03.09.2020  11:35 Uhr  Alter: 16 Tage
Von: Hartmut Gerlach

FSV Martinroda: Pokalfinalist wartet so wie Rudolstadt auf den ersten Sieg

Gesundheitsamt legte für das Spiel am Sonntag 200 Besucher, darunter 30 Gästefans fest

Der FSV Martinroda ist ähnlich wie der FC Einheit in die Saison 2020/21 gestartet. Während die Rudolstädter aus drei Begegnungen mit dem Remis gegen Rot-Weiß Erfurt einen Punkt holen, verloren die Martinrodaer ihre beiden Spiele in Neugersdorf (0:2) und beim VfL Halle (0:3). In diesem Thüringenderby zweier Mannschaften, deren Heimatorte nur gut 40 Kilometer auseinander liegen, wird vielleicht auch die Frage beantwortet, wem der erste Sieg gelingt. Natürlich ist auch ein Unentschieden eine Option.

Der FSV stand am 22.08. im 30. Thüringer Pokalfinale. Zwar unterlag man dem FC Carl Zeiss Jena, nachdem der Oberligist lange gut mitgehalten hatte, in der Schlussphase noch mit 2:8, aber das Match und das Drumherum haben sicher einen bleibenden Eindruck bei den Beteiligten hinterlassen. Ärgerlich war die Nichtzulassung von Anhängern des Außenseiters durch das Gesundheitsamt Jena. Aber man sieht nun, dass die Behörden in den verschiedenen Landkreis sehr unterschiedliche Festlegungen in Corona-Zeiten treffen. War in Rudolstadt zuletzt gegen Grimma zwar die Obergrenze mit 200 Zuschauern bestimmt worden, wobei es keine Anweisungen zur Höhe der Gästezuschauer gab, dürfen nur 30 Fans aus Rudolstadt laut Ilmkreis-Amt im Sportpark Martinroda aufschlagen.

Im Vereinswappen vom FSV Martinroda ist ein Hase abgebildet. Der erinnert an den früheren Sandabbau in der Region rund um den heute ca. 1.180 Einwohner zählenden Ort aus dem Ilmkreis, der zur Verwaltungsgemeinschaft Geratal/Plaue gehört. Deswegen das Tier im Logo und den bis heute noch erhaltenen Spitznamen „Sandhasen“ für die Martinrodaer. Nicht zu verwechseln mit Angsthasen, denn das sind die Kicker des Vereins, wenn man insbesondere auf die Vereinshistorie der letzten 23 Jahre schaut, nun wahrlich nicht.

Das Dorf habe sich in den letzten zehn Jahren zur echten Fußballmacht gemausert, schrieb Renè Röder in der „Thüringer Allgemeine“ (TA) unter der Überschrift „Ein Dorf steigt auf“. Denn 1997 in der 2. Kreisklasse wieder neu beginnend, arbeitete man sich innerhalb von acht Jahren in die Landesklasse (2005/06) hoch, um dann nach weiteren acht Jahren Thüringenliga (2011/12) im Spieljahr 18/19 den Sprung in die NOFV-Oberliga zu schaffen. Hier belegten die Blau-Gelben am Ende der abgebrochenen Saison 19/20 nach 18 Spielen mit acht Punkten und 22.55 Toren den 14. Platz.

Viel Wert wird in Martinroda auf die Nachwuchsarbeit gelegt. „Wir sind stolz, dass wir in allen Spielklassen mit unseren Mannschaften vertreten“, betont Nachwuchsleiter Lars Oschmann. Doch damit nicht genug, man bestimmt sowohl im Land als auch im Ilmkreis das Niveau häufig entscheidend mit. Oschmann lobt zudem die familiäre Atmosphäre im Verein. Dennoch ist es selbst für die besten Talente nicht leicht, den Sprung ins Oberligateam zu schaffen. Aber das ist auch bei allen anderen Ligakonkurrenten nicht anders.

Der FSV baut auf seine Verbindungen zum FC Rot-Weiß Erfurt. Die wurden nicht zuletzt über Trainer Robert Fischer und andere Vereinsfunktionäre geknüpft, Dort haben vom aktuellen Philipp Konjevic, Felix Nicolai, Enes Hoppe, Tom Nowak, Justus Six, Liam Floßmann, Franz Wiegel, Chris Griebel, Marco Pusch und Benjamin Hertel eine solide fußballerische Ausbildung erhalten. Marc Andris war in der Jugend beim FC Carl Zeiss Jena bis zur 2. Mannschaft aktiv. Tommy Müller spielte in Halberstadt, Plauen, Cottbus, Torgelow und bei Bayern Hof. Serdar Sulaiman war U17 Nationalspieler von Syrien. Aus der Region kamen Rudi Müller (Stadtilm), Marcus Finn, Mario Brömel und Marc Fernando (Ilmenau).

In der vergangenen Woche hat die Vereinsführung noch fünf Neue verpflichtet. Es sind Andrè Rieß (TSV Großbardorf Regional - und Bayernliga), Patrick Hädrich (RWE Nachwuchs, INTER Leipzig), Alexander Irwin (Kanada), Patrick Fiur (TSV Bad Blankenburg) und Max Graubner (Chemnitzer FC Nachwuchs).

Indes gehören Jan Roschlaub (Bonner SC), David Vogt (Germania Halberstadt), Mateo Safradin (VfL Meinigen), Michael Habichhorst (TSV Elgersburg) und Ibrahim El Hajj (Fahner Höhe) nicht mehr zum Aufgebot in der Oberliga.

Seit dem 1. Juli 2017 wird Martinroda von Robert Fischer trainiert. Der 36-Jährige war zuvor als Assistent beim Union Fürstenwalde (2014.16) und im Nachwuchsbereich bei RWE (2016/17) als Trainer tätig. Gespielt hat Fischer bei zehn Vereinen:  Rot-Weiß Erfurt II, Sachsen Leipzig, ZFC Meuselwitz, VfB 09 Pößneck, TSDV Crailsheim, Germania Halberstadt, SSV Markranstädt, Wacker Nordhausen, Altlüdersdorf und zuletzt bei Union Fürstenwalde.

Hartmut Gerlach