FC Einheit Wernigerode – FC Einheit Rudolstadt 3:3 (0:2)

Rudolstädter nach wildem Spiel endgültig durch

Als der Unparteiische aus Sachsen das Oberligaspiel zwischen den beiden Einheit-Mannschaften am Pfingstmontag nach einer dreiminütigen Nachspielzeit abpfiff, geriet der Umstand, dass beide Teams mit dem Ergebnis ihre Ziel erreicht hatten, fast in den Hintergrund. Der Gastgeber, wollte, so Trainer Frank Rosenthal, dessen Vertrag nach eigener Aussage durch den Verein nicht verlängert wurde, weil dieser sich höhere Ziele stellt, 40 Punkte erreichen. Nun habe man 41 und man müsse sehen, was noch in den beiden letzten Spielen möglich sei, blickte der scheidende Übungsleiter voraus.

Kollege Hogler Jähnisch hatte mit seinem Team durch den einen Punkt den Klassenverbleib auch rechnerisch sicher gemacht. Doch beide Trainer und nicht wenige Zuschauer und Offizielle bewegte der Verlauf einer Partie, in der es nach Meinung von Rosenthal eigentlich um nichts mehr ging. „Das war für ein Fußballspiel eigentlich zu wild. Es gab zu viel Hektik und zu wenig Fußball. Es war einfach so, dass da zuviel Reibereien für nichts waren“, sagte der Coach der Hausherren. Jähnisch wurde noch etwas deutlicher. „Ich habe so ein zerrupftes, zerpflücktes, megaaggressives, teilweise unsauberes Spiel von allen Seiten – von Mannschaft, Trainerbänken, Schiedsrichter, Zuschauern – noch nie gesehen. Das hatte über weite Strecken nichts mit einem vernünftigen Fußballspiel zu tun. Da waren einfach nur Emotionen und hinten heraus Hass pur.“

Die Thüringer begannen die Begegnung mit Druck, hatten nach fünf Minuten ihre erste Ecke und nach neun eine Eingabe durch Markus Baumann, die Wernigerode zum zweiten Eckball klärte. Die nächste Szene sorgte für große Aufregung, vor allem bei den diesmal ganz in Schwarz aufgelaufenen Rudolstädtern. Bei einem rustikalen Zweikampf an der Seitenlinie traf Mike Hess zwar den Ball, aber, so der verletzt ausscheidende Florian Giebel, zuerst seinen Fuß. Der Referee pfiff nicht, Giebel musste mit dickem Knöchel raus und der Unmut der Gäste, die sich benachteiligt fühlten, war nicht zu übersehen.

Die Angriffsbemühungen von Rudolstadt wurden nach 16 Minuten belohnt. Nach einem Foul am eingewechselten Nils Halbauer gab es Strafstoß, den Maximilian Schlegel mit platziertem Schuss versenkte (16.). Bis zur Pause blieben die Heidecksburgstädter die spielbestimmende Mannschaft. Sie kamen durch Niclas Fiedler (26., 32.), Markus Baumann (32.,) und Tom Krahnert (42.) zu guten Chancen. Hier war mehrfach das zweite Tor möglich. Das fiel dann kurz vor dem Wechsel durch den frei gespielten Fiedler, der überlegt einnetzte (44.).

Auch die zweite Halbzeit begann für die Einheit aus Thüringen verheißungsvoll, als der Schuss von George Seturidze nach einen Konter den Kasten von Ondrej Cap, der vor der Pause zwei Mal stark gehalten hatte, nur um Haaresbreite verfehlte (49.). Doch dann brachten die Gäste die Platzelf wieder ins Spiel. Nach einer zu schwachen Kopfballrückgabe eines Verteidigers musste Stefan Schmidt Kopf und Kragen riskieren, traf jedoch nur den Gegenspieler, sah die Gelbe Karte und gegen die Rudolstädter gab es Elfmeter: „Berechtigt“, befand Torwarttrainer Tim Ackermann.

