Der Spielbericht aus der Sicht des FC Grimma

Tom Rietzschel, unter anderem Teammanager des FC Grimma und einer guten Freunde des FC Einheit, hat es sich nicht nehmen lassen, trotz vieler Verpflichtungen bei den Muldestädtern einen ausführlichen Spielbericht zur Partie vom Samstag in Rudolstadt zu verfassen. Den präsentieren wir hier mit freundlicher Zustimmung des Autors aus Grimma. Die Aufnahmen sind vom Rudolstädter Vereinsfotografen Achim Freund. darutner sidn auch die von der Pressekonferenz.

Damit beenden wir unsere umfangreiche Berichterstattung vom Oberligaspiel Rudolstadt – Grimma (2:2) und schauen auf die letzte Begegnung des Jahres:

Respekt: Grimma holt in doppelter Unterzahl einen Teilerfolg


Rudolstadt. Neun Gelbe, eine Rote, eine Gelb-Rote sowie drei Gelbe Karten für Team-Offizielle – wer der Oberliga-Begegnung zwischen dem FC Einheit Rudolstadt und dem FC Grimma am Samstagnachmittag persönlich nicht beiwohnen konnte und nur diese Fakten liest, wird von einer „wilden Holzerei“ dritten Grades ausgehen.

Doch die 100 Zuschauer im Rudolstädter Städtischen Stadion sowie alle Beteiligten auf dem Platz sowie den Betreuer-Bänken können nicht einmal im Ansatz diese Annahme teilen. Nach einer intensiv geführten, aber niemals unfair geführten Begegnung trennten sich beide Teams am Ende des Tages 2:2 (1:0) unentschieden – ein Punkt, welcher eher den gastgebenden Thüringern nützlich erscheint. Die Gäste von der Mulde konnten mit diesem Teilerfolg zwar die Negativ-Spirale von drei Niederlagen in Folge durchbrechen, doch hätte die Elf von Interimstrainer Benjamin Förster nach der zwischenzeitlichen Führung natürlich sehr gern alle drei Zähler mit nach Hause genommen.

Die Gründe dafür sind vielschichtig, warum sich die Grimmaer letztlich mit einem Teilerfolg zufrieden geben mussten. Einerseits kassierte man beide Gegentore in der Entstehung viel zu einfach, andererseits mussten die Muldestädter die letzten fast 20 Minuten in doppelter Unterzahl bestreiten. Rot für Stefan Tröger (69.) sowie eine Ampelkarte für Schlussmann Giovanni Lumpitzsch (76.) waren absolut dafür mit ausschlaggebend, dass die sicherlich möglichen drei Punkte nicht mit nach Grimma entführt werden konnten.

Wenn man sich allerdings jeweils die Entscheidungsfindung bei beiden Platzverweisen betrachtet, wirft diese extrem berechtigte Fragen auf. Doch nicht nur die Gäste, sondern auch die gastgebende Einheit, war insgesamt mit der Spielleitung von Schiedsrichter Tom Heilmann (Michendorf) nicht zufrieden. „Ich kann Benjamin Förster und Tom Rietzschel auf Grimmaer Seite natürlich sehr gut verstehen. Doch auch wir sind mit einigen Entscheidungen und vor allem der Flut von persönlichen Strafen, welche hier auf beiden Seiten ausgesprochen wurden, nicht im Geringsten einverstanden. Diese war angesichts der Aktionen auf dem Spielfeld überhaupt nicht angemessen“, verbündete sich Rudolstadts Trainer Holger Jähnisch im Nachgang solidarisch mit dem Kontrahenten, um anschließend sofort das Resümee der umkämpften Partie zu ziehen. „Nach einer guten ersten Halbzeit haben wir kurz nach Wiederbeginn das Spiel durch Unkonzentriertheiten leichtfertig aus der Hand gegeben“, so der Einheit-Coach. „Letztlich kommen wir aufgrund der numerischen Überzahl zwar per Elfmeter noch zum Ausgleich, doch hinten raus sind wir auch mit zwei Spielern mehr nicht zu zwingenden Gelegenheiten gekommen. Summa summarum hatten wir in der Schlussphase natürlich mehr zu verlieren als der Gegner. Daher denke ich, dass wir lieber mit dem Punkt zufrieden sein sollten, als uns darüber zu ärgern, dass wir am Ende keinen Dreier geholt haben. Das Minimalziel, nämlich Grimma auf Abstand halten, haben wir damit erreicht.“

