Im Porträt (2): Liam Floßmann hört auf seinen Kapitän

Die Vorstellung von Liam Floßmann, der ab der Zeit in der U14 vom FC Rot-Weiß Erfurt nur „Flosse“ heißt, muss mit einer Entschuldigung beginnen. Denn der Mann, in dessem Personalausweis als Geburtsort das südthüringische Meiningen steht – gewohnt hat er einige Jahre in Grabfeld – gehört schon seit der Saison 2024/25 zum Kader des Oberligisten FC Einheit Rudolstadt.

Doch da war es irgendwie wie verhext und der Vereinssprecher hat, wohl auch ein wenig wegen des sehr aufregenden Spieljahres, den Zeitpunkt verpasst, den nun in Erfurt lebenden Mittelfeldspielers wie alle anderen Neuzugänge zu präsentieren. Das geschieht nun mit etwas Verspätung an diesem 15. August.

Mit dem Fußball begonnen hat der heute 24-Jährige beim Hainaer SV. Man wurde auf das Talent aufmerksam und seit seinem 13. Lebensjahr gehörte er zu den Schülern, die das Sportinternat in Erfurt besuchen konnten. Bis zur U17 hat er beim FC Rot-Weiß Erfurt gespielt.

Dann folgte der Wechsel zu den A-Junioren vom SV Germania Ilmenau (17/18) sowie bereits Einsätze in der  2. Mannschaft vom FSV Martinroda. Für diesen Verein hat er sechs Jahre gekickt – drei in der Ober – und drei in der Thüringenliga – und dabei insgesamt 48 Oberligapartien bestritten, in denen er drei Tore erzielte. Es folgte ein Jahr bei Wismut Gera, das er auch zu den angenehmen Erlebnissen in seiner noch nicht so sehr langen Fußballkarriere zählt.

Gelernt hat Liam Immobilienkaufmann und ist derzeit in einer Firma, in der es um das Bauwesen und ums Haus geht, beruflich im Vertrieb tätig. Dabei ist er seit anderthalb Monaten viel unterwegs, wie zum Beispiel in den Ballungsgebieten in Hessen oder auch Nordrhein-Westfalen. „Deshalb kann ich nicht zu jeder Trainingseinheit anwesend sein. Aber das ist schon so abgesprochen“, sagt er fast entschuldigend. Denn in dieser Spielklasse geht der Beruf noch immer vor!

Und um das Private von „Flosse“ abzuschließen. Er ist noch ledig, wohnt in der Nähe vom Steigerwaldstadion in Erfurt und bildet mit Eric und Mio (Emilio Heß), den wir als Nächsten vorstellen, eine Fahrgemeinschaft.

Auf die Standardfrage nach den eigenen fußballerischen Stärken platzt es keinesfalls aus ihm heraus. Er lebe von der Mentalität und vom Kampfgeist, meint er bescheiden. Auch die Arbeit gegen den Ball funktioniere gut, antwortet er nach kurzem Überlegen und betont: „Ich will mich eigentlich nicht so sehr loben.“ Besonders gern spielt er im zentralen Mittelfeld auf der Position eines Sechsers, wo er viele Zweikämpfe bestreiten könne, fügt er hinzu.

„Flosse“ ist vor der Saison 24/25 recht kurzfristig gewechselt. „Aber alles hat sich schnell eingespielt und ich bin gut aufgenommen wurden. Wir waren zwar in dieser Serie ein recht schmaler Haufen und da ist schon eine enge Bindung entstanden. Nun sind wir zwar mehr, aber das Verhältnis untereinander ist noch genau so.“

Wie bei vielen anderen Spielern hat Holger Jähnisch auch bei Liam Floßmann sein Netzwerk spielen lassen und den Kontakt zu dem früheren Südthüringer hergestellt. Das sei schon vor drei Jahren der Fall gewesen, erzählt unserer Gesprächspartner. Er sei allerdings nach Gera gewechselt. Doch irgendwie habe es dann nicht mehr hingehauen, plaudert der Mann, der im Team die Nummer 5 trägt, ein wenig „aus dem Nähkästchen“, und er sei zur Einheit gegangen.

Seine Freizeit verwendet er dafür, um immer mal insbesondere an Wochenende im Spätverkauf zu arbeiten. „Doch das mache ich so, wie ich lustig bin“, ergänzt der Erfurter. Natürlich ist er oft mit Freunden unterwegs, wobei er schon immer mal Spiele von ihnen, ganz egal in welcher Klasse, anschaut.

Natürlich muss man abschließend auch auf das Tor eingehen, dass „Flosse“ am 25. Mai 2025 beim 4:0 gegen den SC Freital erzielt hat. Das hat Peter Scholz, Sportredakteur der OSTTHÜRINGER ZEITUNG (OTZ), nach dem Interview mit dem Torschützen so aufgeschrieben: „Ich hatte einen langen Ball gespielt, den der Torhüter vor Ron Wachs am 16er weggeschlagen hat. Der landete dann wieder direkt vor meinen Füßen und ich wollte ihn eigentlich annehmen und wieder flanken.

Haben Sie aber nicht gemacht?

Nein, ich habe zwar gesehen, dass der Keeper weit vor dem Tor stand. Dann habe ich von Riemex (Marko Riemer; d. Red.) die Anweisung bekommen, ihn direkt zu nehmen. Er sagte: ‚Nimm ihn, wie er ist.’ Hab ich dann gemacht und natürlich auch ein bisschen Glück gehabt, dass er von der Latte ins Tor springt.

Also alles richtig gemacht?

Ich höre doch auf meinen Kapitän!“

Vielleicht war das nicht das letzte Tor von „Flosse“. Es müssen ja nicht immer 40 Meter sein.

Hartmut Gerlach

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