04.11.2018  07:03 Uhr  Alter: 17 Tage
Von: Hartmut Gerlach

FC Einheit Rudolstadt – FSV Wacker 90 Nordhausen II 1:0 (0.0)

Couragierte Vorstellung der Einheit beim erdienten Heimsieg über den Tabellendritten

„Das sieht ja richtig gut aus“, freute sich Einheit-Vorstand Jörg Macheleidt, der sich die 1. Halbzeit des Oberligaspiels vom Sprecherturm aus ansah, vor allem über die Vorstellung der Heidecksburgstädter. Nicht nur er, sondern die leider wieder einmal übersichtliche Anzahl von Besuchern erlebten eine Rudolstädter Mannschaft, die die Rolle des Außenseiters gegen den seit acht Runden ungeschlagenen FSV Wacker 90 Nordhausen II gern annahm und keinen Zweikampf verloren gab. Auch die Gäste, die sich sowohl über die Aufmerksamkeit von FSV-Präsident Nico Kleofas, dem Macher des Vereins, sowie des Regionalliga-Trainergespanns Tino Berbig und Matthias Peßolat erfreuten, trugen ihr Scherflein zu einer rassigen, temposcharfen Partie bei. Wobei die Letztgenannten natürlich vor allem nach Rudolstadt gefahren waren, um den Gegner im Landespokal-Viertelfinale in Augenschein zu nehmen.

Doch sie erlebten auch eine Gästemannschaft, die ihre beeindruckende Serie als Neuling nicht reißen lassen wollte, sich kämpferisch nicht die „Butter von Brot nehmen ließ“ und dabei immerhin sieben Verwarnungen in Kauf nahm.

FC-Coach Holger Jähnisch, der diesmal auf Robert Bismark (5. GK) und den leicht verletzten Tim Rühling verzichten musste, wartete mit einigen Änderungen in der Startformation auf. Zunächst brachte er mit dem lange verletzten Adam Marczuk einen neun Torwart. Dann beorderte er Marco Riemer in die Innendeckung und postierte Mateusz Szymanski, ebenfalls einige Wochen außer Gefecht gesetzt, neben ihn. Dafür rückte Georg Kaiser ins Mittelfeld, währenddessen Raul Amaro und Lukas Schirrmeister mit allen Offensivvollmachten ausgestattet wurden. Um es vorweg zu nehmen: Alle Optionen griffen, wobei die Einheit-Akteure ihre zum Teil neuen Aufgaben variabel und kreativ interpretierten.

Schon nach drei Minuten hatte der gut freigespielte Arne Reetz, der sich auch noch elegant drehte, mit seinem Schuss aus halblinker Position, der jedoch sein Ziel verfehlte, die Führung für die Grün-Gelben auf dem Schlappen. Im Gegenzug brannte es aber auch im Einheit-Strafraum. Aber Riemer blockte Leon Gümpel gerade noch ab (4.). Fünf Minuten darauf traf Sven Rupprecht, der nach einer gelungenen Kombination frei war, mit seinem Schuss auf einen „alten Bekannten“ aus den Spielen zuvor, den Pfosten. Und als eine Viertelstunde gespielt war, verdienten sich Wacker-Keeper Josip Jokanovic und Einheit-Mittelfeldmann Georg Kaiser gleichermaßen Bestnoten. Der Rudolstädter für seinen wuchtigen Flugkopfball nach einer Flanke Richtung Nordhäuser Tordreieck und Jokanovic dafür, dass er den Ball aus selbigem irgendwie noch heraus kratzte. Beim Schuss von Schirrmeister (20.) hatte er dann bedeutend weniger zu tun.

Zwar gab es in den nächsten Zeit erst einmal kaum spektakuläre Abschlüsse der FC-Aktiven, aber die Angriffe wurden zumeist sehr schnell und oft mit Direktpassagen vorgetragen und stellten die Abwehr der Gäste vor Probleme. Die hatte ihr Trainer Philipp Seeland erstmals in dieser Saison als Dreierkette formiert. „Aber wir hatten damit große Probleme“ bekannte Seeland und änderte die Taktik nach der Pause in die gewohnte Vier-Mann-Deckungsreihe.

