Kartenflut spiegelt Spielverlauf auch nicht annähernd wider

Wenn sich der geneigte Leser die Kartenflut nach dem Oberligaspiel zwischen dem FC Einheit Rudolstadt und dem FC Grimma anschaut, dann denkt er natürlich, dass die Partie eine „Hackerei“ war. Immerhin verteilte der Unparteiische, der gemeinsam mit seinen Assistenten aus dem Großraum Berlin anreiste und seit 8 Uhr morgens unterwegs war, eine Rote, eine Gelb-Rote (beide für den Gast) sowie 14 (!!) Gelbe Karten. Das entsprach allerdings auch nicht annähernd der intensiven, aber mit keinem einzigen bösen Foul getrübten Begegnung. Vielmehr kritisierte der Gastgeber, dass die Nachspielzeit von fünf Minuten extrem kurz war, dauerte doch alleine der Torwartwechsel fast diese Zeit. Zudem gab es zahlreiche Unterbrechungen mit verletzten Akteuren auf beiden Seiten.

Das Match begann mit einem Eckball der Gäste, dem bis zur achten Minute zwei weitere folgten. Dabei fiel auf, dass das Team, das von Interimstrainer Benjamin Förster gecoacht wurde, die Hausherren erst an der Mittellinie attackierte. Dann eine kuriose Szene, als ein Grimmaer an den eigenen Pfosten köpfte, Sven Rupprecht aber den abprallenden Ball nicht kontrollieren konnte (9.).

Dann eine fast ähnliche Situation, doch den etwas kurzen Rückpass eines Einheit-Abwehrspielers sah Max Bresemann auf dem Posten (18.). In dieser Phase lief der Ball beim Kurzpassspiel der Platzelf oft recht gut, hingegen fanden lange Pässe nicht immer ihren Adressaten.

Nachdem die Rudolstädter einen gefährlichen weiten Einwurf der Muldestädter unbeschadet überstanden hatten (21.), führte ein „langer Hafer“ doch zur Führung für den Gastgeber. Bresemann drosch das Leder nach vorn, wo sich ein Deckungsspieler Grimmas verschätzte. Emilio Heß „roch den Braten“, stibitzte das Leder und netzte ein, wobei der Keeper von Grimma noch gelb sah, da er den Schützen berührte (24.).

Die Thüringer bleiben bis zum Halbzeitzeichen zwar tonangebend, richtige gute Chancen konnten sie sich aber nicht heraus arbeiten. Das war auf der Gegenseite nicht anders, wobei ein Kopfball von Kevin Werner am Bresemann-Kasten vorbei flog (33.).

Holger Jähnisch war nicht nur wegen der Tatsache, dass seine Elf in Front lag, mit dem Zwischenergebnis zufrieden: „Wir haben eine gute 1. Halbzeit gespielt und das, was wir uns vorgenommen haben, umgesetzt.“ Doch er schien zu ahnen, was zu Beginn des zweiten Abschnittes auf seine Mannschaft zukam: „Die 1:0-Führung war natürlich nur ein Zwischenfazit. Leider haben wir das Spiel innerhalb von zehn Minuten unkonzentriert und viel zu leicht aus der Hand gegeben.“

Auch Gegenüber Benjamin Förster hatte ein „Näschen“ für den Start in die 2. Halbzeit: „In der Pause waren die Jungs schon sehr, sehr positiv. Sie hatten das Gefühl, dass wir hier im Minimum einen Punkt holen können. So sind sie auch rausgekommen und haben das Spiel relativ schnell gedreht.“ Das geschah mit zwei Standards binnen fünf Minuten. Zunächst konnte die Hintermannschaft einen Eckball der Sachsen nicht klären (48.), dann zeigte der Unparteiische nach einer Aktion von Tim Rühling auf den Elfmeterpunkt. Toni Ziffert, Sohn des ehemaligen Trainers der Gäste, verwandelte sicher (53.).

