Dreckigen Sieg auch über die Nachspielzeit gebracht

Am Ende sehnten die Rudolstädter Spieler und Anhänger den Schlusspfiff des sehr weit gereisten Schiedsrichters herbei, denn die Gäste drängten in der 2. Halbzeit auf den Ausgleich. Doch offensichtlich hatte der Stadionsprecher die Nachspielgeste des Unparteiischen, der bei einem Beobachter aus Thüringen seine Sache gut gemacht hat, übersehen und so wurden es noch quälende fünf lange Minuten bis zum Schlusssignal.


Es spricht für die Fachkenntnis beider Trainer, dass sie die Begegnung nahezu identisch einschätzen. In einer engen Liga, so der Tenor von Florian Mehr und Holger Jähnisch, hätten die Harzer erst in der zweiten Halbzeit das gezeigt, was sie sich vorgenommen hatten. Hingegen gehörte der erste Spielabschnitt ganz klar den Einheimischen.

Der Gastgeber startete wie die berühmte Feuerwehr und hatte sich schon nach kurzer Zeit einige Eckbälle erarbeitet. Ein Schuss des immer besser in das Rudolstädter Spiel findenden Robin Ensenbach konnte Franz Lohse im Kasten von Wernigerode nur mit Mühe abwehren (6.). Kurze Aufregung wenig später (16.), als Tim Rühling im Strafraum hart angegangen wurde, aber ein Pfiff des Mannes aus dem brandenburgischen Bad Saarow ausblieb. Eine Entscheidung, die man tolerieren konnte.

Dann gab es doch einen Strafstoßpfiff, als das Leder von einem Akteur aus Sachsen-Anhalt mit der Hand abgewehrt wurde. Keine Proteste beim Gegner und eine sichere Verwandlung von Maximilian Schlegel waren die Folge (21.).

Die Thüringer blieben am Ball und hatten durch Manfred Starke (23.), Emilio Heß (24.), Robin Ensenbach (34.) und Sven Rupprecht (35.) weitere sehr gute Möglichkeiten. Erst nach 36 Minuten wurde der Kasten von Eric Kuhnt bei einem Kopfball von Danny Wersig bedroht.

Dann folgte das Traumtor von Justin Smyla, der das Leder aus ganz spitzem Winkel und von links in den Winkel wuchtete (41.). Die älteren Sportfreunde werden sich in diesem Zusammenhang sicher noch an das Tor von Lothar Emmerich am 20. Juli 1966 im WM-Spiel gegen Spanien erinnern. Auf jeden Fall war es vielleicht das „Tor des Monats“, das aber wohl niemand auf dem Video hat – oder?

Nach dem Treffer aus der Raritätenkiste hätten der starke Szymon-Jan Frackowiak (43.,) und Ensenbach (47.) das Ergebnis in die Höhe schrauben können, vielleicht sogar müssen.

Das Urteil beider Übungsleiter fiel so aus: „Wir sind sehr schlecht in das Spiel gekommen und haben in der 1. Halbzeit so gut wie gar nicht das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Wir waren beim Verteidigen zu weit von den Leuten weg, hatten kein Tempo im Spiel und auch keine Laufbereitschaft.“ (F. Mehr). „Wir haben für meinen Geschmack eine sehr gute 1. Halbzeit gespielt und sind verdientermaßen mit dem 2:0 in die Pause gegangen. Wenn wir unsere Chancen vor dem Wechsel noch besser genutzt hätten, hätte es vielleicht sogar noch für ein drittes Tor reichen können.“ (H. Jähnisch)

Aus der Halbzeitkabine kamen die Gäste mit mehr Schwung und den ersten beiden Gelegenheiten (51., 54.). Dann wurde es doch kritisch, als die Abseitsfahne beim frei durchlaufenden Starke hochging, die Einheimischen das allerdings anders sahen (58.)

Nun setzte sich Wernigerode oft in der gegnerischen Hälfte fest und holte einige Ecken heraus. Bei einer davon rettete Starke per Kopf auf der Line (59.) und wenig später (62.) verhinderte Kuhnt mit toller Abwehrtat den Anschluss.

Doch kurz darauf fiel das Tor für die Einheit aus dem Harz doch. Florian Schlichting, einst bei RWE, RB und dem HFC ausgebildet, setzte seine Körpergröße ein und köpfte das Leder in die Maschen (64.).

Zwölf Minuten darauf schien das 3:1 fällig. Aber Lohse verhinderte Einschläge bei Kopfbällen von Hess und dem eingewechselten Ole Barthel mit starken Abwehrtaten.
Dann war wieder Schlichting an der Reihe, doch sein Solo wurde von Eric Kuhnt gerade noch pariert (80.). Ganz knapp ging es zu, als Robin Ensenbachs Kopfball nur um Zentimeter am Lohse-Tor vorbei strich (83.). Zwei Mal war der Rudolstädter Keeper danach gefordert, um Treffer der Gäste zu verhindern (84., 85.).
Zum Schluss retteten die Hausherren die drei Punkte, die Jähnisch, der diesmal den Rückhalt vom Vater und Schwager hatte, so bewertete: „Man muss so wie heute auch in der Lage sein, die drei Punkte auf dem ‚Zahnfleisch ins Ziel zu bringen’. Das haben wir getan und haben uns in den letzten Minuten gepusht, weil wir es unbedingt ziehen wollten. Am Ende war es ein verdienter und wie man so schön sagt, ein dreckiger Sieg.“
Gegenüber Mehr urteilte: „Hätten wir von der 1. Minute an so gespielt, dann würde das Ergebnis mit Sicherheit anders aussehen. Jetzt stehen wir wieder mit leeren Händen da und haben in der 2. Halbzeit viel Aufwand betrieben. Wir wissen, dass es in der Liga eng zugeht und haben jetzt schon ein paar Punkte verschenkt.“
Das Spiel gegen die U19 des FC RW Erfurt wurde abgesagt. Am Samstag (06.09.25, 12.30 Uhr) steht dann das Spiel der II. Hauptrunde im Landespokal bei Thüringenligist SCHOTT Jena auf dem Plan.
Die Statistik:
FC Einheit Rudolstadt:
Kuhnt, Frackowiak, Schlegel, Heß (78. Bakavoli), Ensenbach, Starke (68. Floßmann), Riemer, Krahnert, Smyla, Rupprecht (68. Barthel, 90.+3 Lüdicke)
FC Einheit Wernigerode:
Lohse, Singbeil (90.+1 Ibrahim), Engelhardt (84. Pandyal), Wersig, Dörnte, Lisowski, St. Louis (78. Rschlichting, Taiwo (46. Farwig), Pillich
Schiedsrichter: Max Göldner, Zuschauer: 255
Torfolge: 1:0 Maximilian Schlegel (21./HE), 2:0 Justin Smyla (41.), 2:1 Gregor Schlichting (64.)
Hartmut Gerlach