Verschossener Elfer und ein Beinahe-Eigentor waren wohl Knackpunkte
Bei der traditionellen Pressekonferenz nach dem Oberligaauftakt zwischen dem VFC Plauen und dem FC Einheit hatte Sven Köhler, der nach acht Jahren zum nicht weit entfernten Ligakonkurrenten Plauen wechselte, fast Mitleid mit den Gästen: „Jeder weiß, dass Spiele im Fußball dann auch anders verlaufen können.“

Dabei spielte der erfahrene Coach auf die Situation an, die zum Strafstoß für die Thüringer führte. Nima Amiri, einer von den drei Neuen in der Startformation, war im Strafraum gefoult worden. Der sehr gute Berliner Schiri zeigte sofort auf den Punkt. Maximilian Schlegel, der Spezialist bei den Rudolstädtern für solche Gelegenheiten, trat wie gewohnt an, doch nach vielen Erfolgen vom Punkt kratzte der junge Simon Schulze das Leder diesmal aus dem Eck (19.).

Und nur zwei Minuten nach dem vergebenen Elfer führte ein kapitaler „Bock“ der Einheit zur Führung für die Hausherren. Paul Kämpfer, ein Mann, der im Nachwuchs des Chemnitzer FC, und des RWE Erfurt ausgebildet wurde, und danach in Auerbach und Erfurt gespielt hatte, ließ sich, völlig frei auf Torhüter Eric Kunth zulaufend, die Chance zum Treffer nicht entgehen (21.).

Das war gleichzeitig der Schlusspunkt unter eine, wie Trainer Hendrik Faik sagte, sehr gute Anfangsphase der Einheit. Dabei erinnerte er an den Angriff nach einer Viertelstunde, der an der Latte endete. Doch auch der VFC hatte seine Möglichkeit in der Anfangsphase, als ein Rudolstädter auf der Linie rettete (9.).

Nach dem 1:0 war die Platzelf immer mehr am Drücker und Matheus de Moura Beal, ein 27-Jähriger mit brasilianischem und italienischem Pass, der bereits Erfahrungen in Marburg, Gießen, Fulda und Stadtallendorf sammeln konnte, war zur Stelle, als der Kanadier Hugh Graham (20) das Leder eroberte, jedoch nur den Pfosten traf, und netzte ein (30.). Auch hier gab es zuvor eine Balleroberung im Mittelfeld, nachdem Rudolstadt das Leder etwas leichtfertig herschenkte.

Doch der Gast gab sich nicht geschlagen und schaffte durch Emilio Heß, der einen feinen Spielzug erfolgreich abschloss, den Anschluss (34.). Aber die Köhler-Elf ging doch mit einem Zwei-Tore-Vorsprung in die Kabine, denn Eric Träger, ein 28-Jähriger mit Stationen bei RB Leipzig, Dynamo Dresden, Neugersdorf und Auerbach köpfte ein, als Graham eine Flanke nach innen brachte (41.). Mit zwei weiteren Chancen für die Gastgeber (43./hier hielt Kunth stark; 45.+3) endete der erste Spielabschnitt.

Nach dem Wechsel wollte Plauen die Entscheidung erzwingen. Sven Köhler trauerte den vergebenen Gelegenheiten ein Stück weit nach: „Aus meiner Sicht haben wir es in den ersten 20 Minuten versäumt, aus den vier, fünf richtig guten Konterchancen (50., 52./Latte, 53.) noch das entscheidende vierte Tor zu machen. Das hätte dazu geführt, dass das Spiel schon früher durch ist.“

Doch das gelang nicht und so blieb der FC Einheit im Spiel. Aber außer einem Schuss von Marwan Kponton, der an den Pfosten trudelte (75.,) gelang, trotz aller Bemühungen der Gäste, nichts Aufregendes mehr im Strafraum der VFC-Akteure.

Faik wechselte noch vier Mal – darunter waren gleich drei Zugänge – aber es blieb beim verdienten Erfolg der Spitzenstädter, die wohl auch in dieser Saiosn zu den Teams gehören, die man ganz vorn erwartet.

Sven Köhler schätzte das Match so ein: „Ich freue mich natürlich, dass wir das erste Heimspiel gemeinsam erlebt haben und am Ende auch gewonnen haben. Alles in allem bin ich froh, auch für die Jungs, die in der Vorbereitung gut gearbeitet haben. dass sie sich mit dem ersten Heimspiel, in dem immer etwas Druck ist, mit dem Sieg belohnt haben.“

Henrik Faik urteilte so: „Ich hatte das Gefühl, dass sich Plauen im Vorfeld etwas kleiner gemacht hat, als die Mannschaft wirklich ist. Man darf nicht vergessen, dass der VFC jedes Jahr zur Spitzengruppe gehört. Wir wussten trotzdem, dass hier etwas möglich ist. Und das ist mein einziger Vorwurf an die Truppe. Wenn man hier Punkte holen will, und das wollten wir, dann muss man das Spiel in der 2. Halbzeit noch einmal anzünden. Da muss man ehrlich sein, das haben wir heute nicht geschafft.“

Nächster Gegner für den FC Einheit im 15. Oberligajahr ist am Sonntag, dem 16. August, im Heimspiel um 14 Uhr der FSV Budissa Bautzen.

Die Statistik:
VFC
Schulze, Kunstmann, Tavares, Träger, Limmer, Martynets, De Moura (90.+1 Lemba), Plank, Graham (90.+1 Krantz), Glaser (61. Hussain), Kämpfer (79. St. Louis)
FC Einheit:
Kunth, Chentoufi, Schlegel, Heß (70. Steinhäuser), Kponton, Riemer, Krahnert, Amiri (46. Prokopp), Rupprecht (70. Weigand), Rühling (86. Jovic), Wachs
Schiedsrichter: Ahmad Chahrour, Zuschauer: 400
Torfolge: 1:0 Paul Kämpfer (21.), 2:0 Matheus de Moura Beal (30.), 2:1 Emilio Heß (34.), 3:1 Eric Träger (41.)
Hartmut Gerlach