In den letzten fünf Minuten vor dem Kabinengang gab es noch drei Aufreger in den Strafräumen. Riemer klärte mit dem Kopf auf Kosten eines Eckstoßes (40.) und bei einer Eingabe von rechts durch Paul Hans Kirchner hatte der heran preschenden Ex-Bundesligaprofis Marco Sailer nicht die richtige Schuhgröße (43.). Und schließlich verhinderte Jokanovic mit einer weiteren Abwehrtat beim „Riesen“ von Reetz das 1:0 für die Hausherren (45.).

In den Minuten nach Wiederbeginn suchten beide Mannschaften zunächst ihren Vorpausenrhythmus. Am ehesten schien ihn Nordhausen gefunden zu haben, aber der diesmal sträflich freie Dino Medjedovic verzog aus sechs Metern mit einem Kopfball (54.). Kurz darauf das letztlich „goldene Tor“. Ein Pass in die Schnittstelle der Hintermannschaft vom FSV erreichte Schirrmeister. Der scheiterte am herauslaufenden Jokanovic, bekam das Leder aber wieder und köpfte es ein (57.). Fast wäre Kaiser die Resultatserhöhung gelungen, aber sein Kopfball nach einem Freistoß vom ideenreichen Raul Amaro, der an vielen gelungenen Angriffen seine Aktie hatte, war zu hoch angesetzt (61.).

Nordhausen versuchte in der Schlussphase noch einmal das Blatt zu wenden. Aber die Regionalligareserve konnte sich nicht mehr entscheidend durchsetzen, zumal die Rudolstädter viele Bälle vor dem Strafraum eroberten und weiterhin keine Nachteile in der Zweikampfführung hatten. Zehn Minuten vor Schluss verpasste Kaiser eine Eingabe von George Seturidze nur um Millimeter. Und als der Ball fast im Marczuk-Kasten zu liegen schien, war Seturidze der Retter in höchster Not und schlug den Ball von der Linie (90.+1). Dann war Schluss und der Jubel der Gastgeber über den so wichtigen vierten Sieg im zwölften Spiel war riesengroß.

Auch bei Holger Jähnisch, der dies zu Protokoll gab: „Wir sind heute extrem glücklich, dass wir endlich gewonnen haben, nachdem wir in den letzten Spielen vergeblich angerannt sind und viele Torschancen liegen gelassen haben. In der ersten Halbzeit haben wir uns ähnlich wie beim letzten Heimspiel mit einer guten Spielanlage präsentiert. Aber wir haben erneut vier, fünf gute Möglichkeiten nicht genutzt. Das war wieder ein Spiegelbild der letzten Begegnungen. Aber man hat draußen sicher auch gespürt, dass die Mannschaft willig ist und intensiv in den Zweikämpfen arbeitet.“ Sein Trainerkollege gratulierte ihm zu seinem verdienten Sieg und sprach von einem griffigen, dynamischen Gegner, der die besseren Torchancen hatte.

Ach so: Jörg Macheleidt beließ es nicht nur beim verbalen Lob, sondern verband das mit einer Zuwendung für die Mannschaftskasse

Die Statistik

FC Einheit:

Marczuk, Seturidze, Kaiser, Szymanski, Röppnack, Güttich, Schirrmeister (89. Hodek), Reetz (71. M. Gehrmann), Riemer, Raul Amaro, Rupprecht (90.3 L. Gehrmann)

FSV Wacker II:

Jokanovic, Pfingsten-Reddig, Gümpel, Müller (63. Schröter), Sailer (77. Meitzner), Kirchner, Medjedovic, Schneider, Schwerdt, Andacic, Fluß

Schiedsrichter: Daniel Kresin (Leipzig), Zuschauer: 82

Torfolge: 1:0 Schirrmeister (57.)