26.08.2019  18:53 Uhr  Alter: 101 Tage
Von: Textauswahl: Hartmut Gerlach

Presseschau zum Oberligaspiel FSV Martinroda - FC Einheit (1:3)

Ralf Brückner und René Röder berichten in „Freies Wort“ (FW) und in der „Thüringer Allgemeine“ (TA)

Wir haben uns auch in den Zeitungen umgeschaut, die über das Oberligaspiel vom Sonntag zwischen dem FSV Martinroda und unserem FC Einheit aus der Sicht des Gastgebers berichtet haben. Dazu fanden wir Beiträge von Brückner in „Freies Wort (Lokalteil Ilmenau) und von Renè Röder in der „Thüringer Allgemeine“ (Lokalteil Ilmenau). Für die Fotos danken wir Renè Röder.

Ralf Brückner in „Freies Wort“

Das Chancenprotokoll

2. Minute: Sensationeller Steilpass von Griebel auf Suliman, der daraufhin im Strafraum gefoult wird und dort länger behandelt werden muss. Hertel scheitert mit dem berechtigt gegebenen Strafstoß an Torwart Marczuk.

6. Minute: Nach Rechtsflanke von Pusch kommt Andris nicht richtig hinter den Ball.

11. Minute: Tempovorstoß von Zarschler auf halbrechts und strammer Schuss aufs kurze Eck. Konjevic ist zur Stelle.

18. Minute: Fernando spielt diagonal auf rechts, Pusch kommt nur knapp zu spät.

25. Minute: Herrlicher Doppelpass zwischen Schirrmeister und Riemer, aber der Abschluss geht weit übers Tor.

30. Minute: Gleich zwei gefährliche Martinrodaer Kopfbälle nach Eckstößen.

34. Minute: Größte Chance bis dahin: Serweta scheitert nach Linkseingabe von Krahnert mit dem Abschluss, weil Konjevic sich noch in die Schussbahn werfen kann.

37. Minute: Heber von Hertel auf T. Müller am langen Pfosten, doch der schließt weit übers Tor ab.

46. Minute, 0:1: Safradin springt der Ball beim Versuch, ihn im Strafraum zu kontrollieren, unglücklich an der Oberarm. Der Assistent winkt und der Referee gibt Handstrafstoß; Riemer vollendet sicher.

49. Minute: Fernando lässt eine Linkseingabe von Suliman im Strafraum passieren, Pusch kommt zum Abschluss, aber Marczuk hält.

53. Minute: Marczuk hält einen Abschluss von Hertel nach Vorarbeit von Pusch.

57. Minute, 1:1: „Tödlicher“ Steilpass von T. Müller auf Suliman, der ist frei durch und verlädt auch den Torwart.

60. Minute, 1:2: Konjevic kommt raus, um am rechten Torraumeck den Ball aufzunehmen. Doch Serwata ist zur Stelle und es kommt zur Kollision. Der Schiedsrichter sieht ein Foul des Torwarts und gibt Strafstoß. Konjevic wird getroffen, muss lange behandelt und ausgewechselt werden. Der eingewechselte Gössinger wird beim Strafstoß von Riemer in die falsche Ecke geschickt.

72. Minute: Direktablage von Hertel zu Suliman, der aber nicht optimal zum Abschluss kommt.

84. Minute: Gössinger hält einen Schuss von Schlegel von der Strafraumgrenze.

88. Minute: Die größte Chance zum 2:2: Kopfball-Bogenlampe von Hertel nach Freistoß, exakt Richtung langes oberes Eck. Aber Marczuk bringt noch die Finger an den Ball und lenkt ihn über die Latte.

90.+3 Minute: Nach einem Pressschlag von Six bleibt der Ball beim Gegner. Der hat dadurch plötzlich 3:1-Überzahl. Serwata vollstreckt.

Sieben Minuten Hoffnung

Der FSV Martinroda verliert sein drittes Oberliga-Spiel, dabei womöglich einen Torwart – und weiteres Vertrauen ins das Können der NOFV-Referees.

Der Ärger beim Aufsteiger war groß nach einer Partie, in der so ziemlich alles schiefging, was schiefgehen konnte: Verschossener Elfmeter in der Anfangsphase, weitere vergebene Chancen bis zur Pause, ein äußerst unglücklicher Handstrafstoß zum 0:1 kurz nach Wiederanpfiff, übrigens vom Assistenten „hineingewunken“ (was sonst eigentlich unüblich ist). Matteo Safradin war nach der Partie untröstlich: „Es passiert so unglücklich. Mein erster Handstrafstoß ...“

