Ein Déjà-vu zum Spiel in der Oberlausitz
Dass Holger Jähnisch nach dem 0:5 seiner Mannschaft beim weiter ungeschlagenen RSV Eintracht 1949 Stahnsdorf in der traditionellen Trainerbefragung kurz nach Spielende von einem Dèjà-vu sprach und damit die Auswärtspartie im nicht minder weit entfernten Bautzen meinte, war fast logisch. Denn ähnlich wie in der Oberlausitz lag die Einheit am Samstag in der Nähe von Berlin nach einer guten halber Stunde deutlich zurück, wobei die Budissen schon sechs Minuten früher auf 3:0 stellten, und unterlag am Ende mit 0:5.

Dabei begannen die Thüringer durchaus viel versprechend, denn bei einer Eingabe von Sven Rupprecht musste sich Torwart Linus Löffler „strecken“ (6.). Doch schon im Gegenzug ließ sich „Ruppi“ zu einem Foul im eigenen Strafraum hinreißen und der gute Schiedsrichter aus der Nähe von Plauen zeigte auf den Punkt. Matthias Steinborn (36), der schon in sieben höherklassigen Vereinen aktiv war, ließ sich die Chance nicht entgehen und netzte ein.

Doch es sollte noch schlimmer für den Gast kommen. Zunächst erzielte Till Plumpe, der gegen eine zu weit aufgerückte FC-Hintermannschaft freie Bahn hatte und überlegt vollendete, das 2:0 (13.). Wenig später musste Rudolstadts Keeper Eric Kuhnt mit einer blutenden Verletzung im Gesicht ausgewechselt und in ein Krankenhaus gefahren werden. Gute Besserung an den jungen Schlussmann!


Für ihn kam Max Bresemann, der gleich richtig „warm“ geschossen wurde, einige Male sehr gut parierte, aber einen straffen Schuss eines Stahnsdorfers nur abprallen lassen konnte. Plumpe war erneut zur Stelle, „staubte ab“ und es stand 3:0 (38.).

Noch vor dem Kabinengang jagte Lennard Wuster die Kugel aus halbrechter Position recht überraschend ganz trocken in die Maschen (43.). Verständlich, dass Patrick Hinze, auch schon ein langjähriger Coach der Hausherren, mit der Vorstellung seiner Elf im ersten Durchgang sehr zufrieden war. „Das war mit das Beste, vor allem im spielerischen Bereich, was wir in diesem 1. Halbjahr gesehen haben.“

Jähnisch wechselte zur Pause gleich drei Mal und hatte danach Lob für seine Neuen. Doch kurz nach Wiederbeginn drosch Tom Fron einen von der Einheit-Deckung zu kurz abgewehrten Ball aus 16 Metern unhaltbar in die Maschen (49.).

Damit ließ es der aktuelle Zweite der Oberliga Süd bewenden. Der verlor zwar nicht die Kontrolle über die Begegnung, zumal Hinze fünf Mal wechselte und am Ende kritisierte, dass seine Mannschaft nach der Pause jedoch ein paar unsaubere Abläufe gezeigt habe. Aber nun wurde die Einheit ein Stück weit gleichwertiger.

Max Bresemann erhielt dennoch einige Male Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Doch auch der Gast kam durch Tim Rühling (71.) und den kurzfristigen Neuzugang Marwan Kponton (74.) zu Chancen. Das Ehrentor blieb Rudolstadt allerdings verwehrt. So stand ein Ergebnis, das nicht nur wegen der verdienten Höhe, darin waren sich beider Trainer unabhängig voneinander nach Spielende einig, aus Thüringer Sicht viel an die Partie in Bautzen erinnerte.

Holger Jähnisch sagte dem Vereinssprecher: „Das Spiel war nach 20 Minuten eigentlich schon verloren. Wir hatten eine große Aktie beim Strafstoß und bei den Ballverlusten, wo uns die Eintracht ausgekontert hat. Das ist bei uns wiederkehrend. Und dann natürlich noch die schwere Verletzung von Torhüter Eric Kuhnt, die uns frühzeitig zu einem Wechsel zwang. Da kam an diesem Tag alles zusammen.

Da war aber ein Tor wie das andere, viel zu einfach. Wir hatten von unserer Seite immer eine große Aktie dran.
In der Halbzeitpause habe ich gesagt, dass es nur noch besser geht. Die Mannschaft soll zusammenhalten und versuchen, das dürfte nicht schwer sein, eine 2. Halbzeit zu spielen, die deutlich besser sein muss als die erste. Ich habe appelliert, dass sie etwas mutiger spielen und auch zusammenstehen sollen. Das hat die Mannschaft dann auch getan.“

Patrick Hinze (39), seit 2017 im Amt, sah die Begegnung auf dem Kunstrasen in Kleinmachnow so: „Ich habe in der Halbzeit gesagt, dass wir souverän und nicht überheblich bleiben sollen. Das haben wir dann auch so rigoros umgesetzt. Am Ende sind wir mit dem Sieg sehr zufrieden. Doch man muss den Rudolstädtern auch zugute halten, dass sie nicht aufgegeben haben.

Ich will natürlich jedes Spiel gewinnen. Wenn man das bestmöglichst schafft, ist man am Ende vielleicht ganz oben. Das sollte schon unser Anspruch sein, auf Tabellenplatz 1 zu landen. Wir wissen aber, dass das eine schwere Aufgabe wird. Die Mannschaft zeigt das aber Woche für Woche und wenn man nach 14 Spieltagen ungeschlagen ist, ist das sicher auch ein Ausrufezeichen an alle.“
Die Rudolstädter haben noch zwei Spiele, die beide zuhause stattfinden, bis zur Winterpause zu erledigen: FC Grimma (06.12., 13 Uhr) und Bischofswerdaer FV 08 (13.12.25, 13 Uhr).
Die Statistik
RSV Eintracht:
Löffler, Güllmeister (57. Koschembahr), Samson, Hellwig (57. Sommer), Wuster, Plumpe (57. Yatkiner), Kruska (57. Seeger), Fron (57. Vujic), Steinborn, Mustapha, Krüsemann
FC Einheit:
Kunth (16. Bresemann), Frackowiak, Schlegel, Heß (46. Kponton), Starke, Mohammadi (67. Barthel), Krahnert (46. Zerrenner), Smyla, Rupprecht (46. Siegel), Rühling, Schneider
Schiedsrichter: Romano Wehner, Zuschauer: 70
Torfolge: 1:0 Max Steinborn (7./FE), 2:0 Till Plumpe (13.), 3:0 Till Plumpe (38.), 4:0 Lennard Wuster (43.), 5:0 Tom Fron (49.)
Hartmut Gerlach