Nun bekam Wernigerode die  so genannten „zweite Luft“. Zunächst boxte Schmidt das Leder mit einer sensationellen Abwehrtat aus dem Eck, aber bei der nachfolgenden, vom Elfmeterschützen Kevin Hildach sehr gut nach innen gebrachten Ecke, war er irgendwie machtlos (61.). Es stand 2:2 und das Match startete neu.

Nun begann auch ein Kartenfestival. Zwei sahen die Hausherren, weitere sechs die Thüringer, wobei es auch den mittlerweile auf der Bank sitzenden Giebel traf. Nach 69 Minuten flog Tommy Barth mit der Ampelkarte vom Platz. Lautstark gestikulierend sah er gelb. Der Schiedsrichter wollte die Nummer wissen, Barth sagte „9“, drehte sich aber nicht um und erhielt postwendend die zweite Verwarnung (66.).

Diese Entscheidung sorgte nicht gerade für Beruhigung im Gästelager. Aber Rudolstadt fing sich auch in Unterzahl wieder und nach einer Freistoßeingabe von Schlegel köpfte Abwehrchef Matthias Kühne ein (66.). Die Freude über die erneute Führung hielt jedoch nicht lange. Denn nach 71 Minuten gab es erneut Strafstoß. „Sünder“ Georg Kaiser beteuerte, seinen Gegenspieler nicht getroffen zu haben. „Aber er fällt geschickt“, sagte er und musste so wie seine Teamgefährten mit ansehen, wie Hildach auch den zweiten Elfer verwandelte und damit zum dreifachen Torschützen avancierte.

Wernigerode versuchte zwar noch, den Siegtreffer zu erzielen. Aber das gelang der Rosenthal-Elf ebenso wenig wie der Einheit auf der Gegenseite. Doch die hatte in der Nachspielzeit durch den eingewechselten Leo Gehrmann und Kapitän Tom Krahnert fast noch das 4:3 vor den Füßen.

Im Gespräch mit dem Verfasser zog Holger Jähnisch dann dieses Resümee: „Ich hätte mir gewünscht, dass meine Spieler mehr geschützt worden wären. Das sage ich ganz eindeutig. In meinen Augen waren wir heute nicht gut genug für drei Punkte, aber der Gegner und die Schiedsrichter waren es auch nicht.

Eigentlich mag ich den Schiedsrichter, aber heute hat er wild mit Karten um sich geworfen. Wir mussten zwei Mal verletzungsbedingt auswechseln. Das Foul an Florian Giebel musste der Assistent offensichtlich als solches erkennen. Ich habe versucht, ruhig zu bleiben. Ich muss meinen Job machen, die Spieler ihren. Aber die, die das Spiel leiten, haben ihn heute nicht gemacht. Die Linienrichter haben dem Schiedsrichter gar nicht geholfen.

Mein Gefühl ist, es wird eher danach geguckt, was die Trainerbänke machen. Als Spieler darf man sicher nicht alles kommentieren, aber wenn offensichtliche Fouls, die mit einem dicken Knöchel oder einem blutenden Knie enden, nicht gepfiffen werden, dann fehlt mir dafür jedes Verständnis. So mag ich den Fußball nicht. Da muss man überlegen, ob es auf diese Art und Weise, wo man sein Nervenkostüm und seine Gesundheit aufs Spiel setzt, eigentlich Wert ist.“

Die Statistik:

Wernigerode:

Cap, Singbeil, Wersig, Farwig, Hildach (73. Peszt), Hess, Minkmar (73. Dörnte), Rentz, Staat, Eheleben (46. Weinhauer), Pillich

Rudolstadt

Schmidt, Giebel (12. Halbauer, 86. Rühling), Kühne, Rühling (71. Kaiser), Kühne, Barth (69. GRK), M. Baumann, Krahnert, Fiedler, Seturidze, Wachs (86. Gehrmann), Schlegel

Schiedsrichter: Lars Albert, Zuschauer: 353

Torfolge: 0:1 Maximilian Schlegel (16./Strafstoß), 0:2 Niclas Fiedler (44.), 1:2, 2.2 Kevin Hildach (56./Strafstoß), 60.), 2:3 Matthias Kühne (66.), 3.3 Kevin Hildach (72.)

Hartmut Gerlach

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