Jähnisch’ Gegenüber Benjamin Förster, der seit vier Wochen als Interimstrainer in Grimma fungiert, war in der anschließenden Pressekonferenz hin- und hergerissen. „Aufgrund der beiden Platzverweise müssen wir am Ende des Tages den Punkt mitnehmen. Ein großes Lob gilt daher meiner Truppe, wie aufopferungsvoll sie in den letzten Minuten den Teilerfolg verteidigt hat“, so der ehemalige Profi des Chemnitzer FC und Energie Cottbus. „Aber insgesamt gesehen, war heute absolut mehr möglich. Durch die Rote Karte gegen Stefan Tröger dreht sich das Spiel wieder in Rudolstädter Richtung, wobei ich für diesen Feldverweis überhaupt kein Verständnis habe. Wie Holger schon sagte, ist die Bilanz der persönlichen Strafen einfach viel zu hoch, das gab das Spiel nicht im Geringsten her. Allerdings müssen wir auch auf uns schauen, indem wir klar feststellen müssen, dass wir beide Gegentore so niemals bekommen dürfen. Positiv stimmt mich, wie klar die Mannschaft in der Pause den klaren Gedanken hatte, den Rückstand zu drehen und etwas mitzunehmen. Dies wurde nach Wiederanpfiff auf dem Platz eindrucksvoll demonstriert, was mich für die kommenden Aufgaben optimistisch stimmt. Fakt ist, wir stehen noch unten drin, doch wenn wir diese Leistungen konservieren können, bin ich optimistisch, dass wir da raus kommen. Aber wir dürfen halt Woche für Woche keinen Meter weniger machen.“

Dabei begannen die Grimmaer diese wichtige Auswärtspartie sehr konzentriert. Von Anfang an führten die Muldestädter konsequent und robust in der eigenen Hälfte die Zweikämpfe und boten damit den favorisierten Hausherren frühzeitig Paroli. Wenn die Gastgeber Torgefahr ausstrahlten, kam diese nur aufgrund Grimmaer Unstimmigkeiten in der letzten Linie zustande. So hätten die Thüringer um ein Haar von einem Missverständnis zwischen Vincent Markus und Torhüter Giovanni Lumpitzsch profitiert, als Markus die Kugel bei einem Rettungsversuch über den eigenen Schlussmann köpfte und das Streitobjekt anschließend vom Pfosten ins Spielfeld zurücksprang. Unter größter Bedrängnis konnte Sven Rupprecht den Nachschuss im Anschluss nicht im FC-Gehäuse unterbringen (10.).

Allerdings war dies die einzige Situation, wo man im Grimmaer Lager den Atem anhalten musste. Defensiv standen die Förster-Schützlinge sehr kompakt und ließen absolut nichts zu. Umso bitterer war es dann allerdings, dass die Gäste Mitte der ersten Hälfte doch in Rückstand gerieten. Nach einem weiten Ball von Einheit-Torhüter Max Bresemann wartete Kapitän Toni Ziffert vergeblich auf seinen Schlussmann – Emilio Heß spritzte dazwischen, hob die Kugel über Lumpitzsch und hatte daraufhin keinerlei Probleme, den Ball zum 1:0 im leeren Tor unterzubringen (24.). „Wieder so ein einfaches Tor nach einem langen Ball. Ein einziges Mal schlafen wir in der letzten Linie und werden prompt bestraft“, konnte es Interimstrainer Benjamin Förster draußen an der Seitenlinie nicht fassen. Dass Torhüter Lumpitzsch bei der Abwehr-Aktion gegen Heß im Nachgang noch „Gelb“ zu sehen bekam, sollte in der zweiten Hälfte noch bittere Auswirkungen nach sich ziehen.

