So sieht man beim FC Grimma das Spiel in Rudolstadt am 6. Dezember um 13 Uhr

Er ist wohl neben dem Einheit-Vereinssprecher der einzige in der Oberligalandschaft, der sich intensiv mit dem jeweiligen Gegner in dieser Spielklasse beschäftigt. Das haben wir schon oft genug geschrieben und wollen es auch diesmal sehr gern wieder tun:

Tom Rietzschel ist der Mann, der fachkundig den nächsten Kontrahenten der Grimmaer analysiert. Er lässt neben den umfangreichen Aussagen vor der Partie am Samstag um 13 Uhr auch beide Trainer zu Wort kommen.

Wir können den unterhaltsamen Beitrag nur wärmstens empfehlen. Dass er erst jetzt auf unseren Kanälen erschient, haben wir mit der vorigen Meldung erwähnt: Die Handball-Champions League „funkte“  am Donnerstagabend dazwischen. Die Fahrt nach Magdeburg hat sich nach einem tollen Spiel wieder einmal sehr gelohnt!

Das ist die Vorschau von Tom:

Oberliga-Team  ·  04.12.2025

Noch zweimal alles raushauen – Grimma fährt nach Rudolstadt

 Anstoß: 3.00 Uhr

Spielort: Städtisches Stadion, Rudolstadt

Grimma. Nach dem letztwöchigen Spielausfall gegen den VFC Plauen biegt Oberligist FC Grimma so langsam aber sicher auf die Zielgerade des Kalenderjahres 2025 ein. Zwei Meisterschaftsspiele sind binnen den nächsten sieben Tagen noch zu absolvieren – bereits am Sonntagabend ist die Hinrunde der Oberliga-Serie 2025/26 offiziell beendet.

Mit elf Punkten aus 13 Spielen verlief die erste Halbserie für die Muldestädter beim besten Willen nicht nach Wunsch – ganz im Gegenteil! Aktuell befindet sich die Mannschaft von Interimstrainer Benjamin Förster mit dem 14. Tabellenplatz auf dem ersten Abstiegsrang, so dass vor den abschließenden zwei Begegnungen händeringend Punkte benötigt werden, um das Mittelfeld der Tabelle nicht aus den Augen zu verlieren. Derzeit beträgt der Rückstand auf das rettende Ufer vier Zähler, so dass die Elf zum Abschluss der Hinrunde definitiv auf einem Abstiegsplatz verbleiben wird.

Um den Rückstand allerdings weiter verkürzen zu können, ist ein positives Ergebnis am Wochenende schon fast unumgänglich. Ein dreifacher Punktgewinn wäre daher als äußerst wichtig zu betrachten, auch wenn die Auswärtsaufgabe beim FC Einheit Rudolstadt als mehr als anspruchsvoll anzusehen ist.

Die Thüringer, die in den vergangenen Jahren ebenfalls im unteren Bereich der Tabelle angesiedelt waren, spielen bisher eine richtig gute Runde und befinden sich aktuell auf Tabellenposition fünf. Nichtsdestotrotz wissen die Muldestädter um ihre Chance und versprechen im Vorfeld einen harten Kampf.

„Wir fahren definitiv nach Rudolstadt, um etwas mitzunehmen und nach drei Meisterschafts-Niederlagen in Folge endlich den Bock umzustoßen“, so Coach Benjamin Förster. „Zweifelsohne wissen wir, dass Rudolstadt im Vergleich zu den vergangenen Jahren personell deutlich besser aufgestellt ist und zweifelsohne an Qualität im Kader dazugewonnen hat. Allerdings haben wir, trotz unserer aktuellen Phase, auch in dieser Saison bereits mehrfach bewiesen, dass wir ein unbequemer Gegner sein können. Bedauerlicherweise haben wir dies nur allzu selten bisher abgerufen. Fakt ist, dass wir dringend Punkte benötigen, wo alle unsere Spieler sich der gegenwärtigen Situation bewusst sein und alles unterordnen müssen. Daher werden wir auch in Thüringen unsere Chance suchen und versuchen die drei wichtigen Punkte zu entführen.“

Der Anstoß im Städtischen Stadion erfolgt am Samstag bereits um 13.00 Uhr.

Wenn man spontan mit dem Verein FC Einheit Rudolstadt konfrontiert wird, fällt einem sofort die Personalie Holger Jähnisch ein. Der 55-jährige Trainer führte die Thüringer bereits im Sommer 2012 als Coach in die Oberliga, auch wenn dafür in der Thüringenliga der 3. Platz ausreichte. Neben dem Staffelsieger Wacker Nordhausen verzichtete der damalige Zweitplatzierte BSV Eintracht Sondershausen auf den Aufstieg in die Oberliga – Rudolstadt rückte als Dritter nach und spielt seitdem in der Oberliga Süd.

