24.03.2019  20:33 Uhr  Alter: 213 Tage
Von: Hartmut Gerlach

BSG Wismut Gera – FC Einheit Rudolstadt 1:2 (0:2)

Mit Zittersieg etwas Luft im Abstiegskampf verschafft

Das immer wieder brisante Spiel der beiden Thüringer Rivalen in der Oberliga war vor allem in der Schlussphase nichts für schwache Nerven. Zu sehr rechnete nicht nur Trainer Holger Jähnisch damit, dass vielleicht eine der langen Bälle der Platzelf irgendwie mal durchrutscht. „Da hätten wir uns ziemlich bedröppelt angeschaut“, sagte der Einheit-Coach, der sich aufgrund der großen Anspannung bis hin in die dreiminütige Nachspielzeit kurz nach dem Abpfiff noch gar nicht so richtig über den wichtigen Dreier im Kampf um den Klassenerhalt freuen konnte.

Das Spiel begann durchaus furios. Zunächst trat Marco Riemer zum 35-Meter-Frestoß (3.) an und forderte damit Torhüter Jacob Mühlmann von Gera zur ersten Parade, die zur Ecke führte. Wenig später geriet ein Kopfball des Abwehrchefs Richtung eigenes Tor allerdings etwas kurz, sodass Adam Marczuk Kopf und Kragen riskieren musste, um gegen Jegor Jagupov einen Treffer zu verhindern (6.). Für Geras Coach Frank Müller war das eine Schlussszene im Match.

Danach nahmen beide Mannshaften das Tempo auf dem, das war wohl der Jahreszeit geschuldet, holprigen Geläuf heraus. So passierte erst mal 15 Minuten recht wenig. Dann wurde die Wismut etwas stärker und war durch Christopher Lehmann, gegen den der FC-Keeper Sieger im Herauslaufen Sieger war, einem Tor nahe (24.). Schon der Gegenzug brachte das 1:0 für den Gast. Über die Stationen Sven Rühling, Sven Rupprecht und Raul Amaro gelangte das Leder zu Patrik Schlegel. Der zog ab und traf aus 15 Metern ins Eck (25.).

Gera antwortete mit wütenden Angriffen und die Rudolstädter Deckung musste hochkonzentriert sein, um den Ausgleich zu verhindern. Aber dann erneut ein sehr gelungener Angriff der Grün-Gelben, bei dem Rupprechts Eingabe gerade noch zum 2. Eckball geklärt wurde (29.).

Der brachte eine weitere Chance für Riemer, dessen Kopfball jedoch zu hoch angesetzt war (39.). Doch kurz darauf dann das 2:0 für die Jähnisch-Elf. Erneut kombinierte sich die Einheit wieder über links durch, Raul Amaro brachte das Spielgerät nach innen, wo Rupprecht mit unfreiwilliger Hilfe durch den Geraer Schlussmann, der das Leder durch die Beine kullern ließ, das zweite Tor erzielte (31.). Auch die nächste gute Aktion gehörte den Heidecksburgstädtern, als Riemer mit einem Solo das Tor nur knapp verfehlte (39.). So ging Rudolstadt mit einem 2:0 in die Kabine.

Aus der kam die BSG wie erwartet mit Schwung. „Zur Halbzeit haben wir gesagt, dass unsere Situation schwierig ist, wir aber den Kopf irgendwie aus der Schlinge ziehen müssen und Fußball zeigen, was auf diesem ‚Acker’ möglich ist“, nannte Müller die Strategie für den zweiten Durchgang. Und der Plan schien zunächst auch aufzugehen, denn nach einem Eckball köpfte Robert Paul die Kugel lehrbuchmäßig in die Maschen (48.). „Dieses Tor war nicht zu verteidigen“, nahm Jähnisch seine Defensive in Schutz. Gera blieb erst einmal am Drücker, aber mehr als ein Fast-Eigentor durch Schlegel sprang nicht heraus (53.). Auf der Gegenseite beunruhigten der früh für den verletzten Hans Oeftger eingewechselte Lukas Hodek, der sich sehr gut einfügte, sowie Schlegel (53., 59.) die Geraer Hintermannschaft mit gefährlichen Eingaben. Geras Angreifer waren bemüht, konnten sich gegen die von Marco Riemer organisierte Deckung nicht entscheidend durchsetzen. Trotz einiger Ecken und Freistöße kamen sie nicht zu klaren Aktionen. Zu oft reagierte der Zufall beim Gastgeber. Da war der FC Einheit dem 3:1 und damit sicher der Entscheidung bei Kopfbällen von Riemer (76., 82.) sehr nahe. Aber wie schon in Hohenstein-Ernstthal klebte auch diesmal das Pech am Haupt des Routiniers. In der Nachspielzeit hatte der junge Markus Baumann, der das Vertrauen seines Trainers durch Einsatz und gute Aktionen rechtfertigte, die Möglichkeit, aus Nahdistanz zu treffen. Doch das gelang nicht. Im Gegenzug hätte ein Verzweiflungsschuss von Felix Richter aus 40 Metern fast das späte 2:2 gebracht. Aber der „Hammer“ zischte knapp über die Marczuk-Box (90.+2)

Dann war endlich Schluss und die kämpferisch an ihre Grenze gegangen Gäste hatten fast nicht mehr die Kraft zum Jubeln. Aber Holger Jähnisch ließ mit einem zehnminütigen Abstand zur Partie nach dem Schlusssignal auch schon Erleichterung über den Erfolg erkennen: „Wenn man sieht, wie die Tore gefallen sind, dann hatten wir heute etwas das Glück, das uns in den letzten Wochen gefehlt hat. Der Kampf hat dominiert und auch das Spielen von langen Bällen. Aber meine Mannschaft hat sich den Sieg letztlich mit Einsatz und Engagement verdient.“ Mit 24 Punkten haben sich die Rudolstädter auf nun Rang 11 zwar etwas Luft im Abstiegskampf verschafft, bis zum tatsächlichen Klassenerhalt ist aber noch ein weiter Weg.

Die Statistik

Gera:

Mühlmann, Paul, Jagupov, Raßmann, Roy, Söllner, Gröschke, Pusch (69. Schubert), Lehmann, Katzenberger, Börner (84. Richter)

Rudolstadt:

Marcuk, Seturidze, Szymanski, Riemer, Rühling, Bismark, Oeftger (18. Hodek), Schirrmeister (71. Baumann), Raul Amaro (89. Thönnessen), Rupprecht, Schlegel

Schiedsrichter: Daniel Kresin (Leipzig), Zuschauer: 229

Torfolge: 0:1 Patrik Schlegel (25.), 0:2 Sven Rupprecht (31.), 1:2 Robert Paul (48.)

Fotos: Achim Freund