneut umstellen und bot diesmal das „Laufwunder“ Lukas Schirrmeister in der Innenverteidigung auf. Gemeinsam mit seinen jungen Mitspielern Georg Kaiser und Tim Rühling sowie dem erfahrenen Markus Güttich machte er seine Sache sehr gut.

Der Gast, der als ungeschlagene Vertretung mit Spielern aus 13 Nationen anreiste, die, so Backhaus, sich den ganzen Tag mit Fußball beschäftigen, ergriff sofort die Initiative, presste hoch und verlagerte das Spielgeschehen in die Hälfte der Rudolstädter. Doch die ließen zunächst wenig zu, wobei bei zwei Möglichkeiten Max Bresemann, an diesem Nachmittag der beste Mann auf dem Platz, einmal nach unten tauchte (14.) und beim nächsten Anlauf (17.) der Ball an seinem Kasten vorbei zischte. Dann war die Einheit erstmals mit Fortuna im Bunde, als ein flotter Angriff der Sachsen mit dem Abschluss durch Tzonatan Moutsa am Pfosten endete (21.).

Inter blieb am Drücker, aber die ganze große Torgefahr gab es erst wieder nach 38 Minuten. Hier klärte Bresemann gegen einen auf ihn zustürmenden Inter-Akteur im Herauslaufen (38.), Auch die nächste Aktion entschärfte der Keeper, als er erneut gegen Moutsa den Winkel klug verkürzte (43.). In den letzten Minuten verschärfte der Tabellenzweite noch einmal das Tempo und wollte mit einem Vorsprung in die Kabine gehe. Das wusste die Platzelf, die aber in der 1. Halbzeit keine Chance hatte und kaum einmal in den Strafraum der Leipziger kam, jedoch zu verhindern.

Auch mit Wiederbeginn änderte sich am Spielverlauf nicht. Der FC Inter bestimmte die Begegnung und Rudolstadt lauerte auf Konter. Doch dazu kam man kaum. Aber die Null stand weiter, auch weil Max Bresemann zwei Mal stark hielt (48., 49.). Nach 52 Minuten tauchte Marco Riemer vor dem Kasten von Dimitris Kyriatzis auf, wurde aber gerade noch gestoppt. Danach erneut zwei Gelegenheiten der Gäste, bei denen sich der Einheit-Keeper auszeichnen konnte (55., 62.).

In der 64. Minute setzte Riemer Arne Reetz in Szene. Der war schon am Strafraum, wurde aber von zwei Inter-Verteidigern und dem Torhüter noch abgefangen. Aber der Druck des Kontrahenten ließ nicht nach. Und nicht wenige Zuschauer erwarteten, dass es irgendwann einmal im Einheit-Kasten klingeln würde. Das wusste zunächst Tim Rühling zu verhindern, der auf der Linie klärte (68.). Auf der Gegenseite wurde auch Kyriatzis zur Aufmerksamkeit gezwungen, als Max Gehrmann das Leder nach innen zog (75.).

Leipzig erhöhte sein Eckenkonto immer mehr und kam am Ende auf zehn Standards. Aber nach 90 Minuten war es passiert. Bastian Strietzel nutzte eine Abwehrlücke auf der linken Abwehrseite und traf aus acht Metern ins lange Eck (90.). Dass beim Schützen dabei die Hand im Spiel war, sah der Unparteiische, aber pfiff nicht, weil Strietzel den Arm angelegt hatte, sagte er auf Nachfrage. Kritisch sah Holger Jähnisch allerdings die Verteilung der Pfiffe bei so genannten 50:50-Entscheidungen, wobei er dem Schiedsrichter nicht die Schuld für die Niederlage gab.

Nach dem Rückstand warf Rudolstadt alles nach vorn und sogar Bresemann tauchte mehrmals im gegnerischen Strafraum auf. Nun gerieten die bis dato souveränen Gäste doch noch in Bedrängnis und kamen so ein wenig ins „Schwimmen“. Doch sie überstanden die neunminütige Nachspielzeit auch mit ein paar Spielverzögerungen und feierten den ersten Sieg gegen den FC Einheit fast so wie die Meisterschaft. „Es war die bislang beste Inter-Mannschaft gegen die wir, so wie immer mit einer defensiven Grundausrichtung gespielt haben“, sagte der Rudolstädter Coach. Und auch Heiner Backhaus lobte den Gegner, sprach von emotionalem Fußball und von unnötigen Provokationen einiger seiner Akteure.

Die Statistik:

FC Einheit:

Bresemann, Rühling, Kaiser (90.+5 Hodek), Riemer, Güttich, Bismark, Rühling, Reetz, Raul Amaro (27. Rümpler), Gehrmann, Baumann (70. Michl)

FC Inter:

Kyriatzis, Strietzel, Kim, Misaki (66. Cygankow), Iereidis, Aschenkewitz (78. Baidoo), Rode, Serrano de la Cruz, Perez Bravo (59. Nzabahoza), Moutsa, Franceschi

Schiedsrichter: Robert Enkelmann (Blankenburg/Harz), Zuschauer: 112

Torfolge: 0:1 Strietzel (90.)

Fotos: Achim Freund