Hauptverantwortlich dafür ist Trainer Holger Jähnisch, dem es Jahr für Jahr gelang, schlagkräftige Teams auf die Beine zu stellen, die in der Oberliga mehr als konkurrenzfähig sind. Der ehemalige Oberliga-Abwehrspieler des SV JENAer Glaswerk (von 1996 – 1999) erreichte mit dem FC Einheit seitdem immer Mittelfeldplatzierungen, wenn man die vorzeitig abgebrochene Corona-Saison 2019/20 (Rang 3) einmal ausklammert. Im Sommer 2023 nahm sich Jähnisch nach zwölf Jahren auf der Rudolstädter Trainerbank dann eine wohlverdiente Auszeit, ehe er knapp vier Monate später doch wieder zur Einheit zurückkehrte.

„Ich war nach solch einer langen Zeit in voller Verantwortung einfach leer und ausgebrannt“, gegründete Jähnisch seinen Entschluss, nach der Saison 2022/23 die Trainerbank des FC Einheit Rudolstadt zu verlassen. „Ich hatte danach endlich einmal für Zeit für Dinge, die jahrelang nicht möglich waren oder zu kurz kamen. Dies hat mir richtig gut getan.“

Allerdings war seine Auszeit nicht von allzu langer Dauer. Bereits vier Monate nach seinem Ende in Rudolstadt wurde er von den Einheit-Verantwortlichen erneut kontaktiert, da der Verein unter seinem Nachfolger Jürgen Walther die ersten zehn Begegnungen der Saison 2023/24 ergebnistechnisch nicht wunschgemäß bestritt. Jähnisch sagte spontan zu – seitdem ist er wieder auf der Rudolstädter Kommandobrücke zu finden.

„Es war eine Herzensangelegenheit, da der Verein mir sowohl als Spieler und später als Trainer sehr viel gegeben hat“, der 54-Jährige. Im Anschluss hatte Jähnisch mit dem FC Einheit zwar anderthalb schwierige Spielzeiten zu überstehen, doch konnte beide Male der Klassenerhalt nach einem wahren Kraftakt realisiert werden.

Dabei sah es in der abgelaufenen Saison über einen sehr langen Zeitraum mehr als kritisch aus – auf einem Abstiegsplatz liegend, betrug der Rückstand auf das rettende Ufer teilweise bis zu acht Zähler. Doch nach einem famosen Endspurt mit elf Punkten aus den letzten fünf Begegnungen sicherte man sich am letzten Spieltag mit einem 4:1-Erfolg in Ludwigsfelde noch den Klassenerhalt und überflügelte damit noch die punktgleiche BSG Wismut Gera aufgrund des besseren Torverhältnisses.

„Solch eine Saison möchte ich nicht noch einmal erleben – wieviel Energie und Nerven man dabei verliert, ist schon fast unmenschlich“, so Jähnisch. „Um dies zu verhindern, haben wir uns im Sommer für andere Wege auf dem Transfermarkt entschieden. Nachdem wir in den Jahren zuvor immer wieder auf junge Spieler mit einem gewissen Entwicklungspotenzial gesetzt haben, gelang es uns diesmal den einen oder anderen erfahrenen Spieler unter Vertrag zu nehmen, was für die Oberliga eminent wichtig ist.“

Dabei sind zu allererst die Personalien Manfred Starke (34) und Max Zerrenner (29) zu nennen. Der ehemalige namibische Nationalspieler Starke (7 Länderspiele, 1 Tor), der Zweitliga-Erfahrung beim F.C. Hansa Rostock vorzuweisen hat und sowohl in Rostock als auch in Jena, Kaiserslautern, Zwickau, Oldenburg und zuletzt bei 1860 München insgesamt über 260 Drittliga-Begegnungen (31 Tore) auf dem Buckel hat, ist für die Thüringer schon aufgrund seiner Routine und Erfahrung ein echter Gewinn.

Zerrenner hat in Plauen und Gera bereits in der Oberliga gespielt und hat sich nach einer anfänglichen Verletzung nun ins Team hineingespielt. Mit den jahrelangen Leistungsträgern Marco Riemer, Sven Rupprecht, Tom Krahnert, Maximilian Schlegel, Tim Rühling und Torhüter Max Bresemann führen sie die Truppe an, in welcher mit Justin Smyla, Emilio Heß oder Paul Schneider manch hoffnungsvolles Talent zu finden ist.

Summa summarum hat der FC Einheit Rudolstadt in dieser Saison deutlich an Qualität im Kader hinzugewonnen, was sich prompt in den Ergebnissen niederschlagen sollte. Aus den ersten fünf Begegnungen holte man vier Siege, so dass sich die Thüringer schnell in der Spitzengruppe festsetzen konnten. „Mit den zwei ersten Dritteln der Saison bin ich mehr als zufrieden, mit dem letzten Drittel natürlich nicht“, so das Zwischenfazit von Trainer Holger Jähnisch. Hatte der FC Einheit nach acht Spieltagen satte 16 Zähler auf der Habsenseite, kamen in den nächsten fünf Begegnungen einzig drei Punkte beim 2:0-Heimsieg über Halle 96 hinzu. „Die Gründe dafür sind verschieden“, so Coach Jähnisch. „Sicherlich muss man sagen, dass in Sachen Krankheit und Verletzungen in den letzten fünf Partien der eine oder andere Spieler nicht zur Verfügung stand, andererseits haben wir zuletzt fast ausschließlich gegen absolute Spitzenteams der Oberliga gespielt. Dass dann dabei allerdings manches Ergebnis wie in Bautzen oder Stahnsdorf so deutlich gegen uns ausfiel, ist natürlich suboptimal.“

Allerdings ist man in Rudolstadt trotz des bisher ordentlichen Zwischenfazits Realist. „Wir wissen, wo wir herkommen. Schon jetzt ist deutlich zu erkennen, dass der Abstand nach hinten viel enger ist als zur Spitzengruppe“, so Jähnisch. „Die Liga ist so dermaßen eng, jede Woche kommen überraschende Ergebnisse zustande.

