Wie immer hat sich Tom Rietzschel, der Mann, der beim FC Grimma fast alles macht, sehr intensiv mit einem Oberligaspiel schon im Vorfeld beschäftigt. Das sind die Ergebnisse seiner Recherchen:
Alles oder Nichts!

Grimma. Showdown am letzten Spieltag der Oberliga Süd! Während die Frage nach dem Staffelsieger mit dem RSV Eintracht 1949 bereits seit drei Wochen geklärt ist, steht der Kampf um den Spielklassen-Verbleib über allem. Hautnah darin verwickelt ist seit Monaten der FC Grimma, dem es seit dem Winter nicht gelang, sich aus der bedrohlichen Tabellenregion zu entfernen. Bis vor zwei Wochen schien die Situation nahezu aussichtslos zu sein, betrug der Rückstand auf das rettende Ufer bei noch zwei auszutragenden Begegnungen satte fünf Zähler. Hinzu kam, dass der neutrale Betrachter aufgrund der fehlenden Leistungskonstanz und der daraus resultierenden Tabellensituation nicht davon ausgehen konnte, dass die Muldestädter ausgerechnet beim Tabellendritten, dem Regionalliga-Absteiger VFC Plauen, irgendwas Zählbares entführen könnten. Doch am Ende des Tages kam alles ganz anders. Die Grimmaer überraschten mit einem 1:0-Erfolg im Vogtland und schoben sich damit auf den ersten Nichtabstiegsplatz auf zwei Zähler heran, da Konkurrent Lok Stendal zeitgleich mit 0:2 in Sandersdorf den Kürzeren zog. Damit haben sich die Muldestädter den kleinen Rest-Strohhalm bis zum letzten Spieltag erhalten und haben mit diesem Auswärts-Coup punktemäßig erst einmal zum Tabellen-Vierzehnten Bischofswerdaer FV (1:1-Remis in Krieschow) aufgeschlossen. Selbstredend hat die Elf von Trainer Marcus Dörfer weiterhin nichts in der eigenen Hand, doch ist die Ausgangsposition im Vergleich von vor 14 Tagen eine etwas andere.
Oberste Priorität hat dabei natürlich die morgige Heimaufgabe gegen den FC Einheit Rudolstadt, welche man zwingend lösen muss, um sich weiterhin Hoffnungen auf die Klassenerhalt machen zu können. Nur unter diesem Aspekt hat man im Anschluss die Gelegenheit auf die anderen Begegnungen zu schauen, um zu erfahren, wie sich die Konkurrenz aus der Affäre gezogen hat. Die beste Ausgangsposition hat nach wie vor Aufsteiger 1. FC Lok Stendal, welcher mit 27 Punkten im heimischen Hölzchen den brandenburgischen Landespokal-Sieger VfB 1921 Krieschow empfängt. Sicher keine leichte Aufgabe, doch zwei Punkte und das bessere Torverhältnis vor den Konkurrenten Bischofswerda (Heimspiel gegen Plauen) und Grimma sind schon ein gewisser Vorteil. Daher liegt der Fokus der Dörfer-Schützlinge zunächst einzig auf einem dreifachen Punktgewinn im Heimspiel gegen die Rudolstädter, die sich vor einigen Wochen entscheidend aus der Abstiegsregion verabschieden konnten. Der Anstoß im Husaren-Sportpark erfolgt am morgigen Samstag um 14.00 Uhr.
Mit den Thüringern, seit der Saison 2012/13 in der Oberliga auf Torejagd gehend und daher so etwas wie zum Inventar der Spielklasse gehörend, pflegen die Grimmaer seit Jahren ein extrem freundschaftliches Verhältnis. Dieses wird allerdings am morgigen Nachmittag für 90 Minuten erst einmal etwas in den Hintergrund rücken. Diese guten Beziehungen lagen vor allem an der Personalie Holger Jähnisch, der mit einer kurzen Unterbrechung von fünf Monaten (Juli bis November 2023) fast 15 Jahre auf der sportlichen Kommandobrücke der Rudolstädter zu finden war. Doch Anfang April dieses Jahres trat der ehemalige Oberliga-Kicker des SV JENAer Glaswerk nach einer Ergebniskrise von seinem Traineramt zurück, um der Mannschaft vor den entscheidenden Monaten April und Mai noch einmal einen neuen Impuls zu ermöglichen.