Dann der grandiose Ausgleichstreffer, als T. Müller ein sagenhafter Steilpass auf Suliman gelang und dieser den Ball am Torwart vorbei ins lange Eck bugsierte. Doch die Hoffnung währte nur sieben Minuten, dann folgte jener fatale Zusammenprall von FSV-Torwart Konjevic und Rudolstadts Angreifer Serweta, nach dem der Schiedsrichter auf Foulstrafstoß entschied. Diese Szene regte die Anhängerschaft der Martinrodaer mächtig auf, denn es war keineswegs eindeutig einsehbar, ob nun der Torwart erst am Ball war oder der Stürmer. Der jedenfalls traf dabei Konjevic so heftig an der Schulter, dass dieser nach längerer Behandlung ausgewechselt werden musste, und die erste Diagnose hörte sich nicht unbedingt gut an. Auch deshalb kritisierte Martinrodas Trainer Robert Fischer hinterher: „Ich denke, in so einer Situation kann man auch für den Schutz des Torwarts entscheiden.“

Aber der Schiedsrichter aus dem Harz hatte auch sonst wohl nur wenig Lust, zugunsten von Martinroda zu entscheiden – womit er es seinem Kollegen, der zuvor das Spiel bei Jena II geleitet hatte, gleichtat. Es folgten nämlich noch gleich zwei elfmeterreife Situationen auf der Gegenseite: Suliman wurde bei einem Solo in den Strafraum vom Gegenspieler umgestoßen – der Pfiff blieb aus. Und dann wurde R. Müller bei einem Strafraumgedränge nach Eckstoß am Knie getroffen und blieb liegen: „Klarer Strafstoß“, schilderte der Spieler hinterher die Situation. „Der Ball liegt vor mir – wenn ich nicht getroffen werde, kann ich ihn einlochen.“ Der Pfiff blieb wieder aus, auch weil der Schiedsrichter hier zu weit weg stand und offenbar keinen Durchblick auf diese Szene hatte.

Naja, so was kann passieren, ist dann halt Pech. Aber unverständlich blieb, wie schon in Jena, die Zweikampfbewertung. Man merkte den Spielern des Aufsteigers deutlich an, dass sie mit der Regelauslegung, die in der Oberliga auf diesem Gebiet praktiziert wird, offensichtlich noch nicht zurechtkommen – ganz anders als ihre Gegenspieler, welche die Toleranzgrenze des Referees voll ausschöpften und mitunter auch darüber hinaus gingen. Aber es gibt sicher genug Leute, die so was dann als „Abgeklärtheit“ einstufen ...

Den Martinrodaern bleibt nur, die Zähne zusammenzubeißen und weiterzuarbeiten. Trainer Robert Fischer war mit der Leistung seiner Schützlinge auch nicht unzufrieden. „Wir waren vom Anfang an im Spiel, haben uns viele Chancen erarbeitet und nur zwei Elfmetertore zugelassen. Wir hätten eben unsere Möglichkeiten besser nutzen müssen.“ In dieser Hinsicht blieb das Unglück den Gastgebern bis zum Schluss treu: Hertels Kopfball-Bogenlampe in der 88. Minute hätte genauer gar nicht kommen können. Aber dass ein Torwart das trotzdem pariert passiert einem auch nur in der Oberliga ...

Ja, wenn man so einen Torwart hat …

Als sich am Ende der Rauch etwas verzogen hatte und man sich, bei aller Schiedsrichter-Schelte, auch mit anderen Aspekten dieser Partie beschäftigte, so musste man zugeben, dass der entscheidende Mann im Tor des Gegners stand. Adam Marczuk war der Rudolstädter Unterschiedspieler dieses Tages.

Seine Elfmeter-Parade war grandios: „Ich schieße meine Strafstöße immer so, aber es hätte diesmal eben etwas höher sein müssen“, musste Schütze Benni Hertel hinterher zugeben. Der Keeper hatte sich zunächst für die rechte Ecke entschieden, riss im Fliegen noch die Beine hoch und wehrte so den Ball ab. Der 23-Jährige ließ in der zweiten Halbzeit noch zwei, drei weitere Glanztaten folgen, bei denen er jeweils extrem schnell „unten“ war. Seine Parade gegen Hertels Kopfball aber war dann einfach nur noch atemberaubend.

In dieser Szene kulminierte einiges: Einerseits das hier fast noch belohnte Bemühen des FSV-Torjägers, gegen die sicheren Rudolstädter Innenverteidiger doch noch was zu reißen. Andererseits zeigte sich konkret, was Einheit-Trainer Holger Jähnisch vor dem Spiel mit dem Satz gemeint hatte: „Man muss in der Oberliga an seinen Aufgaben wachsen.“ Einen solchen Torwart zu verpflichten gehört eben auch dazu! „Er hat in Polen in der dritten Liga gespielt und sich bei uns quasi angeboten“, so die Klubverantwortlichen. „Er kann deutsch, ist ein intelligenter Bursche und wir haben ihn für mehr als tauglich für uns befunden.“

Die Schlüsselszene

Der parierte Elfmeter, das wusste der Gästetrainer genau, war die Schlüsselszene der Partie. Denn seine Jungs waren nicht optimal gestartet und ein Rückstand hätte diesen Zustand sicher erst mal zementiert. Stattdessen setzte sich der größere Druck über die Außenpositionen, den Rudolstadt zunächst entwickeln konnte, langsam durch. In der zweiten Halbzeit fand dann aber Serdar Suliman auf seiner linken Seite immer besser die passenden Antworten. Schade, dass ihm ein zweiter Treffer verwehrt blieb – er und seine Mannschaft hätten es verdient gehabt.

