07.10.2018  09:37 Uhr  Alter: 66 Tage
Von: Hartmut Gerlach

FC Einheit Rudolstadt – BSG Wismut Gera 0:1 (0:0)

Rudolstädtern glitt wieder ein Punkt sehr spät aus den Händen

Die Bilder nach Spielschluss spiegelten das Ergebnis dieser Thüringer Auseinandersetzung zwischen der Einheit und der Wismut deutlich wider. Während die Gäste mit ihren 40 Fans einen ob des Spielverlaufs kaum für möglich gehaltenen Sieg feierten, lagen die meisten Grün-Gelben im sonnigen Städtischen Stadion völlig enttäuscht auf dem Rasen und konnten den Ausgang der Partie einfach nicht fassen. Kurz zuvor war der eingewechselte Christopher Lehmann bei einem Freistoß zur Stelle, nutzte einen Fehler von Torwart Max Bresemann, der die scharfe, hohe Eingabe, die lange in der Luft war, in der ersten Nachspielminute verpasste, und köpfte, auch nicht ernsthaft attackiert, aus kurzer Distanz ein. Damit glitt den Rudolstädtern so wie zuletzt im Vergleich mit Inter Leipzig ein schon sicher geglaubter Zähler kurz vor Ultimo im wahrsten Sinne des Wortes aus den Händen. Konnte man gegen die Messestädter am Ende noch von einer verdienten Niederlage sprechen, sah das diesmal anders aus.

„Wir sind natürlich überglücklich, dass wir das Spiel gewonnen haben“, sagte Wismut-Coach Frank Müller, wohl wissend, dass seine Mannschaft im zweiten Abschnitt bei einigen Situationen unter Druck geraten war und Schlussmann Nicolas Kriebel den Gast im Spiel hielt.

Dabei sahen die Zuschauer bei fast schon hochsommerlichern Temperaturen, die den Protagonisten am Ende der „englischen Woche“ noch zusätzlich zusetzten, vor allem vor der Pause eine Begegnung, die nur wenig mit Oberligafußball zu tun hatte. Zwar hätte die Einheit schon nach fünf Minuten in Front ziehen können, als Robert Bismark von rechts auf Marco Riemer passte, dieser jedoch am langen Pfosten stehend, verzog. Doch dann entwickelte sich eine Partie, in der es auf beiden Seiten kaum Spielzüge über mehrere Stationen gab, viel mit langen Bällen gearbeitet wurde, die Fehlpassquote ungewöhnlich hoch war und die Nervosität regierte.

Beide Teams seien unter Druck gewesen, zeigte Müller durchaus Verständnis für die Leistungen in der ersten Halbzeit. Trainerkollege Holger Jähnisch war da weniger nachsichtig, wobei er bei seiner Kritik aber vor allem seine Schützlinge im Blick hatte: „Die erste Halbzeit war von uns die schlechteste in dieser Saison und das Spiel war wohl das schwächste in den letzten Monaten. Es war für eine Oberligapartie einfach zu wenig. So kann ich mir natürlich nicht vorstellen, in der Liga zu bleiben.“

Torchancen waren absolute Mangelware und nur die Aktionen von Riemer (20/Kopfball.) und Sven Rupprecht (33./Solo) passten in einem Match zwischen den Strafräumen in diese Kategorie.

Nach der Pause steigerte sich vor allem der Gastgeber. Nun gab es auch Tormöglichkeiten. So beim Schuss von Arne Reetz (48.), der gerade noch abgeblockt wurde, aber vor allem beim „Riesen“ von Rupprecht, der in seiner bekannten Weise durch die Geraer Verteidigung marschierte, im herauslaufenden BSG-Schlussmann aber seinen Meister fand (49.), Auch Tim Rühle (55.) und Max Gehrmann (59.) brachten die Kugel aus aussichtsreicher Lage nicht im Geraer Kasten unter. Bei weiteren Aktionen (64., 76.) sahen nur die Einheit-Spieler, nicht aber der Referee ein Handspiel. Sein Pfiff kam allerdings, als Riemer zwar einnetzte, der Assistent seine Fahne wegen Abseits schwenkte (80.). Für nicht wenige Zuschauer, die auf derselben Höhe standen, eine Entscheidung, die auch anders hätte lauten können.

Während sich Frank Müller in der Pressekonferenz bei seinem Torhüter dafür bedankte, dass dieser bei zwei Eins-zu-eins-Situationen hervorragend gehalten hatte, bekam sein Gegenüber in 90 Minuten kaum etwas Ernsthaftes zu tun - bis eben auf die schon beschriebene Szene in der Nachspielzeit. Nicht nur die veranlasste den völlig frustrierten Rudolstädter Trainer zu dieser Äußerung: „Ich denke, es ist bezeichnend dafür, was gegenwärtig so im Rudolstädter Fußball passiert. Alles siecht so ein wenig dahin, weil alle denken, dass es so weiter geht. Da tun alle, Spieler, Trainer und Offizielle, zu wenig, um den Oberligafußball in Rudolstadt auch über die Saison hinaus zu sichern“, lautete seine abschließende Botschaft mit viel Potential zum Nachdenken.

Die ausführlichen Statements der Trainer von der Pressekonferenz lesen Sie am Montagmorgen.

Die Statistik

Rudolstadt:

Bresemann, Rühling, Röppnack, Seturidze, Güttich, Bismark, Schirrmeister, Reetz, Rupprecht (76. Baumann), Riemer, M. Gehrmann

Gera:

Kriebel, Paul, Slawik, Christl (70. Lehmann), Grabs (64. Gröschke), Nolde, Raßmann, Söllner (83. Katzenberger), Puhan, Pusch, Börner

Schiedsrichter: Ronny Walter (Hartha), Zuschauer: 122

Torfolge: 0:1 Lehmann (90.+1)