Nachfolger wurde sein bisheriger Co-Trainer Hendrik Faik, die Rudolstädter „Lebensversicherung“ Marco Riemer fungiert fortan als spielender Co-Trainer. Dabei holten die Thüringer unter dem neuen Trainer-Team aus sechs Spielen insgesamt neun Zähler, so dass man sich mit Siegen gegen Bautzen (4:0) und Halberstadt (1:0) sowie den Punkteteilungen gegen die Spitzenteams Freital (3:3 nach 0:2-Rückstand), Auerbach und Stahnsdorf (jeweils 1:1) endgültig ins gesicherte Mittelfeld verabschieden konnte. Einzig in Halle (1:4) zog die Mannschaft unter dem neuen Trainer-Team den Kürzeren, was insgesamt verdeutlicht, dass genügend Qualität innerhalb des Kaders vorhanden ist.
Dieser besticht mit einer guten Mischung aus routinierten Akteuren und „heurigen Hasen“. Der angesprochene Marco Riemer führt mit Maximilian Schlegel, dem ehemaligen Zweitliga-Akteur Manfred Starke, Defensiv-Allrounder Tom Krahnert sowie Torhüter-Persönlichkeit Max Bresemann die Truppe an, viele junge Kicker folgen den Führungsspielern bedingungslos. Hinzu kommt, dass den Rudolstädtern seit Jahren entgegenkommt, vom Talente-Reservoir des FC Carl Zeiss Jena zu profitieren. Seit dem Rückzug der FCC-Reserve im Sommer 2022 wurden einige Kicker nach Rudolstadt abgegeben, um diesen in Oberliga-Gefilden Wettkampf-Praxis auf hohem Niveau zu ermöglichen. Summa summarum geht es für die Thüringer am morgigen Tag sicherlich um sportlich gar nichts mehr, doch werden die Grün-Gelben mit Sicherheit alles dafür tun, ihre Ungeschlagenen-Serie von drei Spielen fortzusetzen und ihre Saison erfolgreich abzuschließen.
Im Grimmaer Lager ist man sich natürlich über den Sachverhalt im Klaren, dass es morgen um alles gehen wird. Eigentlich ist es schon höchst erstaunlich, dass eine Mannschaft mit insgesamt 72 Gegentoren am letzten Spieltag immer noch um den Klassenerhalt kämpfen kann. Dabei stand der Elf von Trainer Marcus Dörfer in den letzten Wochen mehrfach das Wasser bis zum Hals, doch aufgrund der Ergebnisse der Konkurrenz gelang es den Grimmaern immer wieder, sich am Rettungsanker festzukrallen. Leider schafften es die Muldestädtern jedoch nicht, vollends davon Profit zu erzielen. Nach Erfolgen gegen Heiligenstadt, Stendal und Wernigerode hatten die Grimmaer das rettende Ufer jeweils in Sichtweite, doch verfiel man in den anschließenden Spielen wieder in den alten Trott. Mit dem letzten Erfolg in Plauen hat man nun allerdings den Kontakt zur Konkurrenz hergestellt, wohl wissend, dass man es weiterhin nicht in den eigenen Händen hat.
Allerdings hat man im Fußball schon allerhand kuriose Geschichten erlebt. An diesen Fakt werden sich die Dörfer-Schützlinge auch morgen Nachmittag klammern und erst einmal mit aller Macht versuchen, ihre Heimaufgabe gegen Rudolstadt zu lösen. Was dann auf den anderen Plätzen geschieht, steht auf einem völlig anderen Blatt Papier, welches erst nach dem Abpfiff aus der Schublade gezogen wird. Dementsprechend haben sich die Muldestädter in einer fokussierten Trainingswoche sehr ordentlich auf Rudolstadt vorbereitet, zumal faktisch alle Spieler zur Verfügung stehen werden.
Demzufolge stehen einige Optionen zur Verfügung, um das Ziel Heimsieg am Ende des Tages verwirklichen zu können. Ob dieser am Ende für den Klassenerhalt reicht, wird man nach den 90 Minuten sehen. Wenn dieser jedoch auch über den Umweg Relegation zu erreichen ist, wird man diese im Lager der Muldestädter gern mitnehmen. Sollte die Mannschaft um einen Rang auf Tabellenplatz 14 klettern, wird man gegen den Drittletzten der Nordstaffel zwei Entscheidungsspiele um den Klassenverbleib austragen. Der Sieger dieser Relegation würde dann in der Oberliga verbleiben, sollte der 1. FC Lokomotive Leipzig den Aufstieg in die 3. Liga bewerkstelligen können. Doch dies alles ist Zukunftsmusik – mit mehr als dem morgigen Spiel sollte sich die Elf überhaupt nicht beschäftigen. Dieses gilt es zwingend siegreich zu gestalten, alles andere wird man nach dem Abpfiff sehen…
Bericht: © Tom Rietzschel