08.10.2017  07:40 Uhr  Alter: 64 Tage
Von: Hartmut Gerlach

Der ausführliche BFC Einheit Rudolstadt - ZFC Meuselwitz 1:4 n. E. (0:0)ericht:

Bitteres Aus der Rudolstädter nach tollem Pokalfight

Mit einem nach den Worten von Einheit-Coach Holger Jähnisch „tollem Pokalfight“ knüpfte der Oberligist in diesem Spiel gegen die Regionalligavertretung aus Meuselwitz an die großen Auftritte gegen den FC Carl Zeiss Jena und den FC Rot-Weiß Erfurt in diesem Wettbewerb an. Aber so wie im Elfmeterschießen gegen Erfurt am 18.05.2016 zogen die Rudolstädter nach 120 torlosen Minuten vom Punkt auch diesmal den Kürzeren. Der FC-Trainer wollte allerdings nicht der landläufigen Meinung, nach der Elfmeterschießen Glückssache sei, folgen. „Die Frage ist dabei, wie konzentriert und druckresistent ist man in einer solchen Situation. Das kann man schlecht im Training simulieren“, sagte er.

Dabei sahen nicht nur die begeisterten Zuschauer eine Partie, die schon in 90 oder spätestens 120 Minuten von einer der beiden Mannschaften hätte entschieden sein können. Die Gastgeber begannen zwar mutig. Aber man wollte Meuselwitz die Spieleröffnung überlassen, um dann kompakt zu stehen und in die Räume hinein zu stoßen, die man zwangsläufig bekomme, weil der Kontrahent das aus der Regionalliga nicht so gewohnt sei, ließ Jähnisch hinterher in seine taktische Marschorder blicken. So gab es erstmals Unruhe im ZFC-Strafraum, als Benjamin Bahner köpfte (4.). Kurz darauf verzog Janik Mäder, noch einer der Auffälligsten im Meuselwitzer Trikot, ganz knapp (7.).

 

Dann lag der Ball zwar in der Box vom Zipsendorfer Schlussmann Tom Pachulski, aber der Schütze Nico Becker stand, so sah es jedenfalls der Assistent, im Abseits. Mittlerweile haben Standbilder, die von Holger Jähnisch und seinem Co-Trainer Thomas Rothe aus dem MDR-Filmbericht gemacht wurden,, gezeigt, dass Patrick Hoffmann mit seiner Fahne da wohl falsch lag.

Danach wurde es auf der Gegenseite turbulent bei drei Eckbällen für den Regionalligisten und der Großchance von Pierre le Beau, der aber freistehend über das Gebälk köpfte (13.). Nun begann die Phase, in der sich die Mannschaft von Heiko Weber etwas stärker in Szene setzte. Beim Sturmlauf von Renè Weinert lag das 1:0 in der Luft (21.) Aber seine Eingabe konnte von der Einheit-Deckung gerade noch geklärt werden. Und wenig später wurde es noch einmal gefährlich, als der Gast gleich zwei Mal hätte einnetzen können (26.).

Doch diese Drangperiode der Zipsendorfer fand keine Fortsetzung. Sehr zum Leidwesen von Weber, der monierte, dass sein Team nicht in der Lage war, eine längere Druckphase aufzubauen. So übernahmen wieder die Hausherren, die auch das verletzungsbedingte Ausscheiden von Tom Eichberger wegstecken (27.), das Zepter. Zunächst setzte Bahner einen Kopfball am Kasten vorbei (34.). Dann traf Arne Reetz mit einem Direktschuss im Anschluss an einen Eckball aus 17 Metern nur den Pfosten (45.).

Der zweite Durchgang begann mit einem „Riesen“ von Bahner und einem Nachschuss des eingewechselten Sven Ruprecht, der noch abgeblockt wurde (46.). Danach war der ZFC wieder am Zuge (48.). Aber diese Gelegenheit wurde ebenso vertan wie die von Bahner (53.) und von Markus Güttich (60.). Wenig später hatte Francesco Lubsch seinen großen Auftritt, als er zum Solo ansetzte, aber aus elf Metern im hervorragend reagierenden Max Bresemann, der Sekunden später gleich noch einmal fantastisch hielt, seinen Meister fand (67.). Zehn Minuten darauf segelte Lubsch nur ganz knapp an einer Flanke vorbei (77.).

