04.10.2018  06:32 Uhr  Alter: 70 Tage
Von: Hartmut Gerlach

FC Eilenburg - FC Einheit Rudolstadt 2:2 (1:0)

Ein gefühlter Sieg

Natürlich gibt es für dieses 2:2 beim FC Eilenburg am „Tag der Deutschen Einheit“ für den FC Einheit nur einen Punkt. Aber wenn man, so Trainer Holger Jähnisch, nach einem 0.2 zurückkommt, dann ist das gut für die Moral und das Remis fühlt sich an wie Sieg.

Doch nach dem Zähler, es war der erste im vierten Auswärtsmatch, sah es nach einer guten Stunde nicht aus. Bis dahin hatte der Gastgeber zumeist das Geschehen bestimmt. Dabei kamen die Rudolstädter gut in die Partie, die so ein Stück weit vom „Winde verweht“ war. Und das ohne die verletzten Kaiser, Marczuk, Szymanski, Raul Amaro, Schlegel, Thönnessen und Rümpler. So musste erneut die Jugend ran mit den 18-jährigen Lukas Hodek und Mark Baumann, mit Leonard Gehrmann (19), Tim Rühling (20), Sven Rupprecht (21) sowie dem 23-jährigen Max Bresemann. Holger Jähnisch war froh, dass mit Philipp Röppnack ein wichtiger Spieler nach seinem Auslandsaufenthalt wieder zurück war. Er bekam gleich eine Rolle als Chef in der Hintermannschaft zugeteilt.

Nach der ersten, nicht ungefährlichen Ecke für die Sachsen (1.) kam auch die Einheit zu einem Standard von der Fahne (7.) aus. Der führte zu einem mächtigen Durcheinander im Strafraum der Hausherren. Auch die nächste verheißungsvolle Situation gehörte den Grün-Gelben, aber Rupprecht verzog aus sehr guter halblinker Position (10.).

Doch so allmählich übernahm Eilenburg das Zepter im luftigen Ilburg-Stadion. Die Hausherren hatten nun Vorteile in der Spielgestaltung mit vielen quirligen Offensivaktionen, gelungenen Kombinationen und auch in der Zweikampfführung, wo sie auch bissiger wirkten und die Geduld des Unparteiischen gekonnt ausreizten. So geriet die Gästedeckung unter Druck und war froh, dass Bresemann nach einem Fehler von George Seturidze gegen Benjamin Luis die Null hielt (21.). Bei einem Schuss von Dimespyra musste er wenig später nicht eingreifen (19.). Ein Aktion, die Jähnisch zur Aufforderung veranlasste, dass seine Männer die Räume früher zumachen sollten.

Dann das 1:0 für die Mannschaft von Nico Knaubel, beruflich in der Geschäftsstelle des Sächsischen Fußball-Verbandes (SFV) als Landestrainer tätig. Bei diesem Treffer von Alexander Vogel ins lange Eck (25.) hatte man den Schützen auf der rechten Seite völlig aus den Augen verloren. Dieses Tor und das Wetter verliehen der Platzmannschaft weiteren Aufwind und sie waren beim Drehschuss von Bergmann (38.), der am Tor vorbei zischte, und beim Schuss von Sebastian Heidel, den Bresemann über die Latte bugsierte (45.), weiteren Toren nahe. So war der Einheit-Coach froh, nicht noch mit einem größeren Rückstand in die Halbzeitkabine gehen zu müssen. „In der ersten Halbzeit haben wir kein gutes Spiel gemacht, sind überhaupt nicht in die Zweikämpfe gekommen, standen viel zu weit weg und haben den Gegner auch nicht gut ‚gelesen“, resümierte er nach den ersten 45 Minuten.

Mit Wiederbeginn hatte Rudolstadt den Wind im Rücken. Doch die erste Möglichkeit, der wieder ein Deckungsfehler voraus ging, gehörte Eilenburg durch Luis (47.). Nun kam die Einheit mehr in die gegnerische Hälfte und der Kontrahent verlegte sich aufs Kontern. Damit hatte er nach 62 Minute Erfolg, als Fabian Döbelt unter unfreiwilliger Mithilfe der Gäste frei gespielt wurde und unhaltbar einnetzte. „Damit war wohl für uns der ‚Deckel auf der Partie drauf’, beschrieb Knaubel die Gemütslage nach dem 2:0 für seine Farben. Aber er sollte sich irren.

Sein Trainerkollege auf der Gegenseite reagierte und brachte mit Max Gehrmann einen zweiten Angreifer. Der hatte gleich einen „Riesen“ bei einem Zuspiel von Markus Güttich, brachte das Leder im Strafraum in freier Lage jedoch nicht unter Kontrolle (72.). Doch dann der Anschluss, als Marco

Riemer schnell reagierte und das Leder auf Arne Reetz spielte. Der baumlange Mittelfeldmann versenke das Spielgerät im Eilenburger Kasten (73.). Nur 120 Sekunden später der Ausgleich, wobei diesmal Reetz der Vorlagengeber für den Kopfball des Kapitäns war. „Wir haben uns innerhalb kürzester Zeit mit einer Fehlerkette in die Bredouille gebracht und geschlafen. Das ist so, wenn man sich sicher fühlt. Und dann schwimmt man, es summieren sich die Fehler und man schaut sich an, wenn es 2:2 steht“, resümierte der Eilenburger Trainer nach den beiden Gegentoren.

Die Platzherren waren danach zunächst im Glück, dass die Thüringer nicht nachlegten. Bei der Großchance von Rühling (82.), bei der Philipp Sauer auf der Linie rettete, und beim Lattenknaller von Markus Güttich (85.) war das möglich Aber auch Eilenburg hätte den Lucky Punch (H. Jähnisch) setzen können und in einer „Wild West-Schlussphase (N. Knaubel) noch gewinnen könne. Doch beim abgefälschten Freistoß von Stephan Hofmann lenkte der Einheit-Keeper das Leder reaktionsschnell um den Pfosten (88.), beim Kopfball von Sebastian Heidel(90.) musste er nicht eingreifen und bei der Döbelt-Gelegenheit bereinigten seine Vorderleute die Situation mit letztem Einsatz (90.).

„Mich ärgert, dass wir nach dem 2:2 die Chancen hatten und sie einfach liegen gelassen haben. Wir hätten sagen müssen, okay, Mund abputzen und wir machen das 3:2. Es war für uns ein gebrauchter Tag“, lautete das Abschlussstatement von Nico Knaubel. Und Holger Jähnisch meinte: „Am Ende war es ein verdienter Punkt. Es ist gut, wenn man gegen einen so starken Gegner zurückkommt. Das Spiel hat einmal mehr gezeigt, dass man immer bei 100 Prozent sein muss, um in dieser Liga wenigstens einen Punkt zu holen.“

Die ausführlichen Statements der Trainer liest man heute im Laufe des Tages.

Die Statistik

FC Eilenburg:

Naumann, Schmidt (85. Dietrich), Hoffmann, Heidel, Winkler, Fiedler (46. Döbelt), Majetschak, Vogel, Luis, Dimespyra (75. Sauer), Vetterlein

FC Einheit:

Bresemann, Rühling, Seturidze, Röppnack, Güttich, Bismark, Schirrmeister (64. M. Gehrmann)Hodek (64. Baumann, Riemer, Reetz, Rupprecht (89. L. Gehrmann)

Schiedsrichter: Frank Hildebrandt (Nebra/Unstrut), Zuschauer: 112

Torfolge: 1:0 Vogel (25.), 2:0 Döbelt (62.), 2:1 Reetz (73.), 2:2 Riemer (75.)