Nichtsdestotrotz ließen sich die Gäste auch nach dem Rückstand nicht aus der Fassung bringen, auch wenn man die ganz große Offensiv-Wirkung in den ersten 45 Minuten noch nicht ausstrahlte. Einzig bei einem Distanzschuss von Alexander Vogel wurden die Gäste torgefährlich, doch packte Einheit-Schlussmann Bresemann sicher zu (29.). Allerdings hielten sich auch die Möglichkeiten der Einheimischen stark in Grenzen, da beide Defensiv-Reihen dominierten. So musste ein Freistoß von Standard-Spezialist Maximilian Schlegel herhalten, doch ließ sich FC-Keeper Lumpitzsch nicht überraschen (40.).

In der Pause wies Coach Benjamin Förster noch einmal auf zwei, drei Dinge explizit hin, „doch bereits da wir die Mannschaft extrem fokussiert, dieses Spiel noch drehen zu wollen.“

Und genau mit diesem festen Vorhaben kam die Elf aus der Kabine – drei Zeigerumdrehungen nach Wiederanpfiff war der Rückstand egalisiert. Nach einem abgewehrten Spreitzer-Eckball fand Philipp Katzenberger mit einer Maßflanke Kevin Werner im Sturmzentrum, der aus Nahdistanz zum 1:1 einköpfte (48.). „Wenn wir im Deckungsverbund so derart das Zentrum vernachlässigen, brauchen wir uns nicht wundern, wenn wir Tore kassieren“, legte Einheit-Trainer Holger Jähnisch im Anschluss den Finger in die Wunde. Doch damit noch nicht genug – wiederum nur wenig später hatten die Muldestädter die Begegnung komplett gedreht. Von Tommy Kind gut eingeleitet, leitete Robin Spreitzer die Kugel mustergültig in den Lauf von Nico Rieger weiter, der im Rudolstädter Strafraum nach einem Zweikampf mit Tim Rühling zu Fall kam. Schiedsrichter Heilmann zögerte keine Sekunde und zeigte auf den ominösen Punkt. Ziffert ließ sich nicht zweimal bitten und versenkte den strittigen Elfmeter eiskalt zum 1:2 (54.).

Nun hatten die Gäste alles in der eigenen Hand, auch wenn die Muldestädter nach einem langgezogenen Schlegel-Freistoß etwas Glück hatten, als die Kugel an den Pfosten tropfte (65.).

„Nach dem Rückstand haben wir etwas an Struktur verloren, welche erst wiederkam als wir einen Mann mehr waren“, so Einheit-Trainer Jähnisch. Und genau diese angesprochene Situation sollte den Grimmaern fortan zum Verhängnis werden. Im Gäste-Strafraum kam der eingewechselte Stefan Tröger nach einem Werner-Zuspiel im Zweikampf mit Rupprecht einen Schritt zu spät und brachte seinen Gegenspieler daraufhin zu Fall. „Nichts von hinten, keine offene Sohle, ein handelsüblicher Zweikampf von der Seite – wir dachten Gelb und gut“, so Benjamin Förster. Doch hatte der Grimmaer Coach samt seiner Elf die Rechnung ohne Schiedsrichter-Assistent Jonas Marx (Bernau) gemacht, der hinsichtlich dieser Situation eine ganz eigene Wahrnehmung hatte, welche er im weiten Rund sicherlich als Einziger hatte. Luftlinie 25 Meter von dieser Situation entfernt, übernahm er kurzerhand die Entscheidungsfindung und kommunizierte per Headset mit Schiedsrichter Heilmann, der „nur“ fünf Meter vom Ort des Geschehens sehr gut positioniert war. Das Ende vom Lied: Die Gelbe Karte, die der Referee aussprechen wollte, wurde aufgrund der Intervention seines Assistenten sofort zu den Akten gelegt – Tröger bekam für ein absolutes Allerweltsfoul die Rote Karte gezeigt und konnte sieben Minuten nach seiner Einwechslung sofort wieder Duschen gehen (69.). „Unfassbar! Für solch ein Foulspiel wäre vor Jahren noch nicht einmal Gelb gezogen worden“, brachte es Team-Manager Tom Rietzschel direkt im Anschluss auf den Punkt.

