26.08.2019  06:30 Uhr  Alter: 102 Tage
Von: Hartmut Gerlach

Der ausführliche Spielbericht: FSV Martinroda - FC Einheit Rudolstadt 1:3 (0:0)

Rudolstädter mit einem „Sieg des Willens“

Rudolstadts Trainer Holger Jähnisch wusste, was seine Mannschaft in diesem Mittelthüringer Oberligaduell im Sportpark Martinroda erwarten würde. „Der Gastgeber wird heute mit allen Mitteln versuchen, die ersten Punkte zu holen und dies sehr emotional und körperbetont tun“, sagte er. Umso froher war er natürlich über den zweiten Auswärtserfolg seiner Mannschaft, den er als einen „Sieg des Willens“ bezeichnete. ‚“So wollte sich schon lange mal wieder gewinnen“, fügte er nach Spielende hinzu.

Doch bis er soweit war, war es für die Gäste ein hartes Stück Arbeit. Schon nach zwei Minuten schien der Aufsteiger in Führung zu gehen. Georg Kaiser hatte den schnellen Serdar Suliman im Strafraum beim allerersten Angriff attackiert und der in dieser Partie sehr geforderte Unparteiische aus Sachsen-Anhalt zeigte sofort auf den Strafstoßpunkt. Suliman ließ sich länger behandeln, um dann putzmunter wieder ins Spiel zu kommen und die Rudolstädter Deckung im Laufe der Partie mehrmals in große Nöte zu stürzen.

Doch FC-Keeper Adam Marczuk hielt, wie schon in Plauen, den von Torjäger Benjamin Hertel gar nicht so schlecht geschossenen Elfmeter und seine Mannschaft somit im Spiel (4.) Nicht nur wegen dieser Abwehrtat, sondern auch wegen zwei, drei glänzender Paraden im zweiten Durchgang bezeichnete Jähnisch seinen Torhüter als den „Mann des Spiels“.

Die Aktion ihres Schlussmanns gab den Heidecksburgstädtern Mut, aber es dauerte gut zehn Minuten, bis die nervös beginnende Einheit im Match war. Daran hätten, so der Rudolstädter Coach, auch die für diese Liga gewöhnungsbedürftigen Platzverhältnisse beigetragen, monierte er.

Kurz nach der Elfmetersituation drohte den Grün-Gelben nach einer Eingabe und dem Schuss von Marc Andris erneut Ungemach (5.). Doch dann wurden auch die Gäste gefährlich, Zunächst spielte Marco Riemer Julian Zarschler geschickt frei, aber der scheiterte mit seinem Schuss auf den kurzen Winkel am FSV-Torwart Philipp Konjevic (12.). Nach dem folgenden Eckball standen sowohl Riemer als auch Tomasz Serweta völlig frei im Fünfmeterraum, waren aber davon sichtlich überrascht und konnten das Leder nicht kontrollieren. Wenig später (16.), versuchte sich Tom Krahnert, aber er verzog. Dann bekam Marczuk die Stollen des zu ungestüm in einen Zweikampf gehenden Ex-Rudolstädters Marco Pusch zu spüren (16.). Ein Riss beim Torhüter über dem Auge und die gelbe Karte für Pusch waren die Folge. Insgesamt zeigte der Schiedsrichter acht Karten, wobei er die Verwarnungen gleichmäßig verteilte.

Die Chancenvorteile vor der Pause lagen weiter bei der Einheit. Einen von zwei weiteren „Riesen“ hatte Lukas Schirrmeister auf dem Schlappen. Nachdem er sich gleich drei Martinrodaer durchgesetzt hatte, jagte er das Spielgerät aus acht Metern in die Wolken (25.). Nach einer guten halben Stunde sendete auch der FSV wieder ein Signal mit einem Kopfball von Liam Floßmann. Bis zum Kabinengang zählte der Chronist noch jeweils eine sehr Tormöglichkeit auf jeder Seite. Zunächst scheiterte Serweta nach einer Eingabe von Sven Rupprecht aus drei Metern am fantastisch haltenden Konjevic (33.). Dann setzte der auffällige Tommy Müller eine Flanke mit Direktschuss aus wenigen Metern über den Kasten der Jähnisch-Elf (37.). So ging es torlos in die Pause.