Die nächsten Chancen gehörten den Einheimischen durch den Kopfball des freistehenden Bahner (84.) und dem 16-Meter-Schuss des eingewechselten Marco Riemer, der nur um Zentimeter das ZFC-Tor verfehlte (84.).

Kurz vor Schluss schien der Favorit am Ziel seiner Wünsche zu sein, denn Regionalliga-Schiedsrichter Eugen Ostrin, der mit seinen Pfiffen nicht immer den Nerv des Rudolstädter Publikums traf, zeigte auf den Elfmeterpunkt. In einer Situation, die höchst unterschiedlich bewertet wurde - „berechtigt“ (O-Ton H. Weber), „ein Witz“ (O-Ton H. Jähnisch) „ein Geschenk“ (O-Ton MDR-Reporter Christian Müller) - und die auch die Fernsehbilder nicht vollständig auflösen konnten, hatte der Eisenacher Unparteiische gute Sicht auf das Geschehen und war sich auch hinterher sicher, beim Zweikampf von George Seturidze gegen den gerade aufs Feld gekommenen David Urban völlig richtig entschieden zu haben. Doch Andy Trübenbach scheiterte mit dem Strafstoß an Bresemann. Der sei auch nur mit drei Kilometer pro Stunde geschossen worden, war Heiko Weber angefressen über das Auslassen dieser Möglichkeit (88.)

Damit ging es in die Verlängerung, in der Meuselwitz kaum noch zu klaren Aktionen kam, die Grün-Gelben jedoch bei der Kopfballchance von Bahner (104.), aber vor allem bei der Möglichkeit von Riemer, bei der das Leder von Denny Krahl auf der Linie geklärt wurde (115.), das Weiterkommen vergaben.

So kam es zum Elfmeterschießen, das nach den vergebenen Strafstößen von George Seturidze (gehalten) und Jakob Schneider (Lattenunterkante) schon früh entschieden war. Riemer traf zwar auch, aber die Meuselwitzer zeigten keine Schwäche und netzten vier Mal ein.

„Das war heute ein Spiel auf Augenhöhe. Die Mannschaft ist an ihre Grenze gegangen und darüber hinaus. Es war gut zu sehen, wie die Jungs sich angefeuert und gepuscht haben“, fand Holger Jähnisch mit Ausnahme der vergebenen Elfer kein „Haar in der Suppe“. Anders sein Gegenüber: „Ich hatte nach den anstrengenden zwei Stunden dem Einheit-Trainer vor dem Elfmeterschießen gesagt, dass es heute nur einen Sieger geben kann - das muss Rudolstadt sein. Denn wir waren heute als Mannschaft arrogant und haben ohne Tempo gespielt. Rudolstadt hat alles reingeworfen und Großchancen gehabt“, resümierte Heiko Weber, wohl wissend, dass schon am Montag niemand mehr frage, wie der ZFC Meuselwitz in das Viertelfinale gekommen sei.

Die Statistik:

FC Einheit:

Bresemann, Seturidze, Derbich, Reetz, Güttich, Eichberger (27. Rupprecht), Schirrmeister (103. Möhrlein), Becker, Thönnessen (66. Riemer), Schneider, Bahner

ZFC:

Pachulski, Lubsch, Mäder, Weinert (87. Urban), Trübenbach, Haag (56. Bürger), Albert, Horoszkiewicz, le Beau, Stenzel, Krah

Schiedsrichter: Eugen Ostrin (Eisenach), Zuschauer: 241

Elfmeterschießen: Marco Riemer trifft für Rudolstadt; Fabian Stenzel, Sebastian Albert, Janik Mäder und Francesco Lubsch verwandeln für Meuselwitz

 Fotos: Grit Fleischer