Holger Jähnisch, im 14. Jahr mit einer Ausnahme von vier Monaten Trainer der Oberligavertretung des FC Einheit, der die Mannschaft in der Saison 2011/12 in die 5. deutsche Liga geführt hatte, beendet seine 15-jährige Trainertätigkeit in Rudolstadt sieben Partien früher als geplant. Der 55-Jährige wollte, das war intern längst bekannt, ohnehin am Spieljahresende 25/26 aufhören.

In einer emotionalen Rede teilte der Mann aus Jena, der einst auch in der Bezirkliga sowie der Landesklasse und Landesliga gespielt hatte – er hat für Einheit insgesamt 252 Spiele in der Bezirksliga (1991 bis 1994), der Landesklasse (1999 bis 2001) und der Landesliga (1994/95 und 2001 bis 2006) bestritten und 23 Tore erzielt – der Mannschaft im Beisein des Staffs, des Vereinsvorsitzenden Dr. Karl-Heinz Müller und des Vereinssprechers in der Kabine mit. Dabei gilt der unter Fußballern respektierte Grundsatz, dass das, was an diesem Ort besprochen wird, auch hier „bleibt“. Natürlich sollte zunächst die Mannschaft in Kenntnis gesetzt werden.

Hinterher nannte Holger Jähnisch im Gespräch mit Peter Scholz, Sportredakteur der Funkemedien Gruppe, und in dieser Eigenschaft vor allem für die OSTTHÜRINGER ZEITUNG (OTZ) zuständig (siehe Foto) einige Gründe für seine Entscheidung. Die hat Scholz bereits sehr zeitnah am Donnerstagabend im Internet und hinter der Bezahlschranke mitgeteilt (Info vom 09.04.26, 19.15 Uhr).
Die sei, so der dienstälteste Coach, vor allem in langen Unterredungen mit dem Sportlichen Leiter, Tim Ackermann, gereift. Vorab informierte Jähnisch mit dem stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Wilfried Schardt auch den Mann, der die Einheit seit fast vier Jahrzehnten tatkräftig unterstützt. Gesprochen hat er darüber hinaus mit Renè Just, dem Vorgänger von Ackermann, und natürlich mit Müller.

„Es war mein eigener Wunsch, wobei wir den Jungs in den Gesprächen für das neue Spieljahr schon gesagt haben, dass ich nach der 14. Oberligasaison aufhören werde. Leider haben wir nach einer guten Hinrunde, um es mal drastisch auszudrücken, die ‚Kacke am Fuß’. Man überlegt als Trainer dann auch, welche Optionen man hat und wie man Einfluss nehmen könnte. Wir sind, das hat man gemerkt, extremst ‚verkopft’ und wir müssen zu viele Kompromisse in der täglichen Trainingsarbeit machen. In den letzten Wochen habe ich gesagt, dass wir mehr Fokus brauchen, um das, was wir immer geschafft haben, nämlich, eine ‚jetzt Erst-Recht-Mentalität’ zu entwickeln, auch diesmal erreichen wollen. Dabei gab es immer wiederkehrende Probleme, wobei wir unter der Woche oft gute Trainingseinheiten mit Energie absolviert haben.
Ich habe mir mit meiner Entscheidung aufgrund meiner Erfahrungen etwas dabei gedacht. Dass es nicht so ist, dass ich die Mannschaft nicht mehr erreiche, hat die Reaktion der Akteure in der Kabine nach meiner Rede gezeigt. Ich wollte, auch angesichts meines Aufhörens im Sommer, noch einmal einen Neu-Start schaffen und den Einen oder Anderen noch einmal wach rütteln. Jetzt gibt es keine Ausreden mehr.
Dabei habe ich überlegt, wie es weitergehen könnte. Mit Hendrik Faik haben wir seit fast zwei Jahren einen jungen, fußballverrückten Trainer im Verein, der eine sehr gute Arbeit macht. Aber er kann das derzeit aus positiven und sehr erfreulichen Gründen nicht allein tun. Er hat zwar ‚Acker’, ‚Schokser’ und ‚Hölbe’, aber mit Marco Riemer hat sich ein Spieler bereit erklärt zu helfen. ‚Riemex’ schätze ich als Mensch, der zudem einen großen Fußballsachverstand hat, den Verein kennt und auch absolut weiß, dass dies eine gute Lösung sein kann, sehr. Leider ist er langzeitverletzt und hat als Fixpunkt in unserem Spiel sehr gefehlt. Riemer ist in meinen Augen ein kommender, sehr guter Trainer. Ich kann mir vorstellen, dass beide das im Verbund genau so gut machen wie ich.
Die Mannschaft hat, davon bin ich zu einhundert Prozent überzeugt, die Qualität und sie wird sich weiterentwickeln. Ich bleibe dem Verein immer verbunden und ich wünsche mir, dass ich am letzten Spieltag mit den Spielern und Funktionären ein Bierchen trinken kann, weil wir es geschafft haben.“
Hartmut Gerlach