Kurz nach Wiederbeginn zeigte der Referee erneut auf den Punkt. Diesmal hatte er ein Handspiel im Strafraum der „Sandhasen“ gesehen. Riemer blieb ruhig und schob überlegt ein (47.). Aber die Mannschaft von Trainer Robert Müller zeigte sich nicht beeindruckt und prüfte im Gegenzug erneut Marczuk (48.).

Nun nahm die Partie weiter Fahrt auf. Jähnisch sprach hinterher von extrem intensiven Zweikämpfen. Nachdem ein 30-Meter-Freistoß von Riemer gehalten wurde (51.), zeigte Marczuk beim Schuss von Hertel, dass er weiterhin ein Bank bei den Grün-Gelben war (53.). Doch wenig später musste er sich geschlagen geben. Müller spielte das Leder präzise in den Rücken der FC-Abwehr. Suliman startete genau und platzierte die Kugel von halblinks überlegt ins lange Eck (57.).

Nun begann die umkämpfte Begegnung von vorn. In der 61. Minute gab es die dritte Strafstoßentscheidung des Spiels. Nach einem Freistoßlupfer von Riemer attackierte Konjevic den eigentlich in eine ungefährliche Position geratenen Rupprecht und verletzt sich dabei sogar an der Schulter. Nach Behandlungspause ging es für ihn nicht weiter und Daniel Gössinger rückte in den Kasten. Aber auch er war gegen den Elfmeter von Riemer machtlos (64.). Für den Trainer der Hausherren war es ein völlig unberechtigter Strafstoß.

Doch damit waren die Punkte für den Gast längst noch nicht in trockenen Tüchern. Es bedurfte noch zweier Heldentaten von Marczuk beim Schuss von Suliman (72.), der zwar offensiv sehr stark war, nach hinten aber recht wenig tat, und einem Kopfball von T. Müller, den der FC-Keeper über die Latte bugsierte (88.), um den Vorsprung zu retten. „Wir sind trotzdem weiter im Spiel und müssen zwei glasklare Elfmeter nach einer Aktion gegen Suliman und nach einem Handspiel bekommen“, ärgerte sich Fischer über die ausbleibenden Pfiffe. Da sei der Schiedsrichter leider seiner Linie nicht treu geblieben und habe nicht durchgegriffen. „Vielleicht hat da ja der langjährige Oberligabonus der Gäste gegriffen“, sinnierte der FSV-Coach.

In der dritten Nachspielzeit hatte Rupprecht, der sehr willensstark agiert habe, so sein Trainer, freie Bahn, nachdem er irgendwie noch angeschossen wurde. Er lief über die linke Seite und sah den völlig freien Serweta. Der musste die Kugel nur noch ins leere Gehäuse schieben (90.+3).

Robert Fischer zollte seinen Schützlingen dennoch Lob: „Ich habe ein sehr ordentliches Spiel meiner Mannschaft gesehen. Kämpferisch war es sehr gut. Wir sind in die Zweikämpfe gekommen, haben viele gewonnen und gut Fußball gespielt. Wir haben auch Chancen gehabt. Klar muss man den Elfmeter rein machen. Aber wir haben nicht nachgelassen und weitergemacht.“

Gegenüber Holger Jähnisch urteilte so: „Wir haben nach der nicht so guten Anfangsphase versucht, besser Fußball zu spielen. Dann sind wir zu sehr guten Chancen gekommen. Da hat uns ein wenig das Abschlussglück gefehlt, aber der Torhüter von Martinroda hat auch sehr gut gehalten. Die beiden Elfmeter für uns waren berechtigt. Doch dann haben wir die individuelle Klasse der Flügelstürmer von Martinroda ungenügend unterbunden und die dritte Situation hat zum Ausgleich geführt. Ich denke, wir haben mit dem gut herausgespielten dritten Tor dann auch verdient gewonnen.“

Die Statistik

FSV Martinroda

Konjevic (63. Gössinger), Floßmann, Andris, Griebel, Suliman, Hertel, T. Müller, Pusch (67. R. Müller), Six, Fernando (67. El Hajj), Safradin

FC Einheit:

Marczuk, Zarschler (74. Bismark), Szymanski, Kaiser, Güttich (67. Seturidze), Barth, Riemer (82. Schlegel), Krahnert, Rupprecht, Serweta

Schiedsrichter: Robin Enkelmann (Blankenburg/Harz), Zuschauer: 306

Torfolge: 0:1 Marco Riemer (Handstrafstoß), 1:1 Serdar Suliman (57.), 1:2 Riemer (64./Foulstrafstoß), 1:3 Tomasz Serweta (90.+3)