Für Jähnisch sahen sich die Minuten nach dem 2:1 für den Gegner so an: „Da waren alle Karten auf Seiten des Gegners und wir haben unsere Struktur und Ordnung verloren.“

Doch dann gab es eine Szene, die Förster als Knackpunkt der Begegnung bezeichnete. Sein erst sieben Minuten zuvor eingewechselter Spieler Stefan Tröger sah nach einem Foul vor dem eigenen Strafraum den roten Karton. „Das war auf keinen Fall ein Feldverweis“, resümierte der Trainer der Gäste zur Pressekonferenz.

Doch es sollte noch schlimmer für Grimma kommen. Denn der Kontrahent musste, so der Übungsleiter des Tabellenvierzehnte, einen berechtigten Strafstoß hinnehmen. Auch die Ampelkarte für seinen bereits gelb vorbelasteten Keeper schätzte der faire Sportsmann so ein.

Für den dienstältesten Trainer der Oberliga zeigte sich die Situation bis zur 95. Minute so: „Wir kommen aufgrund der numerischen Überlegenheit und durch den Strafstoß wieder zurück in die Begegnung. Da hatten wir das Momentum so ein wenig auf unserer Seite und wir haben versucht, die Überzahl auszuspielen. Aber wir haben draußen auch gemerkt, dass der eine oder andere zu viel hinter dem Ball war. Wir haben sicher gedacht, uns langt der Punkt, was ja erst einmal nicht so verkehrt ist. Dementsprechend sind wir nur zu wenig zwingenden Chancen gekommen. Ich hätte mir gewünscht, dass wir die eine oder andere Abschlussaktion oder Eingabe mehr hätten produzieren können.“

Das Fazit des sympathischen Trainers aus Grimma, der wie Teammanager Tom Rietzschel, auch ein Verwarnter so wie die Bank der Einheimischen, nach der Pressekonferenz noch recht lange mit Jähnisch und seinem Vereinssprecher beieinander standen, hatte diesen Inhalt: „Wir haben unser Minimalziel erreicht, denn wir wollten auf alle Fälle den Abstand zu Grimma wahren. Wir sollten nämlich eher nach hinten als nach oben schauen. Aber wir hatten mehr in Überzahl zu verlieren als Grimma mit den beiden Spielern weniger. Doch wir sollten mehr mit dem Punkt zufrieden sein als uns darüber zu ärgern, dass wir am Ende keinen Dreier geholt haben.“
Und für Benjamin Förster sah die Bilanz so aus: „Wie die Jungs das dann aber mit zwei Viererketten, die wir in den letzten Wochen auch trainiert haben, verteidigten, war richtig gut. Jeder hat sich reingehangen. Deshalb ein großes Lob an die Mannschaft. Wir hätten auch gern drei Punkte mitgenommen. Das ist uns nicht gelungen. Aber so ist Fußball. Es gibt auch einen Gegner, der dagegen gehalten hat.“
Am Samstag, 14.12.25, steht um 13 Uhr das letzte Heimspiel des Jahres für die Einheit auf dem Plan. Dann heißt der Gegner Bischofswerdaer FV 08.
Die Statistik.
FC Einheit:
Bresemann, Frackowiak, Schlegel, Heß (90. Barthel), Starke (90. Riemer), Krahnert (72. Floßmann), Smyla, Rupprecht, Rühling (72. Schneider), Zerrenner, Kponton (46. Ensenbach)
FC Grimma:
Lumpitzsch (75. GRK), Matthäus (61. Tröger 68. RK), Werner, Rieger, Markus (75. Cap), Vogel, Spritzer, Ziffern, Kind (70. Janz), Barsch, Katzenberger
Schiedsrichter: Tom Heilmann, Zuschauer: 100
Torfolge: 1:0 Emilio Heß (24.), 1:1 Kevin Werner (48.), 1:2 Toni Ziffert (53./FE), 2:2 Maximilan Schlegel (78./FE).
Fotos von Achim Freund folgen.
Hartmut Gerlach