Drei Auswärtstore reichen nicht, aber die Moral stimmte
Holger Jähnisch trauerte nach dem intensiven Spiel, das von vielen Zweikämpfen geprägt wurde, den von seinen Schützlingen vergebenen Möglichkeiten nach. „Die Qualität der Chancen muss am Ende doch noch für ein Unentschieden reichen. Das haben wir nicht geschafft. Da wurde uns viel aufgezeigt, teilweise auch von uns selber, woran wir arbeiten müssen.“

Eine der Schlüsselszenen der Begegnung auf dem recht holprigen Geläuf war die, als Marco Riemer bei einem Konter freie Bahn hatte, aber wegen einer angeblichen Abseitsstellung zurück gepfiffen wurde (52.). Damit sorgte der Berliner Unparteiische, den das Match irgendwie überforderte und er sicher nicht seinen besten Tag hatte, für große Proteste der Rudolstädter. Aber auch Glauchau samt Anhang schimpfte über den Schiri, der am Ende fünf Mal gelb für den VfB Empor, einmal gelb-rot und auch Trainer Nico Quade gelb unter die Nase hielt. Die Einheit bekam zwei Verwarnungen.

Aber sicher war der Referee nicht Schuld an der Niederlage der Gäste. Die waren irgendwie zwischen der 61. und 70. Minute nicht auf dem Platz und kassierten gleich drei Gegentore. Jähnisch dazu: „Da haben wir uns einfach im Abwehrverbund nicht clever genug angestellt und nicht schnell genug die Lücken geschlossen. Bei zwei von drei Gegentoren haben wir im Vorwärtsgang den Ball verloren, waren sperrangelweit offen und hatten auch keine gute Konterabsicherung.“

Dabei begann das Spiel für die Gäste schon nicht so gut für den FC. Ein sehr zweifelhafter Foulstrafstoß führte bereits nach acht Minuten zum 1:0 für den Oberliganeuling. Danach machten erst einmal die Hausherren die „Musik“ und Eric Kuhnt im Gehäuse der Schillerstädter musste bei Eingaben zwei Mal fest zupacken, um weitere Treffer zu verhindern (14., 25.).

Doch allmählich fanden auch die Rudolstädter ins Spiel und kamen nach teilweise gelungenen Kombinationen durch Robin Ensenbach (16.), Marco Riemer (17.) und Manfred Starke (30.) zu guten Gelegenheiten. Ein Umstand, den Quade gar nicht gefiel: „Wir sind nicht so in das Spiel gekommen, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir waren zu statisch, selbst in der 1. Halbzeit, wo uns die Führung hätte Selbstvertrauen geben müssen. Wir hätten mehr Ruhe haben müssen und waren vor dem Ball zu wenig in Bewegung.“

So kam der Gast kurz vor Pause, ebenfalls durch einen Strafstoß – zuvor wurde Ensenbach recht deftig von den Beinen geholt – durch Maximilian Schlegel zum auch aus der Sicht des Coaches der Gastgeber zum verdienten Ausgleich.

Einig waren sich Quade und Jähnisch auch darüber, dass der Einheit die Viertelstunde nach der Pause gehörte. Da lag ein Treffer für Rudolstadt mehrmals in der Luft (50., 53., 56.). Doch dann folgten die verhängnisvollen neun Minuten.

Es spricht für die Moral der Thüringer, dass sie sich nicht aufgaben und durch zwei Tore von Starke, der zwei Eingaben von außen sicher verwandelte, den Anschluss schafften. Der zweifache Torschütze hätte zum Helden der Begegnung werden können, aber er scheiterte nach 82. Minuten nach dem dritten Foulelfmeter, nachdem Riemer von den Beinen geholt wurde, am Glauchauer Schlussmann Niklas Wiener.

Rudolstadt kämpfte weiter, besaß sehr gute Einschussgelegenheiten, musste aber nach der siebenminütigen Nachspielzeit als Verlierer den Platz verlassen.

Beide Trainer sprachen in der Pressekonferenz davon, dass es einiges aufzuarbeiten gebe. Nico Quade, der eine Vergangenheit als Spieler und Trainer beim FC Carl Zeiss Jena hat, sagte: „Da sind ganz viele Sachen, die wir aufarbeiten müssen, die heute nicht funktioniert haben, sei es in der Laufbereitschaft vor dem Ball, im Zweikampfverhalten und wie stelle ich mich hier clever an.“

Holger Jähnisch, dienstältester Oberligatrainer, zog dieses Fazit: „Wir sind mit dem Mut der Verzweiflung dran geblieben, stellen auf 3:4, verschießen aber den Elfmeter. Das kann mal passieren. Glauchau ist kein normaler Aufsteiger. Viele Spieler kennen wir und sie begleiten uns schon eine ganze Zeit auch aus anderen Vereinen. Die Niederlage ist sicher bitter für uns, aber wir haben jede Menge, woran wir arbeiten müssen.“

Nächster Gegner ist am Sonntag, dem 31. August, um 14 Uhr im Heimspiel der FC Einheit Wernigerode.
Die Statistik
VfB Empor:
Wiener, Knoll (85. Schädel), Mack 69. Ullmann), Hertel (16. Werrmann), Bochmann (85. Albustin), Anger, Börner, Sieber, Barth, Luge (69. Rühling), Riesen (90.+1 GRK)
FC Einheit:
Kunth, Frackowiak, Schlegel (77. Bakavoli), Heß, Ensenbach (69. Floßmann), Starke, Riemer, Stelzer, Smyla, Rupprecht (69. Barthel), Rühling
Schiedsrichter: David Isaias Petzak, Zuschauer: 159
Torfolge: 1:0 Andrè Luge (8./FE), 1:1 Maximilian Schlegel (44./FE), 2:1, 3:1 Jonas Mack (61., 67.), 4:1 Fabio Anger (70.), 4:2, 4:3 Manfred Starke (77., 78.).
Hartmut Gerlach