Renè Röder in der „Thüringer Allgemeine“

Elfmeter-Ärger und ein überragender

Gäste-Keeper verhindern ersten Punkt

Von René Röder

Martinroda. Irgendwie bitter!

Trotz einer tollen Leistung verlor

der Oberliga-Aufsteiger FSV

Martinroda gestern auch gegen

Einheit Rudolstadt. Mit 1:3 aber

viel zu hoch. Ein verschossener

Elfmeter von Hertel und ein

doch sehr umstrittener zweiter

Elfer für die Gäste durchkreuzte

die durchaus berechtigte Hoffnung

auf wenigstens einen ersten

Punkt. FSV-Stürmer Marc Andris:

„Wir haben uns weiter steigern

können und daraus sollten

nun Motivation schöpfen. Wir

waren nicht schlechter, hatten etwas

Pech und Rudolstadt einen

richtig starken Torwart“, so der

frühere Zeiss-Profi.

In diesem Spiel vor immerhin

306 zahlenden Besuchern, das

zudem kurzfristig vom NOFV

probeweise als eine Art „Risiko-

Spiel“ eingestuft wurde, um nötige

Abläufe einmal auszutesten,

hatten sich die Martinrodaer

enorm viel vorgenommen. Das

war zu spüren, in jeder Ecke auf

dem Platz. Schon nach drei Minuten

drang Suliman links in den

Strafraum ein, Schirrmeister

foulte ihn klar und Hertel schritt

zum Elfmeterpunkt. Doch der

überragende Torhüter Marczuk

meisterte den zentral getretenen

Ball – es blieb 0:0. Schon zwei

Minuten später scheiterte Hertel

erneut am Einheit-Keeper (5.),

Martinroda blieb überlegen. Allerdings

musste sich dann auch

FSV-Torhüter Konjevic einmal

gegen Serweta ganz lang machen

(32.) und gegenüber vergab T.

Müller noch eine gute Gelegenheit

zur Martinrodaer Führung

(37.).

Aus der Kabine kam Rudolstadt

energischer und als Safradin

im Strafraum den Ball an die

Hand bekam, verwandelte Riemer

den fälligen Elfmeter trocken

rechts halbhoch zum 0:1

(46.). Fast postwendend scheiterte

Hertel aus der Drehung nach

Kombination über Suliman und

Fernando erneut am Rudolstädter

Torsteher (49.). Drei Minuten

später fand Hertel gleich noch

einmal in Marczuk seinen Bezwinger

(52.) .

Dann endlich der Ausgleich:

Schneller Gegenstoß: T. Müller

spielte ganz stark in den Lauf Sulimans,

der aus sieben Metern ins

lange Eck schlenzte – 1:1 (57.).

Viel Aufregung gab es um die

neuerliche Rudolstädter Führung.

Rupprecht ging im Torraum

in die Parade von Konjevic,

stieß ihn dabei selbst fallend so

heftig um, dass der Martinrodaer

mit einer Schulterverletzung sogar

ins Krankenhaus gefahren

werden musste. Statt Stürmerfoul

gab es Elfmeter für die Gäste,

den Riemer erneut rechts halbhoch

gegen den nun ins Tor gegangenen

Gössinger verwandelte

– 1:2 (64.). Dann scheiterte Suliman

wieder an Marczuk (66.)

und auch ein Schienbeintritt des

Einheit-Hünen Kaiser gegen R.

Müller wurde nicht mit Strafstoß

geahndet (78.). Hertel bezwang

mit einem Heber dann den Rudolstädter

Keeper doch einmal,

der Ball sprang aber auf das rechte

Lattenkreuz (84.). Es folgte ein

in wildes Gebrüll mündendes

Handspiel im Rudolstädter Strafraum

– auch da kein Pfiff (87.).

Und in der dritten Nachspielminute

machte im Konter Serweta

mit dem 1:3 alles klar.

„Bitter so zu verlieren, aber wir

lassen uns jetzt nicht unterkriegen.

Wir waren erneut so nahe an

einem Punktgewinn. Es muss

doch einfach bald klappen“,

hofft auch Toby Müller.

Textauswahl. Hartmut Gerlach