Doch auch bei den Rudolstädtern waren die Emotionen auf dem Siedepunkt. Sequenzen vor dieser Situation blieb ihr Abwehrspieler Tom Krahnert am gegnerischen Strafraum nach einem Luftduell mit einer Kopfverletzung am Boden liegen. „Unabhängig ob Foul oder nicht – bei Kopfverletzungen ist das Spiel vom Schiedsrichter sofort zwingend zu unterbrechen. Dies wurde uns bei diversen Tagungen von den Schiedsrichter-Obleuten immer wieder mitgeteilt“, so ein erzürnter Einheit-Trainer Holger Jähnisch. „Hier wurde das Spiel allerdings laufen gelassen – wir wussten nicht, was mit unserem Spieler ist. Hätte der Schiedsrichter hier die Begegnung unterbrochen, wäre es dementsprechend zu der Situation mit der Grimmaer Roten Karte gar nicht gekommen. Damit hat er sich das Leben selbst völlig unnötig schwergemacht.“

Dadurch hing die Grimmaer Führung wieder am seidenen Faden – wenig später folgte dann der nächste Nackenschlag. Nach einem langen Ball in den FC-Strafraum kam es zum Zusammenstoß zwischen Smyla und Torhüter Lumpitzsch – der Elfmeterpfiff von Referee Heilmann kam prompt. Doch auch hier überließ er jegliche Entscheidungsfindung hinsichtlich der persönlichen Strafe erneut seinem Assistenten, der Luftlinie gefühlt 40 Metern vom „Tatort“ positioniert war. Lumpitzsch wurde daraufhin aufgrund wiederholten Foulspiels mit Gelb-Rot vom Platz gestellt (76.) – glücklicherweise waren auf Grimmaer Seite noch Auswechselvorgänge möglich, um Ersatzmann Ondřej Čáp ins Spiel bringen zu können. Dieser musste bei seiner ersten Amtshandlung allerdings den Ball aus dem Netz holen – Schlegel verwandelte den Strafstoß sicher zum 2:2-Ausgleich (78.).

Rudolstadt schöpfte durch diesen Treffer neuen Mut, in doppelter Überzahl wollten die Thüringer fortan selbstredend die drei Punkte.

Doch wie die Grimmaer nun mit der völlig neuen Situation umgingen und mit Haut und Haaren den Zähler verteidigten, nötigt der Elf absoluten Respekt ab. Mit viel Laufarbeit schafften es die Muldestädter immer wieder komplett hinter den Ball zu kommen und die Räume derart zu verengen, dass die Hausherren keinerlei Torgefahr mehr erzeugen konnten. Kompromisslos und resolut gingen die Gäste in alle Zweikämpfe und verteidigten fortan mehr als aufopferungsvoll den wertvollen Zähler. Dabei kam den Grimmaer allerdings sehr entgegen, dass die Nachspielzeit nur mickrige fünf Minuten betrug – mehr als das Doppelte wäre aufgrund der Unterbrechungen sicherlich angebracht gewesen.

So konnten die Gäste nach Abpfiff von Referee Heilmann einen wertvollen Punkt entgegen nehmen, welchen sich die Förster-Schützlinge mehr als verdient hatten. Sicherlich hätte man sehr gern auch drei Zähler mitgenommen, doch war dafür die Hypothek nach den zwei Platzverweisen leider zu groß. Fakt ist: Trotz der aktuellen Tabellensituation lebt die Mannschaft zu einhundert Prozent! Dies hat die Begegnung bei den seit Jahren extrem heimstarken Rudolstädtern mehr als gezeigt.“

Bericht: © Tom Rietzschel

Link:

https://www.fc-grimma.de/2025/12/09/respekt-grimma-holt-in-doppelter-unterzahl-einen-teilerfolg/

F.d.R. Hartmut Gerlach

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