Einheit im ersten Durchgang wie ein Absteiger
Holger Jähnisch redete zur verspätet begonnenen Pressekonferenz – der Einheit-Coach hatte mit seiner Mannschaft zuvor noch einiges zu besprechen – nicht um den berühmten „heißen Brei“ herum: „Wir haben heute wie ein Absteiger gespielt“, sagte er.

Das bezog sich vor allem auf die 1. Halbzeit, in dem die Gäste beim Tabellenvorletzten gleich vier Tore kassierten. Die Hausherren starteten auf dem holprigen Geläuf, mit dem beide Teams fertig werden mussten, mit leichten Vorteilen. Schon nach zehn Minuten lag das Leder erstmals im Kasten von Eric Kunth. Im konkreten Fall war die linke Abwehrseite entblößt, der Ball kam nach innen und Valentin Masuth, in Magdeburg entwickelt und in Halberstadt gespielt, traf mit einem abgefälschten Schuss aus 16 Metern.

Diese Treffer hatte höchst unterschiedliche Wirkungen. Während Stendal munter stürmte, lief bei den Thüringern überhaupt nichts zusammen. Die Fehler der Rudolstädter summierten sich weiter und die nutzte vor allem Philipp-Maik Witte. Dem 25-Jährigen, der im Nachwuchs des 1. FC Magdeburg eine Ausbildung erhielt und dann über die Stationen Heyrothsberge, Westerhausen und Ottersleben ins „Hölzchen“ kam, gelang ein lupenreiner Hattrick. Doch das geschah durchaus mit Hilfe der weitgereisten Gäste, die bei einem Konter, einen weiteren Schuss ins Eck und einem indirekten Freistoß im Strafraum, patzten.

Ein Umstand, den Jähnisch hinterher so kritisierte: „Uns ist es, vor allem in der 1. Halbzeit, gar nicht gelungen, das umzusetzen, was wir uns sowohl offensiv als auch defensiv vorgenommen haben. Dazu kam ein leider immer wiederkehrender Fehler, bei dem wir dem Gegner selbst in die Karten gespielt haben und uns durch einfache schlechte Pässe im Spielaufbau in eine Pressingsituation hinein gespielt haben.“

Der erfahrene Übungsleiter setzte ein Zeichen und wechselte unmittelbar vor der Pause gleich vier Mal aus. Dass dann die Begegnung nach der Pause aus der Sicht des FC Einheit besser wurde, war eigentlich „normal“. Vor allem Oskar Prokop, der kurzfristig verpflichtet wurde, gehörte zu den wenigen Lichtblicken bei der Einheit. Er hätte auch zehn Spieler auswechseln können, sagte ein frustrierter Trainer.

Nur vier Minuten nach Wiederbeginn zeigte der Berliner Unparteiische, der mit dem anständigen Match – es gab nur vier Verwarnungen – keine Mühe hatte, auf den Elfmeterpunkt. „Mindestens schmeichelhaft“, so die Reaktion der Gäste. Maximilian Schlegel verwandelte gewohnt sicher.

Mehr gelang allerdings trotz einiger Ecken nicht, sodass die Hansestädter sogar noch zum fünften Tor, erzielt durch einen 17-jährigen A-Junior, kamen. Klare Tormöglichkeiten auf der anderen Seite bleiben allerdings recht rar, sodass man nie den Eindruck hatte, dass die Partie noch hätte kippen können.

Ein aus verständlichen Gründen denkbar schlecht gelaunter Rudolstädter Coach traf am Ende dieses Urteil: „Uns ist sowohl defensiv als auch mit Ball wenig gelungen. In der 2. Halbzeit haben wir versucht, unser Gesicht etwas zu wahren. Das ist in Ordnung, aber wir konnten unsere 1. Halbzeit damit nicht ansatzweise vergessen machen. Dafür war sie einfach zu schlecht.“

Dass wir hier keine Meinungen von Jörn Schulz, dem Trainer der Eisenbahner wiedergeben, liegt nicht an der Gestaltung des Berichts, denn hier lässt der Vereinssprecher immer beide Übungsleiter zu Wort kommen. Es gab einfach einen technischen Fehler bei der Aufnahme. Darum hofft der Verfasser, dass er noch die Auszeichnungen der Traditionsmannschaft aus der Sicht von Schulz von der PK erhält.

Nächster Gegner ist am Ostersamstag, dem 4. April, um 14 Uhr im Auswärtsspiel der 1. SC 1911 Heiligenstadt. Eine Mannschaft, die im Tabellenkeller „hängt“. Mehr muss man wohl zur Bedeutung der Begegnung nicht sagen.

Die Statistik:
1. FC Lok:
Poser, Ilchenko, Masuth, Grigo (87. Lauck), Schulze, Witte (82. Salge), Mahrhold, Stark, Tovkach (87. Matiiv), Kaschlaw (75. Schleicher), Scheffler

FC Einheit:
Kunth, He0 (45.+1 Starke), Ensenbach (78. Mohammadi), Schlegel, Krahnert, Smyla, Rupprecht, Rühling (45.+1 Barthel), Schneider (45.+1 Fadavi), Zerrenner (45.+1 Prokopp), Kpoton
Schiedsrichter: Leander Dietz, Zuschauer: 188
Torfolge: 1:0 Valentin Masuth (10.), 2:0, 3:0, 4:0 Philipp Witte (25., 28., 43.-), 4:1 Maximilian Schlegel (49/FE), 5:1 Louis Lauck (88.)
Hartmut Gerlach