Daher hat der Klassenerhalt für uns oberste Priorität. Je eher wir dieses Ziel bewerkstelligen können, umso besser. Die Oberliga ist total verrückt – ein, zwei Punkte können schon sehr viel ausmachen.“

Demzufolge ist man im Rudolstädter Lager natürlich darauf aus, die letztwöchige 0:5-Pleite in Stahnsdorf vergessen zu machen – zumal man gegen Grimma von der Papierform her Favorit ist. Doch bremst Einheit-Coach Holger Jähnisch im Vorfeld die Erwartungen. „Zweifellos liegt Grimma punktetechnisch aktuell unter dem Schnitt, doch haben die vergangenen Serien gezeigt, dass unser Gegner mit dieser Situation umgehen kann“, so der 55-Jährige. „Grimma besitzt eine erfahrene Mannschaft und ist personell auch gut aufgestellt, so dass ich mit einer Partie auf Augenhöhe rechne, wo Kleinigkeiten über den Ausgang der Begegnung entscheiden werden.“

Zwar verbinden beide Vereine bereits seit mehreren Jahren eine tiefe Freundschaft, doch werden sich beide Teams darüber im Klaren sein, dass diese über die 90 Minuten erst einmal kurz ruhen sollte. Vor allem für die Muldestädter steht am Samstag sehr viel auf dem Spiel – eine weitere Niederlage könnte die Konkurrenz im unteren Mittelfeld der Tabelle bereits leicht wegziehen lassen. Doch damit beschäftigen sich die Grimmaer in der Vorbereitung auf dieses Spiel überhaupt nicht, wohl wissend, dass man in den vergangenen Wochen gegen die Kontrahenten auf Augenhöhe viel zu wenig Punkte geholt hat.

„Klar wird es bei den seit Jahren eminent heimstarken Rudolstädtern nicht einfach, doch hat unsere Mannschaft ebenfalls Qualität vorzuweisen“, so Interimstrainer Benjamin Förster vor der Begegnung. „Allerdings müssen wir versuchen, diese halt Woche für Woche auf den Platz zu bringen. Daran hapert es, deswegen stehen wir aktuell auch dort wo wir stehen.“

Hauptproblem ist dabei in der ersten Halbserie zweifelsohne die Defensive. 32 Gegentore in 13 Begegnungen ist die Bilanz eines Absteigers – dieser Fakt ist im FC-Lager mittlerweile jedem bewusst. Demzufolge wird es auch in Rudolstadt darauf ankommen, in der letzten Reihe mit der nötigen Robustheit sowie Zweikampf-Intensität zu Werke zu gehen und dabei völlig ohne Risiko zu agieren. „In unserer Lage sollten wir uns auf einfachen Fußball konzentrieren und damit die Grundlage für ein erfolgreiches Spiel legen“, so Förster. „Wenn wir die Null halten, hätten wir zumindest schon einen Teilerfolg. Beispielsweise bei den Spitzenteams in Halberstadt und Stahnsdorf haben wir bereits bewiesen, dass wir das auch können. Eine kompakte Defensive ist Samstag umso mehr von Nöten – mit Riemer, Heß, Starke und Schlegel haben die Gastgeber schon eine geballte Torgefahr in den Reihen.“

Weiterhin wird es aus Grimmaer Sicht ebenfalls extrem wichtig sein, bei Standardsituationen des FC Einheit hellwach zu sein – die Qualitäten eines Maximilian Schlegel sind in der Oberliga allgemein bekannt. Nichtsdestotrotz wollen die Muldestädter auch ihr eigenes Offensivspiel nicht vernachlässigen. „Wir wollen Rudolstadt immer wieder vor Probleme stellen und dementsprechend auch unsere Möglichkeiten nutzen“, so der FC-Coach. Vom Kader her steht den Muldestädtern für diese Begegnung vielversprechendes Personal zur Verfügung, auch wenn das eine oder kleinere Fragezeichen aktuell noch vorhanden ist. Förster: „Doch bin ich zuversichtlich, dass sich diese von selbst lösen werden.“ Dass die Muldestädter die letzten beiden Auswärtsspiele in Rudolstadt mit 1:4 und 1:3 recht deutlich den Kürzeren zogen, sollte als zusätzliche Motivationsspitze für die Truppe dienen!

Bericht: © Tom Rietzschel

F.d.R. Hartmut Gerlach

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